Im ehemaligen Wasserturm, den der Bund Naturschutz (BN) seit April 2011 von der Stadt Münnerstadt gepachtet und als Vogelhotel eingerichtet hat, wachsen in diesen Tagen zum zweiten Mal Jungvögel heran. "Das ist der Wahnsinn", sagt Walter Ziegler, der die Nistkästen angebracht hat, als er den bewohnten öffnet. "Damit wird sich die danieder liegende Mäusejäger-Population erholen."

Endlich Nachwuchs

Die fünf Schleiereulen-Nestlinge sind derzeit so groß wie eine starke Männerfaust. Mit ihrem ersten Flaum bewachsen könnte man sie beim schnellen Hinsehen mit wenige Tage alten Kätzchen verwechseln. "Endlich haben wir wieder einmal Schleiereulen-Nachwuchs", freut sich der langjährige Naturschutzwächter Hellmut Petsch. Der zweite Horstkasten war, wie im vorigen Jahr schon, von Dohlen in Beschlag genommen, deren Junge inzwischen ihr Nistgehäuse verlassen haben.

Dohlen brüteten

Von Aktiven der BN-Ortsgruppe Münnerstadt wurden zwei Horstkästen für Schleiereule und Turmfalke - beide stehen unter Naturschutz - montiert. Während im ersten Jahr nach der Einrichtung keiner der beiden künstlichen Horste besetzt war, hatten im zweiten Jahr Dohlen beide Nistgelegenheiten als Brutdomizil in Anspruch genommen. Und jetzt endlich hat, wie erwartet, ein Schleiereulen-Paar einen der beiden Brutplätze für sich entdeckt.
Vor einigen Jahren war fast die gesamte Schleiereulen-Population in unserer Region dem Winter zum Opfer gefallen, da die Mäusejäger, die auch Jagd auf andere Kleinsäuger machen, wegen der Schneelage lange Zeit keine Nahrung fanden. Das bedeutete, dass erst wieder einige junge Vögel auf der Suche nach eigenen Brut-Revieren aus anderen Regionen zuwandern mussten, um sich hier im offenen Kulturland östlich von Münnerstadt anzusiedeln und eine Population neu zu begründen.
Seit Jahrhunderten waren fast alle Kirchtürme von Schleiereulen bewohnt, wo sie jährlich ihre Bruten großziehen konnten. Schon im ausgehenden Winter waren ihre schnarchenden Balzlaute zu hören und schon in der Dämmerung konnte man ihre Balzflüge rund um die Kirchtürme beobachten.

Weniger Nistgelegenheiten

Seit jedoch die Schall-Löcher in den Türmen in den 1960er Jahren durch Lattenverschläge verschlossen wurden, waren Schleiereulen aus ihren angestammten Brut-Revieren ausgesperrt und fanden auch nur noch selten eine Nistgelegenheit in Scheunen, außer in Feldscheunen. Schuppen und Scheunen waren früher aus diesem Grund mit einer dreieckigen Öffnungsluke unter dem Giebel, der so genannten Uhlenflucht (Eulenloch) ausgestattet. Die war extra dafür vorgesehen, den Nacht-Vögeln mit dem herzförmigen Gesichtsschleier die Scheunen und Schuppen zu öffnen, um dort Mäuse, die Plagegeister der Landwirte, zu jagen. Heute werden sie - wie so vieles in der Landwirtschaft - mit Gift bekämpft. Daher sind auch an vielen Scheunen-Giebeln keine Eulenlöcher mehr vorhanden.
Mit dem Nisten der Schleuereulen, Dohlen, vielleicht bald auch einmal eines Turmfalken-Paares oder auch der Gründung einer Fledermaus-Sommerkolonie habe sich der Wasserturm in der Wermerichshäuser freien Flur als Tier-Asyl bereits nach drei Jahren etabliert, freut sich der Ehrenvorsitzende der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen, Ulf Zeidler, der die Planung zum Tierhotel in die Wege geleitet hat.
Mit dem Zuzug des Schleiereulen-Paares und dem Ausschwärmen der Jung-Eulen werden bald wieder Schleiereulen das weiträumige Grabfeld besiedeln. Insofern habe das sonst ungenutzte Gebäude inmitten der Wermerichshäuser Flur wieder eine sinnvolle Aufgabe.