Im Bestattungswesen ist es nicht anders, als in anderen Bereichen des Lebens: Die Nachfrage regelt das Angebot. "Die Bestattungskultur verändert sich, die Zahl der Urnenbestattungen in Münnerstadt liegt bei 50 Prozent, sagt Bernd Hochrein, zuständig für das Friedhofswesen in der Stadtverwaltung. "In den Stadtteilen ist das noch ein wenig anders, aber auch da ist die Tendenz steigend", ergänzt Friedhofsreferent Klaus Schebler (Neue Wege). Aber das ist nicht alles.

Neben der Kreuzigungsgruppe

Längst schon sind andere Formen, wie Seebestattungen oder Friedwälder im Trend. Ein Friedwald verursache erhebliche Kosten, sagt Bernd Hochrein, deshalb sind die Verantwortlichen auf eine andere Idee gekommen. "Wir wollen naturnahe Bestattungen anbieten." Dabei handelt es sich um Urnenbestattungen in biologisch abbaubaren Urnen. "Das ist so etwas ähnliches wie ein Friedwald." Ein Platz ist auch schon gefunden: in unmittelbarer Nähe zur Kreuzigungsgruppe.

Die beiden Friedhofsbeauf tragten machen auch keinen Hehl daraus, worum es bei der ganzen Sache geht. Der Münnerstädter Friedhof soll attraktiv werden für Auswärtige, die auf der Suche nach alternativen Bestattungsformen sind. "So wollen wir Geld reinholen", sagt Klaus Schebler. 120.000 bis 140.000 Euro gibt die Stadt jährlich für ihre Friedhöfe aus, die Einnahmen liegen aber nur bei 60.000 Euro, unterstreicht Bernd Hochrein den Finanzbedarf. Rund 700 der 2100 Gräber im Stadtgebiet (außer Großwenkheim und Windheim) stehen leer. "Jedes Grab, dass wir auflassen bedeutet einen zusätzlichen Pflegeaufwand", erklärt Klaus Schebler.
Er ist begeistert vom Münnerstädter Friedhof und er war es auch, der den Gottesacker für den landkreisweiten Wettbewerb angemeldet hat. Bekanntlich hat Münnerstadt den zweiten Platz belegt. Die Begründung der Jury deckt sich genau mit der Meinung Klaus Scheblers, der den Gottesacker als "Friedpark" bezeichnet.

Hecken bleiben auch

Gelobt wurde unter anderem der Baumbestand. Das ist auch der Grund, warum kein einziger Baum gefällt werden soll. Nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde ist Klaus Schebler eher dafür, blühende, tief wurzelnde Bäume neu anzupflanzen. Auch die Hecken sollten bleiben. "Wir hören hier so viele Vögel, die gibt es, weil sie in den Hecken brüten", erklärt er. Ausnahme: Weil die Standsicherheit der Bestatter beim Herablassen der Särge nicht gewährleistet ist, werden die Hecken zwischen den Gräbern nach und nach verschwinden, die hinter den Grabsteinen bleiben.

Gelobt wurden von der Kommission unter anderem auch die alten Grabmale, die von der Stadt nicht weggeräumt wurden, obwohl die Gräber aufgelassen sind. Klaus Schebler und Bernd Hochrein sehen einen Friedhof als Treffpunkt der Leute zur Trauerverarbeitung. Damit er wirklich eine Kommunikationsstätte sein kann, hat Klaus Schebler fünf neue Bänke bestellt, die teilweise gegenüber aufgestellt werden sollen. Ein Vorteil der Bänke ist, das sie das ganze Jahr über stehen gelassen werden können, weil sie nicht aus Holz sind, auch wenn sie so aussehen. Die anstehende Umgestaltung der Friedhofsteile A bis D wird nicht so schnell über die Bühne gehen. "Eine Sanierung geht nur dann, wenn wir relativ viele freie Flächen haben", erklärt Bernd Hochrein.

Deshalb sollen die vier Friedhofsteile mit einer Veränderungssperre belegt werden. Das bedeutet lediglich, dass in diesen Arealen keine neuen Gräber mehr vergeben werden. Ehepartner können sich natürlich noch dort begraben lassen, auch die Kinder könnten die Gräber noch für sich beanspruchen. Nach und nach wird es aber immer mehr freie Flächen geben. Klaus Schebler und Bernd Hochrein wissen, dass es eine Generation dauern wird, bis mit der Umgestaltung begonnen werden kann. Aber für sie ist das der richtige Weg.

Pflanzenrahmen ebenerdig

Das heißt nicht, dass bis dahin nichts passiert. "Wir gehen schon jetzt sehr großzügig mit der Satzung um", erläutert Klaus Schebler. Erlaubt ist es beispielsweise, die Pflanzenrahmen im grünen Teil ebenerdig zu setzen.
Die Friedhofssatzung soll auch noch geändert werden, um der Gestaltung mehr Spielraum zu lassen. Aber alles hat seine Grenzen. So bemängelt der Friedhofsreferent die Zustände an der Urnenmauer. Eigentlich soll auf dem Boden gar nichts abgestellt werden, dort finden sich aber teilweise noch Weihnachtsgestecke. "Die Leute haben bis 15. Juli Zeit, den Weg frei zu räumen, betont Klaus Schebler. Dann kommt der Bautrupp und räumt alles weg.

Bürgermeister lobt Engagement

Und auf noch eins macht Schebler unmissverständlich aufmerksam: eine Anhebung der Friedhofsgebühren wird unumgänglich sein. So ist es ja auch im Prüfbericht des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband gefordert worden.

Richtig stolz auf die beiden Friedhofsbeauftragten ist Bürgermeister Helmut Blank (CSU). "Weil die Planungskosten durch einen Friedhofsgestalter zu hoch geworden wären, sind sie selbst tätig geworden", sagt er. "Weit über das normale Maß hinaus." Das Konzept soll in einer der nächsten Sitzungen dem Stadtrat vorgestellt werden. Danach gibt es eine Bürgerversammlung. "Der Münnerstädter Friedhof ist viel besser als sein Ruf", sagt Klaus Schebler.