Unter der Überschrift "Parkplatzsituation steuert ins Chaos" hat die Tageszeitung vor genau 25 Jahren auf ein Riesen-Problem am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium aufmerksam gemacht. Damals war die Situation so schlimm, dass Schulleiter Elmar Schuster sogar erwog, Parkberechtigungsscheine für auswärtige Schüler einzuführen. Der Kauf des benachbarten Augustiner-Grundstücks durch den Landkreis hat die Situation dann entschärft, erst vor wenigen Jahren kamen weitere Stellflächen hinzu.


70 Stellplätze für das BBZ

Mit dem Bau des neuen Berufsbildungszentrums (BBZ) in unmittelbarer Nachbarschaft wird sich die Situation wieder grundsätzlich ändern. Denn: "Die für das BBZ benötigten 70 Stellplätze werden auf dem bereits bestehenden Parkplatz an der Reichenbacher Straße ausgewiesen", heißt es aus dem Landratsamt. Gemäß der Garagen- und Stellplatzverordnung würden für den Neubau des BBZ 83 Stellplätze benötigt, 13 davon werden auf dem Baugrundstück selbst geschaffen. Das bedeutet, dass sich Lehrer und Schüler des Gymnasiums den Parkplatz künftig mit Lehrern und Schülern des BBZ teilen müssen.
Im Landratsamt hat man damit kein Problem: "Nach der Garagen- und Stellplatzverordnung waren für das Gymnasium schon immer nur 49 Stellplätze vorgeschrieben." Neun dieser Stellplätze befinden sich direkt am Gymnasium. "Die übrigen 40 Stellplätze werden auch weiterhin am Parkplatz an der Reichenbacher Straße für das Gymnasium vorgehalten." Mehr Stellplätze für Gymnasien würden auch an anderen Schulstandorten nicht zur Verfügung gestellt. "Richtig ist also, dass der vom Landkreis gebaute bestehende Parkplatz an der Reichenbacher Straße deutlich größer ist als für das Gymnasium rechtlich erforderlich. Deshalb ist es nun möglich, hieraus die für das BBZ vorgeschriebenen Stellplätze abzulösen." Soweit der tatsächliche Bedarf an Stellplätzen höher sei, müssten die Nutzer wie bei anderen Einrichtungen auch auf den öffentlichen Parkraum ausweichen.


Reservierung für Lehrer

Wenig begeistert zeigt sich der Leiter des Schönborn-Gymnasiums, Joachim Schwigon, von der ganzen Angelegenheit." Unsere Lehrer und Schüler kommen zeitversetzt", sagt er. Der Schulleiter befürchtet, dass alle Plätze belegt sind, wenn jemand zur zweiten oder dritten Stunde, oder erst zum Nachmittagsunterricht kommt. Er werde darauf drängen, dass zumindest für die Lehrer des Gymnasiums Parkplätze reserviert werden.
Vor 25 Jahren drängte Elmar Schuster auf ein Autoverzicht von Schülern und Lehrern. Nur wenige reservierte Parkplätze standen zur Verfügung. Der damalige Schulleiter hatte sogar einen Beschwerdebrief der Bundesbahn auf dem Tisch, weil viele Autofahrer am Bahnhof parkten. Die Verantwortlichen drohten bereits mit Abschleppen.


600 000 Euro eingeplant

Doch es zeichnete sich damals eine Lösung ab, an der die Mitglieder des Kulturausschusses des Kreistages schwer zu schlucken hatten. 600 000 Mark sollte der Bau eines Parkplatzes kosten. Der damalige Kreisrat Gerhard Müller (SPD) sprach sich vehement für den Bau des Parkplatzes aus. Er war zu dieser Zeit selbst Lehrer am Gymnasium. Viel zu viel Zeit habe man schon verstreichen lassen, bemängelte er. Doch die ganze Angelegenheit war gar nicht so einfach.


Landkreis kaufte Grundstück

Das Grundstück unmittelbar neben dem Gymnasium gehörte noch den Augustinern. Eigentlich hätte der Landkreis direkt mit den Verantwortlichen des Ordens verhandeln können, aber die Stadt Münnerstadt war auch im Boot, wie der damalige Bürgermeister Ferdinand Betzer (CSU) betonte. Denn das Grundstück war im Planfeststellungsverfahren der Stadt Münnerstadt wegen der kurz zuvor entstandenen Entlastungsstraße. Am Ende ging alles gut.
200 000 Mark nahm der Landkreis Bad Kissingen 1992 zunächst für den Grundstückskauf in die Hand, der Parkplatzbau folgte etwas später. Im Zuge der Generalsanierung des Gymnasiums wurde der Parkplatz erweitert.


Heute funktioniert es

"Die Parkplatzsituation ist gut, es gibt keine Probleme", sagt Joachim Schwigon zur heutigen Situation. Er hat das Parkplatzchaos vor 25 Jahren nicht miterlebt. Als er zur Schule ging, war das kein Thema. Joachim Schwigon war als Seminarist bis 1974 am Schönborn-Gymnasium. "Ich hatte kein Auto", erinnert er sich. Im ganzen Seminar gab es gerade einmal drei Autos.
Heute ist das anders. Gegen Ende des Schuljahres füllt sich der Parkplatz zusehends. "Es muss niemand woanders parken, aber der Parkplatz ist gut belegt", sagt Joachim Schwigon. Nach den Sommerferien mit dem neuen Schuljahr sei immer wieder mehr Platz gewesen. Doch das kann sich mit dem BBZ-Neubau nun grundsätzlich ändern.
Nicht ausgeschlossen ist außerdem eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. In diesem Fall würden weitaus mehr Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums mit dem Auto zur Schule fahren.