Was bereits am Mittwoch als unbestätigtes Gerücht kursierte, ist am Donnerstag zur traurigen Gewissheit geworden: Am Mittwochmittag ist vom Amtsgericht Schweinfurt zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Thomas Linse in Coburg bestellt worden.

Kein Betriebsrat

Entsprechend war die Stimmung am Donnerstag in der Firma für Glasbearbeitung und Sondermaschinenbau. Am Telefon wollte sich Renate Löwinger nicht äußern. Ein bereits zugesagtes Gespräch in der Firma lehnte die Geschäftsführerin dann vor Ort mit Bedauern ab. Sie verwies auf den Insolvenzverwalter, wollte sich selbst nicht mehr äußern. Auf die Bitte um ein Gespräch mit einem Mitglied des Betriebsrates sagte Renate Löwinger: "Einen Betriebsrat haben wir nicht."

Löhne wohl bis Ende April gesichert

"Die Produktion läuft voll weiter", sagte Insolvenzverwalter Thomas Linse. Die Löhne und Gehälter der 60 Mitarbeiter seien bis Ende April gesichert. Das habe die Agentur für Arbeit bereits genehmigt. "Es ist alles noch sehr frisch", meinte Thomas Linse auf die Frage, wie es weiter geht. Es gebe einen Interessenten, der in Kontakt mit dem Unternehmen stand und sich auch schon in seinem Büro gemeldet hat, so der Rechtsanwalt.

Er hat die Belegschaft der Firma bei einem Treffen gebeten, jetzt keinen Urlaub (außer geplanten) zu nehmen. "Nur ein laufender Betrieb ist für einen Erwerber interessant. Ziel ist es, dass so normal wie möglich weiter gearbeitet wird." Aufträge seien vorhanden, auch über den 30. April hinaus.


"Wir machen so etwas laufend, sind 30 Leute im Büro", erklärte der Rechtsanwalt. "Wir kennen unser Tagesgeschäft sehr gut." Und weiter: "Wir werden alles daran setzten einen Erwerber zu finden." Aber: "Versprechen kann ich nichts."Sehr betroffen zeigte sich Bürgermeister Helmut Blank (CSU), als er durch unsere Zeitung vom Insolvenzverfahren erfuhr. "Es handelt sich schließlich um eine Münnerstädter Traditionsfirma", sagte er. "Wo wir als Stadt helfen können, werden wir helfen", versprach er. In der nächsten Woche will er das Gespräch mit Renate Löwinger suchen.