Schritt für Schritt nähert sich dank massiver Bürgerbeteiligung die Stadt einem städtebaulichen Entwicklungskonzept. Jetzt trafen sich rund 50 Einwohner in der Alten Aula in einer "Zukunftswerkstatt", in der die bisher erarbeiteten Ergebnisse präsentierte und künftige Handlungsfelder abgesteckt wurden. 75 Projektideen kamen dabei zur Sprache, so dass Bürgermeister Michael Kastl die Erwartungen etwas bremsen musste.

Jede Menge Schautafeln mit Themen und Stichworten zu einzelnen Bereichen unterstrichen, dass im Vorfeld schon jede Menge "Hirnschmalz" geflossen ist, es vor Ideen nur so sprudelt.

Sigrid Ziesel, Johannes Klüpfel und Martin Gebhardt, Mitarbeiter der beteiligten Planungsbüros, stellten zunächst den bisherigen Ablauf vor, an dessen Ende ein Entwicklungskonzept als Grundlage für eine Städtebauförderung entsteht. Nach der Auftaktveranstaltung im Oktober, bei der der Handlungsrahmen abgesteckt worden ist, war eine Online-Befragung ins Netz gestellt worden, bei der 110 Rückmeldungen verzeichnet wurden.

Aus diesen Antworten kristallisierten sich sechs Themenfelder heraus: Wohnen und Wohnumfeld, Kultur und Soziales, Versorgung und Einzelhandel, Natur und Freizeit, Ortsbild und öffentlicher Raum sowie Mobilität und Verkehr. Räumliche Schwerpunkte waren unter anderem der Bahnhof, das BBZ, das Hallenbad, der Anger, der Stenayer Platz und der Marktplatz.

Von den 75 Projektideen bezog sich ein beträchtlicher Teil auf das Stadtbild und das kulturelle Erbe, so dass dieser Bereich wohl als das zentrale Aufgabenfeld anzusehen sei, wie Johannes Klüpfel zusammenfasste. Dem Kirchplatz waren wie dem Marktplatz und Anger die meisten Gedanken gewidmet. Auch der Innenentwicklung wird mit Vorschlägen zur Aktivierung ungenutzter Immobilien eine vorrangige Bedeutung eingeräumt.

Unter dem Punkt "soziale Infrastruktur" ist unter anderem das Hallenbad eingeordnet, dem nach wie vor eine herausragende Funktion für das soziale Leben zugeschrieben wird. Mit der Technischen Infrastruktur befassten sich ebenfalls eine große Zahl von Teilnehmerinne und Teilnehmer. Dabei ging es in erster Linie um Forderungen nach einem leistungsfähigen Breitbandnetz mit freiem Wlan in der Stadt.

Etliche Defizite

Viele Vorschläge kamen zum Bereich Umwelt, Landschaft und Klima. Dabei ging es vielfach um die ökologische Aufwertung des öffentlichen Raums im Altstadtring sowie einen besseren Zugang zur Lauer. Auch die Aufwertung des Bereichs Talwasser spielte in den Rückmeldungen eine wesentliche Rolle. Fast genauso viel Interesse weckte der Bereich, Kultur und Tourismus. Eine ganze Reihe von Defiziten wurden dabei aufgeführt, die die Attraktivität für Senioren betreffen, etwa Mängel am Bahnhof oder fehlende Seniorenrundwege. Auch ein Ausbau als Gesundheitsstandort wurde angeregt.

Im Bereich Verkehr und Mobilität drehten sich zahlreiche Vorschläge um eine weitere Verkehrsberuhigung der Innenstadt. Insbesondere soll mehr Rücksicht auf Bedürfnisse der Fußgänger (insbesondere von Senioren) und Radfahrer genommen werden. Ebenso waren Gedanken zur Optimierung der Bahnanbindung aufgeführt.

Nachdem die Teilnehmer der Zusammenkunft aufgefordert waren, die mit den Vorschlägen vorbereiteten Listen mit weiteren Anmerkungen zu ergänzen, sollten auch noch Punkte nach Priorität vergeben werden. Die Verteilungen werden dann von den beiden Büros ausgewertet und dem Stadtrat vorgelegt.

Zu einigen Bereichen nahm Kastl gleich Stellung, etwa dem BBZ, das jetzt noch von der Montessorischule belegt ist und später für einen Hort vorgesehen sei. Am Hallenbad schieden sich allerdings die Geister, gerade unter den aktuellen Ereignissen mit explodierenden Energiepreisen sei die Einrichtung neu zu bewerten. Die mehrmals genannte "Zehntscheune" stehe wie das Jugendhaus ebenfalls schon auf der Agenda. Auf dem Remog-Parkplatz sei eine Bebauung mit einer Betreuungseinrichtung bereits angedacht.

Finanzen im Blick

Wie schon in seinem Eingangsstatement warnte der Bürgermeister aber vor allzu großen Erwartungen. "Es liegt nicht am Nicht-Wollen", vielmehr an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt. Darüber hinaus erinnerte Kastl an die Bevölkerungsentwicklung, die schon seit Jahren rückläufig sei und auch in Zukunft mit weiteren Verlusten verbunden sei. Die Stadt besitze außerdem nicht nur viele alte Anwesen und Einrichtungen, die unterhalten werden müssen, sondern auch noch zehn Stadtteile, die in der Vergangenheit etwas zu kurz gekommen seien. Diese Hinweise sollen jedoch nicht abschrecken, sondern zum weiteren bürgerschaftlichen Engagement ermuntern. Ehrenamtliche Arbeit sei angebracht, wenn die Stadt nicht in der Lage ist, Wünsche zu erfüllen.