Manchmal sind es die kleinen Sachen, die große Dinge ins Rollen bringen. Kurzfristig hatte die Stadt Münnerstadt einen Antrag des Landkreises Bad Kissingen auf die Tagesordnung genommen, den Jugendzeltplatz auf der Zent ans städtische Abwassernetz anschließen zu können. "Wir sind immer für eine gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis", sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) dazu. Für das Kanalsystem sind die geringen Abwassermengen vom Zeltplatz auch kein Problem. Aber: Der Kanal im Strahlunger Weg ist für die Mischwasserentsorgung der Zent ohnehin viel zu klein. Das ist längst bekannt, allerdings wurde seit dem Jahr 2008 nichts mehr an den Kanälen der Kernstadt gemacht, wie Hans-Ulrich Hoßfeld vom Büro Hoßfeld und Fischer ganz deutlich sagte.

Er habe Hans-Ulrich Hoßfeld eingeladen, weil er Münnerstadt über viele Jahre bei der Planung der Abwassereinrichtungen begleitet hat, sagte der Bürgermeister. "Er kennt das Ganze sehr gut." Deshalb habe er ihn gebeten, sich den möglichen Anschluss des Zeltplatzes einmal anzusehen, auch in Bezug auf ein mögliches neues Baugebiet auf der Zent.

Es gibt drei Varianten, den Zeltplatz an das Abwassersystem anzuschließen, sagte Hans-Ulrich Hoßfeld. Es gehe dabei ausschließlich um Schmutzwasser, nicht um Regenwasser. Deshalb sei der Anschluss auch möglich, bei einer Mischkalkulation (Regenwasser und Schmutzwasser) wäre er problematisch.

Der Grund: Der Kanal, der im Strahlunger Weg liegt, ist jetzt schon überlastet, was sich auch auf ein neues Baugebiet auswirkt. "Meine Empfehlung: Überlegen Sie, ob dieses Baugebiet zwingend notwendig ist", sagte Hans-Ulrich Hoßfeld. Eine Erschließung sei aus Sicht der Abwasserentsorgung sehr schwierig. Er ging bei seinen Ausführungen auch auf die vielen Investitionen im Abwassersystem ab 1996 ein, die sich hauptsächlich auf Bereiche außerhalb der Altstadt bezogen. In der Altstadt selbst sei es sehr aufwendig und schwierig, Kanäle zu sanieren. Deshalb wollte man damals damit warten, bis auch die Straßen hergerichtet werden. Ab 2008 sei dann gar nichts mehr in die Kanäle der Kernstadt investiert worden.

Die Ausführungen zeigen, dass die Stadt mit Hans-Ulrich Hoßfeld den richtigen Partner hat, meinte der Bürgermeister dazu. Es sei jetzt schon kritisch im Strahlunger Weg. Auch der Planer Matthias Kirchner, der den Vorentwurf für das neue Baugebiet erstellt hat, habe gesagt, dass es fast unmöglich ist. Der Aufwand würde sich lohnen, wenn es 50 oder 60 Bauplätze wären, aber es seien ja nur wenige.

Der Aufwand sei für zehn bis zwölf Bauplätze unverhältnismäßig und nicht zielführend, sagte Arno Schlembach (CSU). Man müsse sich die Frage stellen, ob man es nicht gleich verwirft, auch weil die hohen Erschließungskosten im Bereich Abwasser durch Gebühren von der ganzen Bürgerschaft getragen werden müssen. Aber Hans-Ulrich Hoßfeld sah das nicht so. Man sollte noch einmal mit den Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes reden, ob Oberflächenwasser und Schmutzwasser unbedingt getrennt werden müssen. Eine Mischwasserentsorgung sei durchaus möglich, wenn der Kanal im Strahlunger Weg entsprechend vergrößert wird. Er empfahl den Stadträten, den Kanal neu berechnen zu lassen.

Der Bürgermeister verwies auf die zunehmenden Wetterkapriolen und den notwendigen Ausbau des Kanalsystems. Auch die Altstadt müsse angegangen werden. Ein Problem sei der Wegfall der Straßenausbaubeitragssatzung. Nun werden die Wünsche größer, die Straßen zu sanieren, wodurch auch die Kanalsanierung möglich ist.

Münnerstadt habe Chancen, in die Härtefallregelung zu kommen, wodurch es Fördermittel gibt, sagte Hans-Ulrich Hoßfeld. Heute müsse man bei einer Straßensanierung alle Versorger ins Boot holen (Wasser, Abwasser, Strom, Breitband), damit der Eigenanteil der Kommune möglichst gering ist.

Die Verwaltung wird nun Kontakt mit dem Landkreis bezüglich des Zeltplatzanschlusses aufnehmen. Parallel dazu soll das Büro Hoßfeld und Fischer ein Angebot für die Berechnung der Kanäle vorlegen. Der Beschluss dazu erfolgte einstimmig.