"Es war sehr ambitioniert, der Katalog muss am 10. Juni bei der Regierung liegen", sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) bei der Stadtratssitzung am Montag. "Wir hatten nur vier, fünf Wochen Zeit." Der Freistaat Bayern hatte kürzlich einen Sonderfond "Innenstädte beleben" aufgelegt. "Das Förderprogramm passt genau auf uns", betonte Michael Kastl.

Deshalb erarbeitete ein Gremium bei einem Treffen einen Katalog mit Vorhaben. Bei dieser Arbeitskreissitzung nahmen neben Stadtratsmitgliedern auch Vertreter der Gewerbetreibenden sowie der Senioren und der Jugendarbeit teil. Der dabei erarbeiteten Katalog stellte der Bürgermeister dem Stadtrat am Montag vor. Eines nahm er schon vorweg: Er hatte diesen Katalog bei der Regierung schon einmal zur Einsicht vorgelegt und unverbindlich zur Antwort erhalten: "Passt genau."

Der Katalog umfasst drei Teile: Zum einen der Projektfond zur Innenstadtentwicklung, wofür 100 000 Euro beantrag sind. Zweitens ein Kommunales Förderprogramm zur Erdgeschossnutzung mit 75 000 Euro pro Programmjahr. Zuletzt eine Anmietung von leerstehenden Räumlichkeiten in der Innenstadt mit baulichen Investitionen mit einer gewünschten Förderung von 130 000 Euro.

Erstens: Um mit den Corona-Lockerungen wieder Leben in die Innenstadt zu bringen, haben die Vertreter der Stadt und des Gewerbes einen Katalog mit Vorhaben erarbeitet, die mit Mitteln aus dem Fond umgesetzt werden sollen. Dazu zählen unter anderem Banner und Fahnen für Gewerbebetriebe, rote Teppiche vor den Läden, Flyer und Hinweisschilder auf die Innenstadt an den Ortseingängen.

Dazu zählen auch die Schaffung von barrierefreien Zugängen zu den Geschäften und eine Veranstaltungsreihe "Konzerte auf dem Anger" um die Gastronomie und die Geschäftswelt nach dem Lockdown zu beleben. Einheitliche Außenwarenpräsentation und Spielgeräte sowie Sitzmöglichkeiten vor den Geschäften sind weitere Bausteine.

Zweitens: Ein großes strukturelles Problem für die Münnerstädter Innenstadt stellen die vielen leeren Erdgeschosse dar. Alleine in den zentralen Bereichen finden sich mehr als 30 solcher Objekte, "was gemessen an der Größe der Stadt Münnerstadt ein verheerender Zustand ist", hieß es in der Sitzungsvorlage. Diese Objekte stehen zum größten Teil bereits seit Jahrzehnten leer und sind nur mit erheblichen Aufwand zu aktivieren.

Hier setzt das kommunale Förderprogramm für Erdgeschosswohnungen an. "Es erscheint realistisch, dass mit diesem zusätzlichen Anreiz ein Ruck durch die Innenstadt gehen wird, der für eine nachhaltige Inwertsetzung sorgen wird", heißt es in dem Katalog. Jahrzehnte alte Knoten könnten so zerschlagen werden, was sich äußerst förderlich auf die Belebung der Innenstadt auswirken würde.

Drittens: In vielen der leer stehenden Erdgeschossen befinden sich frühere Läden mit Schaufenstern. Die Stadt will nun zwei dieser Leerstände anmieten und zu einer reduzierten Miete an Start-Up-Unternehmer mit kreativen Ideen vermieten. "Wir denken hier insbesondere an sogenannte Pop-Up-Läden, die mit relativ geringem Aufwand eine Geschäftsidee ausprobieren können", heißt es im Vorhabenkatalog. Die Hemmschwelle, ein Engagement in der Innenstadt zu wagen, werde so deutlich herabgesetzt.

Die Stadt will noch ein weiteres Objekt anmieten, um dort gemeinsam mit dem städtischen Klimaschutzmanager ein temporäres "Nachhaltigkeitszentrum" für die Dauer von zwei Jahren einzurichten. Dieses soll dann langfristig in einem noch zu sanierendes Objekt weiterentwickelt werden. Dort sollen sich die Bürger, insbesondere die über 1000 Schüler der Stadt, treffen und über Klimaschutz diskutieren, Vorhaben erarbeiten und sich weiterbilden.

Insbesondere der dritte Punkt sei sehr neu und sehr innovativ, sagte Michael Kastl. Die Stadt werde es schaffen, die Unterlagen rechtzeitig bis zum 10. Juni bei der Regierung vorzulegen. Da sahen die Stadträte auch keinen Diskussionsbedarf mehr und beschlossen den Katalog einstimmig.