Es waren bewegte Zeiten. Die Gebietsreform, die zum 1. Januar 1972 in Kraft treten sollte, sorgte vor 50 Jahren für viel Aufsehen. Es zeichnete sich 1971 ab, dass Münnerstadt um zwölf Gemeinden wachsen wird, am Ende waren es dann zehn. Die Gebietsreform betraf aber auch die Landkreise, von denen oft mehrere zusammengelegt wurden. Dabei sollte auch die eine oder andere Ecke eines Landkreises einem anderen zugeschlagen werden. Das war beispielsweise für Maßbach, Poppenlauer, Rannungen, Rothhausen, Theinfeld, Thundorf, Volkershausen und Weichtungen vorgesehen. Diese acht Gemeinden und die gemeindefreien Gebiete Jeusing und Maßberg sollten dem Landkreis Schweinfurt zugeordnet werden.

So stimmte der Münnerstädter Stadtrat bei einer Sitzung, bei der auch Landrat Magnus Herrmann anwesend war, einer Resolution gegen die Pläne aus. "Für die Stadt Münnerstadt, die mit diesen Gemeinden traditionell-geschichtlich sowie in verkehrsmäßiger, schulischer und wirtschaftlicher Hinsicht engstens verbunden ist, wird eine Verwirklichung dieser Planung erheblich nachteilige, in ihrem tatsächlichen Ausmaß letztlich noch nicht abzuschätzende Auswirkungen zur Folge haben", begann die Resolution. Der Stadtrat bat aus diesem Grunde die Bayerische Staatsregierung, "die im Zuge der Neugliederung der Landkreise vorgesehene Auskreisung der Gemeinden des Raumes Maßbach, die als Hinterland für die Stadt Münnerstadt von besonderer - ja geradezu lebenswichtiger - Bedeutung sind, beim Landkreis Bad Kissingen zu belassen.

Verflechtungen berücksichtigen

Als Grund für die geplante Umgliederung der Gemeinden sah man in Münnerstadt ausschließlich die hohe Zahl der Pendler aus diesen Gemeinden in die kreisfreie Stadt Schweinfurt, aus der eine gesamtwirtschaftliche Verflechtung des Raumes Maßbach mit der Stadt und dem Landkreis Schweinfurt abgeleitet würde. Es gebe tatsächlich viele Pendler aus dem Raum Maßbach nach Schweinfurt, aber nur in die Stadt und nicht in den Landkreis Schweinfurt. Das sei aber auch in anderen Teilbereichen der die Stadt Schweinfurt umliegenden Landkreise der Fall. Und das rechtfertige noch nicht einen Wechsel, denn es müssten alle gegebenen Faktoren und vorhandenen Verflechtungen berücksichtigt werden.

In der Resolution hieß es, dass rund 150 "Einpendler" aus dem Raum Maßbach in Münnerstadt einer Beschäftigung nachgehen. "Deshalb behaupten wir mit aller Bestimmtheit, dass wesentliche Merkmale, die für eine Zugehörigkeit des Maßbacher Raumes zur Stadt Münnerstadt und damit zum Landkreis Bad Kissingen sprechen, bei der Ausarbeitung der Planung unbeachtet geblieben sind. Insbesondere dürfte das auf die schulischen Verhältnisse zutreffen, die eindeutig nach Münnerstadt und Bad Kissingen orientiert sind und auf Grund der mit dem umfassenden Bildungsangebot verbundenen erheblichen Investitionen mit Vorrang eine Berücksichtigung finden müssen."

Mit Zahlen belegt

Natürlich ließen die Verantwortlichen diese Behauptung nicht im Raum stehen. Es folgte eine Auflistung der Schülerzahlen. Nach einer amtlichen Aufstellung besuchten 72 Schüler aus den acht Gemeinden das Humanistischen Gymnasium in Münnerstadt, 13 Schüler das Real-Gymnasium Bad Kissingen und nur 26 Schüler ein Gymnasium in der Stadt Schweinfurt.

101 Schüler aus dem Maßbacher Raum besuchten die Realschule Bad Kissingen und nur 16 Realschulen in Schweinfurt. Außerdem verwies die Stadt in der Resolution auf die damals geplante Realschule in Münnerstadt (die allerdings nie gebaut wurde), auf die Landwirtschaftsschule und die Sonderschule, die es damals noch in Münnerstadt gab, sowie auf die Kirchenmusikschule, die ja auch jedem offen stand.

Hallenbad geplant

Aber die Resolution holte noch weiter aus und bezog sich auf den Fremdenverkehr, der als "Industrieersatz" diene. Die Stadt Münnerstadt sei als kultureller Mittelpunkt des Lauertals einzustufen und beabsichtige ja auch, ein Hallenbad zu bauen. "Nach Fertigstellung des Hallenbades kann durch die Pädagogen unseres Gebietes endlich ein weiterer Lehrauftrag erfüllt und die Schuljugend ganzjährig im dringend notwendigen Schwimmunterricht mit den Tücken des Wassers vertraut gemacht werden."

Sieben Schreibmaschinenseiten umfasst die Resolution, die die Münnerstädter damals beschlossen haben. Es wurden auch noch wirtschaftliche Gründe ins Feld geführt. Der Maßbacher Raum gehörte zum Amtsgerichts- und Notarbezirk Münnerstadt und zum Amtsbereich des Staatlichen Forstamtes Münnerstadt. Es wurde auch auf das Kreiskrankenhaus verwiesen.

Und so endete die Resolution: "Die Bevölkerung der Gemeinden des Raumes Maßbach ist sich bewusst, dass sie in einem Randbereich des Landkreises zu Hause ist und dies sowohl im Falle der Zugehörigkeit zum Landkreis Bad Kissingen als auch zum Landkreis Schweinfurt. Bei einem Verbleiben im Landkreis Bad Kissingen muss sie jedoch nicht befürchten, dass die natürlichen Verflechtungen ihrer Gemeinden zur Stadt Münnerstadt und zum Landkreis Bad Kissingen zerschnitten werden."

Viele der damals aufgeführten verbindenden Dinge gibt es inzwischen nicht mehr, dafür sind neue hinzugekommen, wie beispielsweise der Schulverbund. Aus den acht Gemeinden sind bei der Gebietsreform drei geworden, die sich zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Der Markt Maßbach, Rannungen und Thundorf sind im Landkreis Bad Kissingen geblieben.