Münnerstadt
Wannigsmühle

Nicht alle starben in den Flammen

Nach der Brandkatastrophe im Tierheim sind immer wieder tot geglaubte Katzen aufgetaucht. Statt der befürchteten 53 sind 40 Samtpfoten im Rauch umgekommen. Ihnen wird die neue Wannigsmühle gewidmet.
Thomas Berghoff und Ursula Boehm besuchen zusammen mit Katze Lenny die 40 Katzen, die beim Tierheimbrand ums Leben gekommen sind. Jede hat einen Stein erhalten. Lenny überlebte nur, weil sie beim Tierarzt war. Aber es haben noch mehr die Feuersbrunst überstanden. Foto: Thomas Malz
Thomas Berghoff und Ursula Boehm besuchen zusammen mit Katze Lenny die 40 Katzen, die beim Tierheimbrand ums Leben gekommen sind. Jede hat einen Stein erhalten. Lenny überlebte nur, weil sie beim Tierarzt war. Aber es haben noch mehr die Feuersbrunst überstanden. Foto: Thomas Malz
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Ursula Boehm spricht von einem schicksalhaften Tag. 40 Schützlinge haben den Brand in der Wannigsmühle nicht überlebt. Sie sind von einem Tierbestatter eingeäschert worden und ruhen nun auf dem Tierfriedhof neben der Wannigsmühle. "Jedes Kätzchen hat von einer Tierfreundin einen Gedenkstein bekommen", sagt die Tierheimleiterin. Aber das Team war zunächst von noch mehr getöteten Katzen ausgegangen. Insgesamt 13 Samtpfoten ist die Flucht gelungen, sie sind nach und nach wieder aufgetaucht. "Aber 40 tote Katzen - das ist schlimm genug."

Das Leben gegeben

Deshalb hat Ursula Boehm zusammen mit dem Stiftungsvorstand einen Entschluss gefasst. "Wenn das Tierheim wieder aufgebaut ist, wird es den 40 Katzen gewidmet und sonst niemanden", sagt sie. "Diese 40 Fellnäschen haben ihr Leben dafür gegeben, dass die längst überfälligen Sanierungsarbeiten in die Tat umgesetzt werden. Das ist traurig." Aber sie ist sich mit Stiftungsvorstandsmitglied Thomas Berghoff einig: "Lieber hätten wir nicht saniert und die Katzen wären noch am Leben." Das belaste auch die Mitarbeiter im Tierheim sehr, die alle getöteten Katzen persönlich kannten. "Hier arbeiten nur Leute, die ein echtes Herz für Tiere haben", sagt Thomas Berghoff und Ursula Boehm ergänzt: "Sonst würden sie die Belastungen des Tierheim-Alltags auch nicht aushalten."

53 Katzen waren am 9. Juni in dem Gebäudetrakt untergebracht, das ein Opfer der Flammen werden sollte. Ein schicksalhafter Tag in jeder Beziehung. Etwa zehn Katzen sollten am nächsten Tag kastriert werden und wurden deshalb dort untergebracht. Sie wären sonst nicht Opfer des Brandes geworden. Auf der anderen Seite ist Lenny. Das Kätzchen war krank und musste zum Tierarzt. Das hat ihr das Leben gerettet.

Sie mussten nicht leiden

Bei aller Trauer um die Tiere bleibt den Mitarbeitern ein Trost. Die Katzen haben nicht gelitten. Keine einzige Katze verbrannte in den Flammen oder kam nur in Kontakt mit dem Feuer. Sie sind durch die Rauchgasentwicklung ganz schnell bewusstlos geworden, hat man ihnen versichert. Trotzdem fällt es Thomas Berghoff schwer, davon zu erzählen. Zusammen mit Ursula Boehm und Stephan Reißenberger hat er die Tiere geborgen. Es waren sehr viele junge Katzen mit ihren Müttern darunter. Niemand hätte geglaubt, dass es Überlebende gibt. Nur Katze Dorie hatte es geschafft, sich mitten in der Katastrophe auf das Dach zu retten. Alle anderen waren tot, dachten die Mitarbeiter.

Umso erstaunter waren sie, als zwei Tage nach dem Brand zwei Katzenaugen aus einem Filzkörbchen blinzelten, dahinter zwei weitere. Die Filzrolle hat den Kätchen das Leben gerettet. Inzwischen haben sie genauso wie Dorie ein neues Zuhause gefunden. Als die Mitarbeiter die 40 toten Katzen geborgen hatten und auch nach Tagen trotz der Hitze kein Verwesungsgeruch vernehmbar war, keimte weitere Hoffnung auf: Es müssen noch mehr Katzen überlebt haben.

Ursula Böhm zeigt auf das Gitter eines Balkons am Katzenhaus: Es ist zerrissen. Irgendwie haben es einige Samtpfoten geschafft, sich zu befreien. Eine tauchte Tage später auf dem Dach des intakten Gebäudeteils auf. Nur fangen konnten sie es nicht. Ein Anruf bei Holzbau Weigand - und die Sache war erledigt. Eine wilde Konstruktion aus Fangnetz, Verlängerungen und eine Menge Panzerband hat ein Mitarbeiter der Dachdeckerfirma gebastelt und die Katze so gefangen. Andere Samtpfoten sind in aufgestellte Katzenfallen getappt. Nach und nach sind so alle wieder aufgetaucht. Die letzten beiden sind jetzt diese Tage gesichtet worden. Sie lassen sich nicht einmal mit einer Katzenfalle einfangen. Egal. "Hauptsache, sie leben", sagt Ursula Boehm. Sie gehören nun zu den unzähligen Freigängern, die übrigens ganz gut mit der neuen Situation klarkommen und sich von den Arbeiten einer Brandsanierungsfirma überhaupt nicht stören lassen.

In den letzten Wochen haben die Tierheimmitarbeiter Garagen und Lager freigeräumt und so Kapazitäten für Katzen geschaffen. Es hat auch einen Arbeitseinsatz von freiwilligen Helfern gegeben, wofür das Team sehr dankbar ist. "Wir können wieder Katzen aufnehmen", sagt Ursula Boehm. Aber bis tatsächlich wieder Normalität in die Wannigsmühle einzieht, wird es noch eine ganze Weile dauern. Derzeit untersucht eine Spezialfirma die Brandruine nach Schadstoffen und Kontaminierungen durch Löschwasser. Der einfachste Weg, dem Tierheim zu helfen, ist diese Bankverbindung: Spendenkonto Stiftung Tierheim Wannigsmühle; IBAN: DE89 7935 1010 0031 1780 64; BIC: BYLADEM1KIS