Seit mehr als einem Jahr darf die Katholische Kirche St. Nikolaus in Kleinwenkheim nicht mehr betreten werden. Ursachen sind ein verrutschter Schlussstein im Chorbogen und zahlreiche Risse in den Mauern. Nach einem Zustandsbericht mit Konzept der Federlein Ingenieurgesellschaft besteht akuter Handlungsbedarf. Der Schlussstein muss demnach gegen weiteres Verrutschen gesichert werden. Zur Ermittlung aller Einflüsse auf das Gebäude und die Ursache der Risse im Langhaus soll es ein Rissmonitoring geben, also das Beobachten der Risse über mindestens zwei Jahre. Erst danach könne man Aussagen machen, wie die dauerhafte Sanierung der Risse erfolgen soll.

Das Rissmonitoring und die Akutsicherung des Chorbogens und der Langhaus-Turmecke kostet rund 14 600 Euro . Das ist bereits seit dem letzten Jahr bekannt. Und die Mitglieder der Kirchenverwaltung waren zuversichtlich, dass sie von der Diözese einen Zuschuss bekommen. Die hat zwar aus Geldmangel etliche Projekte gestoppt, in diesem Fall handelt es sich aber um eine Notsicherung, weil Gefahr in Verzug ist. Selbst der vorzeitige Baubeginn ist bereits seit vergangenem Jahr genehmigt. Die Verantwortlichen haben lediglich noch auf den Zuschuss aus Würzburg gewartet. Doch die Diözese zahlt lediglich 2000 Euro.

Wie in solchen Fällen üblich, hat die Kirchenverwaltung Kleinwenkheim auch einen Antrag auf Zuschuss bei der Stadt Münnerstadt gestellt. Seit einigen Jahren übernimmt die Kommune bei Investitionen von Vereinen und Institutionen zehn Prozent. Laut Beschlussvorlage war auch in diesen Fall ein zehnprozentiger Zuschuss geplant. Aber es sollte anders kommen.

"Es ist eine sehr schwierige Situation", begann Bürgermeister Michael Kastl (CSU) mit dem Hinweis, dass in der Kleinwenkheimer Kirche keine Gottesdienste mehr stattfinden dürfen. Früher sei das recht einfach gewesen: "Das soll die Kirche bezahlen, und dann läuft das", sagte er. "So einfach ist das leider nicht mehr." Durch die Knappheit der Mittel bei der Kirche gebe es deutliche Berührungspunkte mit dem Staat. Die Stadt Münnerstadt mit ihren zwölf Kirchen sei da besonders betroffen.

Michael Kastl erläuterte kurz die notwendigen Arbeiten und sagte, dass es bisher lediglich einen Zuschuss von 2000 Euro für die Akutsicherung des Chorbogens gibt. Für das Rissmontitoring hat die Diözese kein Geld locker gemacht. "Den Rest muss die Kirchenverwaltung aufbringen", betonte er. Die Stadt wolle die Kirche nicht im Sich lassen. Deshalb unterbreitete er einen Beschlussvorschlag, der sich deutlich von dem in den Sitzungsunterlagen unterschied. Statt 1460 Euro sollten 5000 Euro gezahlt werden. So könnte die Stadt dafür sorgen, dass in absehbarer Zeit wieder Gottesdienste stattfinden können. Es falle ihm nicht leicht, weil die Stadt viele Kirchen hat, sagte Michael Kastl und hatte noch einen Vorschlag parat, um die Gleichbehandlung zu garantieren. Zu einem späteren Zeitpunkt werde das Gotteshaus umfassen saniert, wobei die Stadt auch wieder ihren zehnprozentigen Zuschuss zahlen wird. Dann wird das jetzt zu viel gezahlte Geld verrechnet, meinte er.

5000 Euro werden benötigt

Michael Kastl hatte sich zuvor mit den Verantwortlichen der Kirchenverwaltung zusammengesetzt und gefragt, wie viel Geld sie unbedingt brauchen, um die dringend notwendigen Arbeiten finanzieren zu können. So ist der Kompromissvorschlag entstanden, sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Er sehe den großen Zusammenhang, meldete sich Leo Pfennig (Freie Wähler) zu Wort und erinnerte daran, dass die Sanierung der Stadtpfarrkirche in Münnerstadt drei Millionen Euro kostet und die Stadt ebenfalls einen Zuschuss gibt. Gleiches müsse natürlich für die Stadtteile gelten. "Es ist zwar eine freiwillige Leistung der Stadt, aber Kirchen sind Kulturdenkmäler und Kommunikationszentren", betonte er. Deshalb sollte die Kommune auch den zehnprozentigen Zuschuss zahlen. In diesem speziellen Fall könne er auch die 5000 mittragen, wenn das zusätzliche Geld später verrechnet wird.

"Es ist ein Graus, was der örtlichen Kirchenverwaltung zugemutet wird", sagte Ortsreferent Oliver Jurk (CSU) dazu. Er sprach sich ebenfalls dafür aus, 5000 Euro zu zahlen. So sahen es die anderen Stadträte auch, der Beschluss fiel einstimmig aus.

Die Vertreter der Kirchenverwaltung, die bei der Stadtratssitzung anwesend waren, zeigten sich damit sehr zufrieden. Nach der Schließung der Kirche im August letzten Jahres hatten die Gottesdienste zunächst auf einer Wiese vor der Aussegnungshalle im Freien stattgefunden, später nutzten die Gläubigen das Vereinsheim, das nun aber wieder verstärkt von den Vereinen genutzt wird, weshalb die Gottesdienste wieder auf der Wiese gefeiert werden. Sobald die vorgeschriebenen Arbeiten ausgeführt sind, kann die Kirche wieder genutzt werden.