Umgeben vom Seniorenzentrum St. Elisabeth, dem Bundesausbildungszentrum der Bestatter und dem Studienseminar St. Josef wirkt das Wohnhaus mit Seitengebäude und Scheune in der Seminarstraße ein wenig verloren. Inzwischen steht es leer. Bei der nächsten Stadtratssitzung am Montag, 8. November, werden die Kommunalpolitiker den Komplex besichtigen und dann über seinen Abriss beraten. Hintergrund: "Die Stadt hat das Haus erworben, jetzt geht es darum, was daraus wird", sagt Bürgermeister Michael Kastl (CSU) auf Anfrage unserer Zeitung.

Zwischenzeitlich: Mehr als 30 Parkplätze

Er hat schon genaue Vorstellungen davon, wie das Gebäude bzw. das Areal künftig genutzt werden soll. Zunächst möchte Michael Kastl den kompletten Komplex abreißen und die Fläche schottern. "Dort könnten vorübergehend mehr als 30 Parkplätze entstehen, die wir dringend für die Altstadt benötigen", sagt er. Es gebe viele Leute, die in der Altstadt arbeiten, in den Altenheimen und im Kindergarten. "Es ist ein wahnsinniger Bedarf da", betont Michael Kastl.

Geht es nach ihm, dann sollen die Parkplätze allerdings nur eine Zwischenlösung sein und zwar so lange, bis der nah gelegene Parkplatz "Innere Lache" (Parkpklatz 1) ausgebaut ist. Matthias Kirchner vom Planungsbüro Bautechnik Kirchner (Oerlenbach) erstellt derzeit die Erschließungsplanung dafür. Dabei soll der derzeit unbefestigte Parkplatz hergerichtet, gleichzeitig aber auch vergrößert werden. Unklar sei derzeit beispielsweise noch, ob die Stellplätze für Wohnmobile dort bleiben, so der Bürgermeister. Eine ursprünglich geplante Anbindung des Parkplatzes an die Entlastungsstraße über einen Kreisel ist hinfällig, weil der Stadtrat beschlossen hat, das Entwicklungsgebiet "Äußere Lache" nicht weiter zu verfolgen. Dort soll ausschließlich das neue Feuerwehrgerätehaus entstehen, womit der Kreisel hinfällig wird.

Gibt es erst einmal ausreichend Parkmöglichkeiten in der "Inneren Lache", hat Michael Kastl einen Plan für das neu erworbene Areal mit dem vorübergehenden Parkplatz: Dort sollen Wohnungen für Arbeitnehmer entstehen, beispielsweise für das Personal in den Altenheimen. Das Areal liegt außerhalb des Sanierungsgebietes, und auch wegen der umgebenden Gebäude geht Michael Kastl davon aus, dass dort mehrstöckige Häuser entstehen können. Der Bedarf an solchen Wohnungen sei sehr groß, ist der Bürgermeister überzeugt. Deshalb werde sich auch ein Investor finden.

Wohnungen schaffen

Damit bezieht er sich auch auf ein Ergebnis der Untersuchungen, das bei der Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) und das Gemeindeentwicklungskonzept (GEK) zur Sprache kam. Demnach pendeln viele Menschen nach Münnerstadt zur Arbeit, die sicher auch nach Münnerstadt ziehen würden, wenn sie bezahlbare, moderne Wohnungen finden würden.

Für Michael Kastl ist die Sache klar: "Wenn sich Entwicklungspotenzial bildet, dann sollten wir zugreifen, anstatt auf der grünen Wiese etwas Neues zu versiegeln." Denn die Fläche mit dem Haus, das die Stadt gekauft hat, sei ja bereits versiegelt. "Ich finde, das ist eine runde Sache", meint Michael Kastl.

In der Entwicklungsachse zwischen dem Gymnasium, BBZ, Bestatter- und Seniorenzentrum zur Altstadt steckt noch mehr Potenzial. Denn schließlich will die Stadt Münnerstadt zusammen mit der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung den Innenhof des ehemaligen Jugendhauses am Dicken Turm herrichten und gleichzeitig einen Durchgang schaffen, der den Weg zwischen Schulen und Seniorenzentrum zur Altstadt verkürzt. Das ist eines von mehreren Vorhaben, um die Altstadt zu beleben.