Die Unfallstatistik spricht Bände. 26 Mal hat es im vergangenen Jahr auf dem Schindberg zwischen der Einfahrt zum Mischwerk und der sogenannten Bienenhauskurve gekracht. In 19 Fällen fuhren die Verursacher in Richtung Münnerstadt. Dabei gab es mehrere Verletzte. Deshalb gilt in diesem Bereich bergab jetzt Tempo 60. "Das hat die Unfallkommission so festgelegt", erläutert Lothar Manger, zuständig für den Verkehr bei der Polizeiinspektion Bad Kissingen.
In einer solchen Kommission sitzen Vertreter der Polizei, der Straßenverkehrsbehörde (Landratsamt) und des für die jeweilige Straße zuständigen Baulastträgers, was im Falle der Bundesstraße das Staatliche Bauamt Schweinfurt ist, sagt der Polizeibeamte. Nach der Unfallhäufigkeit in diesem Bereich des Schindbergs hat die Kommission angeordnet, die Geschwindigkeit zu begrenzen.
Das geschieht in zwei Schritten. Oberhalb der Einfahrt zum Mischwerk wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Richtung Münnerstadt (bergab) von 100 Stundenkilometern auf Tempo 80 reduziert, danach auf Tempo 60. Nach der Bienenhauskurve wird die Geschwindigkeitsbegrenzung wieder aufgehoben.


Nichts genützt

Dabei waren im letzten Jahr sowohl ein Hinweisschild auf die Kurve, als auch Reflektoren in der Leitplanke angebracht worden, um die Gefährlichkeit des Abschnitts zu unterstreichen. "Das hat auch nichts genützt", sagt Matthias Wacker vom Staatlichen Bauamt in Schweinfurt. Besonders bei nasser Fahrbahn passieren immer wieder Unfälle.
Deshalb soll dieser Bereich auch in diesem Jahr eine neue Deckschicht bekommen, wie Matthias Wacker sagt. Anschließend sei die Straße wieder so griffig, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben werden kann.
Ein weiterer Schritt zur Minimierung der Unfallzahlen in der Bienenhauskurve könnte eine Veränderung der Fahrbahnbreite sein. Dazu ist allerdings noch nicht das letzte Wort gefallen. Angedacht ist, durch Änderung der Fahrbahnmarkierung den Fahrstreifen bergab zu verbreiten und damit den Radius zu vergrößern. Im Gegenzug müssten die beiden bergauf führenden Fahrbahnen schmaler werden. In einer sogenannten Fahrstreifenoptimierung sieht auch Lothar Manger kein Problem, weil ein bergauf fahrendes Fahrzeug die gestrichelte Linie zwischen den beiden Fahrbahnen in Richtung Schweinfurt überfahren kann.


Großbaustelle kommt noch

Es steht außerdem noch eine viel umfangreichere Straßensanierung an. "Die ganze Straße ist in der Überplanung", sagt Matthias Wacker. Ein Grund: Die neue Schindbergstraße führt durch ein Wasserschutzgebiet, sämtliches Regenwasser muss gefasst und abgeleitet werden. In diesem Zusammenhang wird dann auch das letzte Teilstück der Freiherr-von-Lutz-Straße hergerichtet. Dann soll auch das Provisorium in der Einmündung verschwinden. In diesem Bereich hat die Unfallhäufigkeit abgenommen. Im letzten Jahr waren es zwei.
Sorgen bereitet Lothar Manger noch ein anderer Unfallschwerpunkt, bei dem - anders als in der Bienenhauskurve - der Straßenbelag keine Rolle spielt. Acht Unfälle hat es 2016 im Bereich der sogenannten Pyramide gegeben. "Das ist nicht nachvollziehbar", meint Lothar Manger. Besonders kurios sind drei Unfälle beim Linksabbiegen aus Richtung Schweinfurt in Richtung Bad Kissingen. Drei Personen sind dabei schwer und vier leicht verletzt worden. In dieser völlig übersichtlichen Einmündung sind die Verursacher abgebogen, obwohl aus Richtung Münnerstadt Fahrzeuge kamen, die weiter geradeaus nach Schweinfurt wollten und damit vorfahrtsberechtigt waren. Lothar Manger vergleicht die Situation mit einem Kaninchen, das sich unbekümmert der Schlange nähert. "Das Kaninchen erkennt die Sachlage, nimmt aber die Gefahr nicht wahr." Möglicherweise wird sich die Unfallkommission auch mit diesem Thema befassen müssen. Es gebe einen ganzen Maßnahmenkatalog, auf denen die Verkehrsexperten zurückgreifen können. "Manchmal sind das ganz banale Dinge, es kann aber auch sehr aufwendig sein", erläutert Lothar Manger.
Bevor dieser Bereich umgestaltet und die Straßen teilweise umgewidmet wurden, hatte es Pläne gegeben, eine abbiegende Vorfahrtsstraße auszuweisen. Da hatte es aber auch Bedenken gegeben, erinnert sich Lothar Manger. Matthias Wacker sagt, dass der Bereich als Kreisel geplant gewesen sei. Woran die Ausführung letztendlich gescheitert sei, könne er heute auch nicht sagen.