David Bieber wusste lange nicht, was für ein Talent in ihm schlummert. Zu Beginn der 11. Klasse kam Peter Rottmann als Schulleiter ans Münnerstädter Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium. Er wurde sein neuer Deutschlehrer und warb für die Teilnahme an der Lese- und Schreibwerkstatt "Jugend schreibt" der Frankfurter Allgemeinden Zeitung. Am Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen und am Bayernkolleg Schweinfurt hatte Peter Rottmann schon gute Erfahrungen damit gemacht. Fünf Schüler wollten das ausprobieren, darunter David Bieber.

Zunächst bekam er die F.A.Z. als gedruckte Zeitung ins Haus, danach als E-Paper. Einerseits sollen die Schüler die Zeitung lesen, sie sind aber auch aufgerufen, selbst Artikel zu schreiben. "Am Anfang war ich nicht ganz so gut, hatte ich den Eindruck, ich hatte ja auch absolut keine Erfahrung", sagt er. Mit der Zeit sei er dann besser geworden, reif für die Zeitung. Unterstützt wurde er dabei von Peter Rottmann, der ihn auch bei der Themenauswahl begleitet hat.

Das Bundesausbildungszentrum der Bestatter mit dem Lehrfriedhof war eines der Themen über die David Bieber geschrieben hat. "Das liegt ja direkt in der Nachbarschaft", sagt er. Über die Reise eines Pärchens nach Südafrika unter erschwerten Corona-Bedingungen hat er geschrieben und ein Porträt über eine Buchbindermeisterin und Restauratorin verfasst. Ein Interview mit Bruder Marcel Holzheimer über die Augustiner und ihr Missionswerk in Afrika steht noch aus. Marcel Holzheimer war selbst Schüler am Schönborn-Gymnasium, vor der ganzen Jahrgangsstufe berichtete er über die Missionsarbeit in der Aula, als das noch möglich war.

"Es sind oft Themen, die vor der Haustür liegen", sagt Peter Rottmann dazu. Fünf Schülerinnen und Schüler seines Deutschkurses veröffentlichten Artikel in der F.A.Z.. Christoph Dürr beispielsweise habe auch gute Chancen auf einen Preis gehabt. "Es ist ein Schreibtraining der ganz anderen Art", ist der Schulleiter überzeugt. Aufsätze, Gedichtinterpretationen oder Erörterungen in der Schule haben durchaus ihre Berechtigung. "Mit dem Alltagsleben hat das aber nicht viel zu tun." Normalerweise brauche man so etwas nach der Schule nicht mehr. "Es sei denn, man wird Lehrer." Journalistische Texte hingegen haben ihren Sitz im Leben, ist Peter Rottmann überzeugt. Oft seien die Schüler überrascht, auf was für interessante Themen und Personen sie bei ihren Recherchen treffen.

Letzte Woche ist David Bieber bei einer Online-Veranstaltung mit dem Preis der Fazit-Stifung ausgezeichnet worden, zusammen mit drei weiteren Teilnehmern an dem Projekt. F.A.Z.-Herausgeber Gerald Braunberger würdigte dabei die vier jungen Autoren und ihre Rechercheleistungen unter erschwerten Corona-Bedingungen. Weil Treffen oftmals schwierig waren, haben sie viele Gespräche über Telefon oder via Skype geführt. "Das ist keineswegs leichter, aber die Projektteilnehmer haben sich nicht abschrecken lassen und uns über ihre Lehrer viele spannende Artikel zugemailt", schrieb die F.A.Z. über die Preisverleihung. Die Redner hoben dabei besonders das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer hervor, das besonders in diesem Jahr nicht hoch genug einzuschätzen sei. Mit diesem Engagement stehe oder falle der Wettbewerb.

Für David Bieber war es etwas völlig Neues, solche Artikel zu schreiben. "Es hat mir definitiv was gebracht", betont er. Doch nun ist erst einmal Schluss mit dem Journalismus, er muss nun andere Schwerpunkte setzen, bald beginnen die Abiturprüfungen. Danach will er studieren, die freie Wirtschaft und Logistik interessieren ihn sehr. Aber: "Ich könnte mir Journalismus schon als Zweitoptionen vorstellen, falls das andere nichts wird."

Die meisten Teilnehmer am Wettbewerb "Jugend schreibt" studieren in andere Richtungen, weiß Peter Rottmann aus Erfahrung. Seit 2009 begleitet er Schüler bei ihren ersten journalistischen Gehversuchen. Er möchte einfach eine zusätzliche Komponente im Unterricht anbieten, eine Form des Schreibens, die es so im normalen Unterricht nicht gibt. Das wird er auch weiter tun. Am 1. Februar startet der nächste Wettbewerb, diesmal mit den 10. Klassen. 104 Kurse aus 13 Ländern machen mit.

Die Teilnahme hat sich für David Bieber mehrfach ausgezahlt. Die Auszeichnung ist mit 1250 Euro dotiert, das Geld soll in die berufliche Ausbildung fließen. Der Wettbewerb sei für ihn ein absoluter Erfolg gewesen. "Vor allem wegen der Erfahrung. Den eigenen Artikel in einer Zeitung zu lesen - das ist schon ein Erfolgserlebnis."