Den "goldenen Mittelweg" nannte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) seinen Vorschlag, und den gingen fast alle Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses dann auch mit. Die Kommunalpolitiker standen vor der schwierigen Entscheidung, das bereits genehmigte Baugebiet aufzugeben, eine Erschließung durchzuführen mit der Gefahr, auf den Kosten sitzen zu bleiben, oder aber zuerst den Bedarf abzuklären und Interessenten über Vorverträge zu binden. Nun wird Michael Kastl Matthias Kirchner vom Planungsbüro Bautechnik Kirchner (Oerlenbach) beauftragen, die noch fehlenden 20 Prozent der Erschließungsplanung fertigzustellen. Die Verwaltung wird dann den Bedarf ermitteln und in spätestens einem Jahr soll der Stadtrat darüber entscheiden, ob erschlossen wird oder nicht. Das hängt dann von der Zahl der Vorverträge ab.

Schon im März hatte das Thema die Ausschussmitglieder beschäftigt. Damals war klar geworden, dass eine Erschließung des Gebietes wie geplant überhaupt nicht möglich ist, weil der Hang einfach zu steil ist. Dabei kamen zwei abgespeckte Lösungen zur Sprache, für die Matthias Kirchner die Kosten schätzen sollte. Diese Zahlen lagen dem Ausschuss jetzt vor.

Außerdem war Matthias Kirchner gebeten worden, im Hinblick auf die zu erwartende Erschließungsstraße mit einer Steigung von mindestens 20 Prozent exemplarische Beispiele für steile Straßen in der Umgebung zu benennen. Auch dies lag nun vor, die steilsten Wege sind demnach die Anfahrt Weinbergweg in Burghausen mit 15,3 Prozent und die Kindergartenstraße in Maßbach mit 14,9 Prozent.

Bei der verbliebenen größeren Variante des Baugebiets entstehen zehn Bauplätze, 3,5 davon sind in privater, 6,5 Bauplätze in städtischer Hand, sagte Michael Kastl. Dafür hatte Matthias Kirchner Erschließungskosten von etwa 58 Euro pro Quadratmeter errechnet. Zählt man die Grundstückskosten hinzu, kommt man auf etwa 80 bis 85 Euro pro Quadratmeter, und das sei weniger als zunächst befürchtet, sagte der Bürgermeister. Auch weil die Erschließungsplanung bereits zu 80 Prozent fertig ist, hielt er es nicht für richtig, das Gebiet nun aufzugeben. Vor allem, weil den Burghäusern seit vielen Jahren versichert wird, dass sie dort ein Baugebiet bekommen. So schlug Michael Kastl den Mittelweg vor.

Mit dem konnte sich auch Andreas Trägner (Freie Wähler) sehr gut anfreunden. Vor allem auch, weil alternative Baugebiete in Burghausen bereits geprüft worden seien. Die Stadt sollte jetzt in die Akquise gehen. Ortssprecher Mario Schmitt (CSU) meinte, dass vor 20 Jahren Alternativen geprüft wurden und es welche gegeben habe. Als Beispiel nannte er ein Areal an den Gärten in Richtung Haard und heute gebe es eine Alternative in Richtung Reichenbach. "Machbar ist vieles", sagte er.

Er wolle sich nicht mit fremden Federn schmücken, sagte Michael Kastl bezüglich der Idee mit dem goldenen Mittelweg. "Das kam aus der Verwaltung." Er gab zu bedenken, dass es in den nächsten Jahren immer schwieriger werde, ein Baugebiet auszuweisen. Sein Vorschlag sei ein Zwischenschritt und der sei auch nicht ideal, meinte er. Aber wenn es verbindliche Nachfragen gibt, könne das Baugebiet doch noch umgesetzt werden.

Das sah Rosina Eckert (Forum Aktiv) ein wenig anders: "Das ist ein unattraktives Baugebiet." Sie schlug vor, es aufzugeben und nach Alternativen zu suchen. "Dann aber mit allen Konsequenzen", sagte der Bürgermeister dazu. Für seinen Vorschlag sprachen sich auch Fabian Nöth (Neue Wege) und Günter Scheuring (Freie Wähler) aus. Britta Bildhauer (SPD) machte noch einmal ihrem Unmut über die Abholzaktion auf der Fläche im letzten Jahr Luft. Dafür habe es doch gar keinen Grund gegeben. Wenn dort kein Baugebiet entsteht, müsste die Fläche wieder ein bisschen hergerichtet werden, sagte der Bürgermeister dazu, der bei der Abholzaktion noch nicht im Amt war.

Rosina Eckert forderte noch, die Suche nach Bauwilligen auf ein Jahr zu begrenzen, und Andreas Trägner will eine Bürgerversammlung zu dem Thema, sobald dies wieder möglich ist. So wurde es dann auch beschlossen. Die Stadt geht in die Akquise. Rosina Eckert stimmte dagegen.