Schon in der nächsten Woche soll es beim Notar amtlich werden: Die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung verkauft ein gut 1300 Quadratmeter großes Grundstück am Jugendhaus am Dicken Turm an die Stadt Münnerstadt. Das ist ein Teil der Außenanlage, zu dem die ehemalige Turnhalle und der Basketballplatz gehören. Die Flächen direkt am Jugendhaus verbleiben im Eigentum der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung. Stadt und Stiftung wollen das Areal gemeinsam gestalten und unter anderem Parkplätze schaffen.

Einstimmiger Beschluss

Die Stadt Münnerstadt hatte den Kaufantrag an die Stiftung gestellt, der Stiftungsrat stimmte dem Anliegen in seiner jüngsten Sitzung einhellig zu, sagt Marco Schäfer, Stiftungsvorstand der Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung. "Wir benötigen das Grundstück nicht." Erst im letzten Jahr hatte die Stiftung das frühere Jugendhaus am Dicken Turm mit der dazu gehörenden Außenanlage von den Augustinern gekauft, um im Gebäude weitere Wohnungen für das Haus St. Michael (Betreutes Wohnen) zu errichten.

In dem bei der Stiftung verbleibenden Außenbereich sollen Parkplätze für die künftigen Bewohner des früheren Jugendhauses errichtet werden; das sei vielen sehr wichtig, sagt Marco Schäfer. Und natürlich soll der Platz gestaltet werden. "Mit möglichst viel Grün." Er könnte sich gut vorstellen, den Platz zusammen mit dem Teil der Stadt Münnerstadt herzurichten.

"Da hängen Sie sich an uns dran", sagt Bürgermeister Michael Kastl in Richtung Marco Schäfer. Schließlich falle der Blick beim Betreten des Areals auf beide Grundstücke. Ein einheitliches Bild wäre da ideal, findet das Stadtoberhaupt, der erklärt, was er mit dem städtischen Grundstück vorhat. "Wir wollen für die Entwicklung der Altstadt eine städtebaulich attraktive Verbindung zwischen Marktplatz, Stenayer Platz und dem Schulgürtel schaffen." Außerdem sollen innenstadtnahe Parkplätze gebaut werden. Zusammen mit dem Sanierungsbeauftragten der Stadt soll nun ein Konzept erarbeitet werden, das städtebaulich attraktiv ist. "Wir zählen da auf Zuschüsse durch die Städtebauförderung."

Keine Durchfahrtsstraße

Das neue Areal soll vom Stenayer Platz aus und von der Straße Am Dicken Turm aus befahrbar sein. "Inwieweit wir das beschränken, muss noch geklärt werden", sagt der Bürgermeister. Denn eine Durchfahrtsstraße soll es nicht werden. Was aus der Turnhalle wird, ist noch unklar. Da soll es demnächst eine Besichtigung durch den Stadtrat geben.

"Das ist ein doppelter Gewinn für die Stadt Münnerstadt", freut sich Michael Kastl, der Marco Schäfer, dem Stiftungsratsvorsitzenden Thomas Bold und den Mitglieder sehr dankbar für den Verkauf ist. Einerseits werde das Jugendhaus saniert und wieder belebt, auf der anderen Seite bekomme die Stadt die dringend notwendige Anbindung des Schulgürtels. "Das sind zwei tolle Dinge, die wir in Zusammenarbeit mit der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung erreichen." Die Stiftung sei ein wichtiger Partner für die Stadt, nicht nur bei der Seniorenarbeit, sondern auch bei der Altstadtentwicklung.

Saal bleibt erhalten

Das frühere Jugendhaus wird derzeit ausgeräumt; Marco Schäfer geht davon aus, dass mit den Umbauarbeiten noch in diesem Jahr begonnen werden kann. Es werden betreute Wohnungen errichtet, nach Fertigstellung ziehen dort vorübergehend die Bewohner des Altbaus vom Juliusspital ein, damit das historische Gebäude saniert werden kann. Inzwischen ist auch klar, dass der Saal des Jugendhauses im Erdgeschoss bleibt, obwohl so etwas eigentlich unwirtschaftlich ist. Dieser soll künftig der Veranstaltungsraum und der Treffpunkt der Bewohner werden, weil der heutige im Haus St. Michael bei mehr als 60 Wohnungen ausschließlich als Speiseraum genutzt wird. "Beim Dachgeschoss sind wir noch in der Findungsphase", sagt Marco Schäfer. Dort können keine Balkone errichtet werden und die seien sehr wichtig für Menschen im betreuten Wohnen.

Für ältere Menschen sehr attraktiv

Marco Schäfer ist froh, dass die Stiftung das Haus gekauft hat. "Das Jugendhaus ist so ein schönes Gebäude", schwärmt er. Es sei ein qualitativ gutes Gebäude, das man nur der Zeit anpassen müsse. "Es wäre furchtbar schade, wenn das ungenutzt bleibt." Betreutes Wohnen sei sehr gefragt. Das Haus St. Michael sei für ältere Menschen sehr attraktiv.

Leerstand vermieden

Eine solche Stiftung müsse ja wirtschaftlich denken, sagt Michael Kastl. "Ich rechne es der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung sehr hoch an, dass sie den Leerstand wieder beleben." Das sei ja auch ein Kostenfaktor. Andere bauen auf der grünen Wiese. Die Investition sei ein wichtiger Beitrag zur Altstadtentwicklung und zur Vermeidung von Leerständen, betont Michael Kastl. "Das würdigt man viel zu selten."