Vier Kräne stehen noch an der Baustelle des Rhön-Klinikum Campus. Einer davon wird demnächst vom Rohbau des Akut-Neubaus umziehen. Nicht weit - nur bis zum Neubau des Ambulanzbereichs. Denn dort haben vor kurzem die ersten Arbeiten begonnen. Unter anderem mit der Pfahlgründung eines Teilbereichs und mit dem Unterfangen einer der charakteristischen Glaskuppeln, die schon den bisherigen Klinikbereich prägten.
Nach dem Bau am Uni-Klinikum Gießen ist der Campus in Bad Neustadt die zweitgrößte Baumaßnahme, die die Rhön-Klinikum AG jemals in Angriff genommen hat. Immerhin soll Bad Neustadt ja auch so etwas wie ein Blaupause dafür sein, wie man sich beim Rhön-Klinikum die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten vorstellt. Mit starker Digitalisierung und mit der Verzahnung von stationärer und ambulanter Medizin an einem Standort und weiteren medizinischen Angeboten.


Alles in geplantem Rahmen

Ein Konzept, das so interessant ist, dass am Donnerstag, 13. Juli, Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe kommen wird, um sich hier über die Digitalisierung der Medizin und die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum zu informieren.

Und dieses Pilotprojekt wird nach Auskunft von Dirk Rohde, dem Leiter des Konzernbereichs Bau und Technik, nach derzeitigem Stand sowohl im geplanten Zeitrahmen als auch im geplanten Kostenrahmen bleiben.


85 Prozent der Aufträge vergeben

Das heißt, dass Ende nächsten Jahres der komplette Klinik-Komplex mit dem akut-medizinischen und dem ambulanten Bereich seinen Betrieb aufnehmen wird, so Rohde. Dann wird auch schon die Rhön-Kreisklinik von der Stadt auf den Berg umgezogen sein. Dass es zu Verzögerungen kommen könnte, dafür sieht Rohde keine Anzeichen. "Die Bauarbeiten laufen nach Plan." Gerade eben wurde der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Akutbereiches betoniert. Die geplanten Kosten von rund 180 Millionen Euro sieht Rohde ebenfalls nicht in Gefahr.

Denn rund 85 Prozent aller Aufträge sind schon vergeben, so Rohde. Angesichts der derzeit hohen Auslastung der Baubranche und der dadurch bedingt anziehenden Preise, sei das schon sehr gut. Das sähe sicher anders aus, wenn die Ausschreibungen für die Arbeiten erst jetzt erfolgen würden, ist sich der Konzernleiter des Bau- und Technikbereichs sicher.

Rund 50 Firmen haben bisher am Neubau mitgearbeitet, rund 65 werden es bis zum Ende der Baumaßnahme sein, erklärte Rohde. Dazu kommen noch Subunternehmer. Alleine an Stahl werden bis dahin zwischen 7500 und 8000 Tonnen verbaut sein, an Beton rund 60 000 Kubikmeter.

Gerade in dieser Zeit, in der es so heiß ist, ist ein Detail des Baus vielleicht von besonderem Interesse. Der Komplex mit den Patientenzimmern wird mit der sogenannten Betonkern-Aktivierung temperiert, das die Masse des Betons als Kälte- oder Wärmespeicher nutzt. Rohde erklärt es so: In den Betondecken verlaufen Schläuche, durch die im Sommer kaltes Wasser fließt, im Winter warmes.


Betondecken kühlen

Ein träges, aber sehr effektives System. Das reicht aber im Winter nicht aus, um den Komplex zu heizen. Dafür stehen wie bisher die Blockheizkraftwerke zur Verfügung, mit denen am Campus sowohl Wärme als auch Strom für den Eigenbedarf erzeugt werden. Die Heizung kann dann in den Zimmern entsprechend kleiner dimensioniert werden.

Der selbst erzeugte Strom aus den Blockheizkraftwerken reicht außerdem natürlich nicht aus, um einen energieintensiven Klinikkomplex am Laufen zu halten. Deshalb bekommt der Campus eine eigene Stromanbindung von den Stadtwerken und verfügt außerdem über eine Notstromversorgung, für die im Ernstfall ein riesiger Schiffsdiesel anspringt.

Während derzeit gerade die Rohbauarbeiten für den Bereich ambulante Medizin beginnen, sind im akutmedizinischen Teil mit den OP-Räumen, der Notfallaufnahme und insgesamt 670 Patienten-Betten bereits die Fenster eingebaut, der Innenausbau läuft, und auch an der Fassade wird schon gearbeitet. Die 670 Betten umfassen 40 Intensivbetten und 120 sogenannte Intermediate-Care-Betten. Eingeschlossen sind auch schon die Betten der Rhön-Kreisklinik.


Vier Wochen für Umzug

Für deren Umzug von der Stadt auf den Klinikberg rechnet Rohde gegen Ende der Bauarbeiten im nächsten Jahr mit etwa vier Wochen. Allzu kompliziert dürfte das nicht werden, sagt er. Und er erklärt auch warum. Weil nämlich im Neubau das meiste an medizinischem Gerät neun angeschafft wird, muss nichts in der Rhön-Kreisklinik abgebaut und oben wieder aufgebaut werden, während gleichzeitig aber der medizinische Betrieb aufrechterhalten werden muss.

Vielmehr gehe es beim Umzug in erster Linie darum, die Patienten in die neue Klinik zu bringen. Bei vielen, die einigermaßen mobil sind, werde das wohl mit einem Bus gehen. Nur Liegend-Patienten oder Patienten mit schweren Erkrankungen müssten mit Rettungswagen transportiert werden. Hubert Herbert