Bei besonderen Anlässen, wie dem Heimatspiel dem Stadtfest oder dem Schutzengelfest zeigt sich Münnerstadt seit vielen Jahren von seiner schönsten Seite. Dazu zählt auch, dass öffentliche und private Gebäude mit Fahnen geschmückt werden, darunter auch Flaggen mit historischen Motiven. Beim Jubiläum 650 Jahre Stadterhebung im Jahr 1985 waren das letzte Mal in großem Umfang Hissfahnen geordert worden. Der Stadtrat wollte nun nicht einfach die alten nachbestellen, sondern neue Motive entwickeln. Das Ergebnis kam bei der Sitzung am Montagabend sehr gut an. Lediglich kleinere Änderungen sollen noch vorgenommen werden.

Bei der Suche nach neuen Motiven für das Beflaggungskonzept haben Stadtmanager Kilian Düring und Museumsleiter Nicolas Zenzen den Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling mit ins Boote geholt. "Das Datum der Ersterwähnung Münnerstadts führt uns in die Zeit Karls des Großem zurück, also in eine Zeit in der in unserem Gebiet die Osterweiterung des Frankenreichs gegenüber dem Thüringerreich und die Christianisierung abgeschlossen waren" so der Stadtarchivar zum vom Stadtrat nun beschlossenen vierteiligen Hauptmotiv. Das Kreuz, welches als Basis eines Bildprogramms diene, stehe hier als Symbol des elementaren und bis zur heutigen Zeit gültigen Aspekt des Wandels vom Heiden- zum Christentum.

In seiner Kombination mit den weiteren dargestellten Symbolen, versinnbildliche das Kreuz die Einmaligkeit Münnerstadts. "Die vier dadurch eröffneten Bildfelder füllen die für Münnerstadts Stadtgeschichte bestimmenden geistlichen und politischen Kräfte", so Klaus Dieter Guhling: Die Henne der Henneberger, das Augustinerzeichen, das Kreuz des Deutschordens und der fränkische Rechen. Auf diese Weise sei dieser Entwurf eine individuelle Lösung für Münnerstadt und eine, die die besondere Mixtur der in der Stadtgeschichte vorhandenen Wirkmächte vereine.

Die weiteren Flaggen, die ebenfalls die Zustimmung des Stadtrats bekamen, waren die vier Motive einzeln auf je einer Fahne sowie karierte Flaggen in Rot/Weiß und Rot/Gelb. Die Entwürfe hat das Büro Grafik-Design Schikora erarbeitet.

Gegenüber der ursprünglich geplanten Form, hatte sich aber bei der Sitzung bereits eine Änderung ergeben: Das Zeichen des Deutschen Ordens ist das schwarze Kreuz auf weißem Hintergrund. Das gibt es als so genanntes Tatzenkreuz und als lateinisches Kreuz in einer Schildform. Weil das Tatzenkreuz, nachdem beispielsweise das Eiserne Kreuz gestaltet wurde, auch Bestandteil der so genannten Reichskriegsflagge war, sollten Verwechslungen vermieden werden. Der am Montag vorgelegte Entwurf ähnelt mehr einem lateinischen Kreuz. Leo Pfennig (Freie Wähler), der den Entwurf als gelungen bezeichnete, schlug vor, doch gleich das normale (lateinische) Kreuz zu verwenden. Das fand allgemeine Zustimmung. Rosina Eckert (Forum aktiv) erinnerte daran, dass die Henne im Wappen der Henneberger auf drei Hügeln steht. Auch das soll noch angeglichen werden.

Während die Zeichen der Henneberger und des Deutschen Ordens sowie die fränkischen Farben schon immer bei der Festbeflaggung zu sehen war, ist das Zeichen der Augustiner erstmals aufgenommen worden. Für den Orden, der maßgeblich die Stadtgeschichte mit geprägt hat, steht das brennende, von einem Pfeil durchbohrte Herz mit dem Buch. Das Motiv habe er mit der Provinzleitung abgesprochen, sagte Kilian Düring gegenüber dieser Zeitung.

Geplant ist zunächst der Kauf von 20 Flaggen für städtische Gebäude, die je nach Druckverfahren, Motiv und Material zwischen 85 und 130 Euro kosten. In den nächsten Wochen werden die Hauseigentümer der Altstadt angeschrieben, ob sie auch Flaggen über die Stadt Münnerstadt bestellen möchten.