"Wenn jemand Interesse hat, warum soll ich nein sagen?", fragt Petra Bieber. Die Fachbetreuerin Physik am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium hat ihre Entscheidung nicht bereut. "Von Niklas habe ich auch gute Leitungen erwartet", sagt sie. Niklas Volk aus Stadtlauringen ist Sieger beim Regionalwettbewerb "Jugend forscht" geworden und vertritt nun das Münnerstädter Gymnasium beim Landeswettbewerb in Vilsbiburg. Macht er sich Hoffnung auf den Sieg? "Es wäre schon schön", sagt der 18-Jährige. "Aber es gibt immer jemanden, der besser ist." Warten wir es ab.


Beim Wettbewerb abgeräumt

Petra Bieber hat ein spezielles Seminar angeboten, das für zehn Schüler gedacht war. "Ob zehn oder elf, ist doch egal", sagt sie. Deshalb hat sie Niklas Volk auch noch aufgenommen. Der 18-Jährige hat eine spezielle Brennstoffzelle gebaut und diese beim Wettbewerb "Jugend forscht" vorgestellt. Und prompt den ersten Preis geholt. Das Schönborn-Gymnasium räumte regelrecht ab, mit einem ersten und zwei dritten Preisen im Wettbewerb "Jugend forscht" sowie einem ersten, einem zweiten und einem Sonderpreis im Wettbewerb "Schüler experimentieren", der den Jüngeren vorbehalten ist. "Mit dieser Ausbeute kann man zufrieden sein", findet die Lehrern.


Bis zu 3000 Grad

Eine Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff und Sauerstoff in Strom und Wasser um, erläutert Niklas Volk. Seine "trockene Zelle" funktioniert anders. Sie spaltet (destilliertes) Wasser durch Zuführung von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff, was zusammen das brennbare Knallgas ergibt. Dieses wird an einer Düse kontrolliert verbrannt. "An der Luft hat die Flamme etwa 120 Grad", weiß der junge Tüftler. Hält man Metalle in die Flamme können Temperaturen von bis zu 3000 Grad entstehen, bestens geeignet für das Hartlöten. "Man könnte auch heizen damit", sagt er. Interessant dabei: Es ist bis heute nicht richtig geklärt, warum so hohe Temperaturen entstehen.
Und so so einfach ist die ganze Sache auch nicht. Der Druck muss kontrolliert werden, ein Überdruckventil und ein Rückschlagventil verhindern, dass die Konstruktion ihrem Schöpfer um die Ohren fliegt. Aus dem Internet hat er sich die Anleitung geholt und entsprechend seinen Möglichkeiten Veränderungen vorgenommen. Die meisten Bestandteile sind eigentlich Reste, die für den Abfall vorgesehen waren. Und trotzdem: "Das sieht schon richtig gut aus, mit dem Koffer dazu richtig professionell", lobt Petra Bieber.


Mit dem ersten Auto

Nun wird Niklas Volk sein Werk drei Tage lang in Vilsbiburg vorstellen und sich dort mit den Siegern der sechs anderen bayerischen Regierungsbezirke messen. Bereits am Sonntag ist er samt Brennstoffzelle im Kofferraum nach Niederbayern gefahren. "Mit dem Zug ginge das schlecht", sagt er. Gerade vor ein paar Tagen ist sein erstes Auto, das er selbst wieder hergerichtet hat, durch den TÜV gekommen.
Bei Niklas Volk komme das Handwerkliche und das Intellektuelle zusammen, lobt Schulleiter Joachim Schwigon. "Ich bin stolz, dass es ein Schüler in meinem Fach Physik zum Landeswettbewerb geschafft hat", betont er und dankt dabei auch Petra Bieber. "Das ist schön für die Schule und vor allem freut es mich für Niklas, dass er dort ist, vor allem wegen dem Aufwand, den er betrieben hat."


Duales Studium

Niklas Volk wird in wenigen Wochen sein Abitur schreiben und nach den Sommerferien ein duales Studium bei Preh in Bad Neustadt beginnen. Es kann gut sein, dass seine Teilnahme am Seminar und am Wettbewerb "Jugend forscht" eine Rolle dabei gespielt hat, dass man sich für ihn entschieden hat. "Ich habe beim Bewerbungsgespräch davon erzählt", sagt er. Petra Bieber bestätigt, dass die Teilnahme an diesem Wettbewerb bei Firmen sehr hoch angesehen wird. Sie ist überzeugt davon, dass schon mehrere Abiturienten auf diese Weise ihre Ausbildungsstelle oder ihren dualen Studienplatz erhalten haben.
Beim Landesentscheid kann die Lehrerin ihren Schüler eigentlich nicht unterstützen, weil sie auf Fortbildung ist. Aber das ist gar nicht so weit von Vilsbiburg entfernt, und es könnte durchaus sein, dass sich da doch noch was machen lässt.