Über Jahre hinweg wurden Einheimische und Besucher, die aus Richtung Münnerstadt nach Fridritt kamen, von einem wenig einladenden Haus in der Pilgerstraße begrüßt. Das Gebäude ist inzwischen von einem jungen Paar hergerichtet worden, aber für einige Irritationen hat die Anlage vor dem Haus gesorgt, weil teilweise städtischer Grund berührt ist. Nach einigen Verwirrungen hat Bürgermeister Helmut Blank (CSU) einen Kompromiss-Vorschlag eingebracht, der die Angelegenheit aus der Welt schaffen soll. "Wenn ich jetzt oben 'reinfahre, habe ich einen Super-Anblick", lobt das Stadtoberhaupt. Und das soll auch so bleiben.
Den etwas kuriosen Fall hatte der Bürgermeister bei der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses zur Sprache gebracht. Das "kleine Problem" sei, dass eine etwa fünf bis sechs Quadratmeter große Ecke vor dem Haus nicht dem neuen Hausbesitzer, sondern der Stadt gehöre. Er wollte die Ecke nicht mehr zurückbauen lassen und so schlug Blank die Verpachtung an den Hauseigentümer vor, der aber auch die möglichen Gefahren durch die Kante tragen soll.


"Alles abgesprochen"

Daniel Veit heißt der neue Hausbesitzer. Er hat das alte Gebäude für sich und seine Partnerin Susanne Mattusch hergerichtet. Der Zeitungsartikel habe den Eindruck erweckt, dass er die Blumenrabatten vor dem Haus unabsichtlich auf städtischem Grund angelegt hat, sagt er. "Aber das ist falsch, es war alles mit dem Ortsreferenten Jürgen Eckert abgesprochen", betont Daniel Veit. Der Bürgermeister meint allerdings dazu, dass es sich dabei um ein Missverständnis gehandelt habe.
"Es war alles verwahrlost", erinnert sich der neue Besitzer. Zu den vielen Problemen gehörte auch, dass das Gebäude nicht an das Kanalsystem angeschlossen war. Das Haus hat keinen Keller, der Kanal konnte nicht tief verlegt werden, erklärt er. Das sei der Grund, warum er die Rabatte vor dem Haus erhöht hat, warum die Begrenzungssteine etwa 20 Zentimeter herausragen. So soll nämlich vermieden werden, dass der Anschluss einfriert, erläutert er. Diese herausstehende Kante unmittelbar neben der Straße ist der Hauptgrund für die Diskussionen. Es gibt nämlich Befürchtungen, dass es Probleme mit dem Winterdienst geben könnte. Die Polizei habe bei einer Besichtigung keine Probleme mit der Rabatten gehabt, sagt Daniel Veit.
Das bestätigt Lothar Manger, zuständig für den Verkehr bei der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Er macht allerdings eine Einschränkung: Es dürften keine hochwachsenden Pflanzen gesetzt werden. Aber das sei ihm zugesichert worden. Da ist der Hausbesitzer schon beim nächsten Problem: Die von ihm bestellten Blumen seien bereits beim Händler eingetroffen und müssten jetzt dringend gepflanzt werden.


Bürgermeister vermittelt

In die sich anbahnenden Unstimmigkeiten zwischen Daniel Veit und Nachbarn hat sich Helmut Blank vermittelnd eingeschaltet. Sein Kompromissvorschlag beinhaltete, dass der Eigentümer eine Überwachungskamera abbaut, die Nachbarn gestört hat. Das hat Daniel Veit bereits getan. Im Gegenzug soll er das städtische Grundstück für einen symbolischen Betrag pachten können. Er soll aber einen Teil der Rabattensteine absenken. "Ich glaube, diese Entscheidung ist für alle Beteiligten erträglich", sagt der Bürgermeister. Er findet die Neugestaltung des Hauses und auch des Areals davor sehr schön.


Sensibles Thema

Wie sensibel dieses Thema ist, hat er am eigenen Leib erfahren. Bei besagter Bau- und Umweltausschuss-Sitzung hatte er die städtische Grünfläche als "wenig gepflegte Ecke" bezeichnet, nicht wissend, dass sich engagierte Bürger jahrelang darum gekümmert haben. Das Thema wird wohl wegen der Verpachtung im Bauausschuss besprochen werden. Umweltreferent Klaus Schebler (Neue Wege) teilt die Meinung des Bürgermeisters aber nicht: "Mir gefällt es überhaupt nicht", sagt er.