Der Hochbehälter mit Pumpwerk in Althausen, der Hochbehälter Kleinwenkheim und die Wasserleitung von Kleinwenkheim nach Großwenkheim sind dringend sanierungsbedürftig. So lautet das Fazit von Andrea Eick vom Büro Arz Ingenieure bei der jüngsten Stadtratssitzung. Sie hatte zuvor die gesamte Wasserversorgung der Stadt Münnerstadt unter die Lupe genommen. Die Fachfrau sieht dringenden Handlungsbedarf, jetzt sind solche Investitionen auch wieder zuwendungsfähig.

Die Arz Ingenieure hatten sich bereits früher um die Wasserversorgung in Münnerstadt gekümmert, in den letzten Jahren allerdings war nichts mehr investiert worden. Und so trafen die älteren Stadtratsmitglieder mit Andrea Eick eine alte Bekannte, so wie das kürzlich bei Hans-Ulrich Hoßfeld vom Büro Hoßfeld und Fischer im Bereich Abwasser der Fall war. Auch da hatte die letzten Jahre Stillstand geherrscht.

Ein Dilemma

Bürgermeister Michael Kastl (CSU) sprach von erheblichem Nachholbedarf bei der Wasserversorgung. Die Vorstellung des Zustands und der notwendigen Arbeiten soll die Gebührenkalkulation erleichtern. Denn da hat sich die Stadt in ein Dilemma hineinmanövriert. Jahrelang waren Rücklagen für Investitionen gebildet worden, die dann aber nicht getätigt worden sind. Die Folge: Das Geld muss an die Verbraucher zurückgezahlt werden, wodurch vor allem der Wasserpreis auf einem historischen Niedrigstand ist. Für die anstehenden Investitionen wird aber Geld gebraucht, was sich auf die nächste Gebührenkalkulation auswirken wird. Zwischenzeitlich wird das den Haushalt belasten.

Andrea Eick stellte zunächst die Wasserversorgung in Münnerstadt vor, die im Jahr 2009 ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Seither seien die Investitionen deutlich reduziert worden, sagte sie. Mit einem Alter von über 40 Jahren haben die Hochbehälter Althausen (mit Pumpwerk) und der Hochbehälter Kleinwenkheim die theoretische Nutzungsdauer deutlich überschritten. Möglich ist da eine bauliche Sanierung oder aber ein Neubau. "Beide Varianten sollten untersucht werden." Auch an den anderen Hochbehältern sei eine Überprüfung erforderlich.

In den Pumpwerken ist die Maschinentechnik zwischenzeitlich über 25 Jahre alt. Auch da empfiehlt sie eine Überprüfung. "Im Hochbehälter auf dem Karlsberg laufen alle Leitungen zusammen", sagte die Diplom-Ingenieurin. Dort empfiehlt sie der Stadt eine Photovoltaikanlage mit Eigennutzung für die Pumpen. Erhebliche Defizite sieht sie bei vielen Ortsnetzen, besonders aber bei der Zubringerleitung von Kleinwenkheim nach Großwenkheim, die im direkten Bereich der Wannig liegt, wo sich der Biber erfolgreich angesiedelt hat. "Das ist heikel", sagte sie in der Stadtratssitzung und empfahl, kurzfristig eine neue Trasse zu suchen.

Wichtig: Versorgungssicherheit

"Die oberste Priorität liegt auf der Versorgungssicherheit der Abnehmer", fasste Andrea Eick ihren Vortrag zusammen. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf. Dazu zeichnete sie auch die Fördermöglichkeiten durch den Freistaat auf. Das Programm endet allerdings 2024, genehmigte Investitionen können aber auch noch darüber hinaus realisiert werden.

Als "umfassend und schonungslos" bezeichnete Michael Kastl den Vortrag von Andrea Eick. Leo Pfennig (Freie Wähler) ging auch noch einmal auf die anstehenden Investitionen im Bereich Abwasser ein und stellte fest, dass Wasser und Abwasser in den letzten zwölf Jahren grob vernachlässigt worden seien. Er möchte, dass das Büro Arz eine Summe nennt, mit welchem Investitionsvolumen die Stadt zu rechnen habe. "Ich denke, dass wir uns zeitnah mit dem Thema befassen müssen", sagte Arno Schlembach (CSU) auch mit dem Verweis auf die Fördermittel.

"Es kann nicht sein, dass wir damit allein gelassen werden", meinte der Bürgermeister. Bei anderen Projekten zahle der Freistaat bis zu 80 Prozent, beim Wasser hatte es jahrelang überhaupt keine Zuschüsse gegeben. Das Thema Wasser und Abwasser wird den Stadtrat in nächster Zeit noch öfter beschäftigen.