Es gibt ein ausführliches und kritisches Schreiben von der Regierung von Unterfranken bezüglich des geplanten Fachmarktzentrums. Während Bürgermeister Helmut Blank (CSU) bei der jüngsten Stadtratssitzung auf eine Anfrage von Rita Schmitt (Forum aktiv) lediglich die Existenz bestätigt hat, gab Zweiter Bürgermeister Norbert Reiter (CSU) jetzt gegenüber unserer Zeitung Auskunft über den Inhalt. Das tat auch die Regierung selbst.

Reiter ist recht ungehalten, weil das Schreiben der Regierung auf einen Brief von ihm basiert. Er kümmert sich um das Thema Fachmarktzentrum, weil der Bürgermeister selbst betroffen ist (Grundstücke gehören dem Vater). Der Zweite Bürgermeister hatte aber geraume Zeit von der Existenz des Schreibens nichts gewusst.

Helmut Blank versteht die ganze Aufregung überhaupt nicht. "Das ist ein ganz normaler Verwaltungsprozess", betont er. "Das Schreiben der Regierung wird von der Verwaltung behandelt und - falls erforderlich - dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt", machte er seinem Ärger Luft. Er wundere sich darüber, wer sich jetzt alles um die Post der Stadt Münnerstadt kümmert. Auskunft über das Datum des Eingangs und den Inhalt des Briefes gibt Helmut Blank nicht.

Problem: integrierte Lage

Das übernimmt Norbert Reiter, der seit einigen Tagen im Besitz des Schreibens ist. Letzter öffentlicher Stand war, dass die so genannte "integrierte Lage" des Fachmarktzentrums durch entsprechende Veränderungen hergestellt werden sollte. Die fußläufige Erreichbarkeit sollte über das Wohngebiet Zent erfolgen, außerdem wollte man prüfen, ob der öffentliche Nahverkehr das Fachmarktzentrum ansteuern kann.

"Es hat dazu ein Gespräch mit Vertretern der Polizei, der Straßenbaubehörde im Landratsamt, dem Straßenbauamt Schweinfurt und dem Investor gegeben", erläutert Norbert Reiter. Ergebnis: Eine Überquerung der B 287 (früher B 19) im Bereich der Zent wurde als nicht geeignet angesehen. "Am 7. Februar habe ich dann ein Schreiben an die Regierung mit einer möglichen Alternative geschickt", erklärt Norbert Reiter. "Diesen Vorschlag hat die Regierung zum Anlass genommen, um das Fachmarktzentrum recht ausführlich aus landesplanerischer und städtebaulicher Sicht zu bewerten", sagt der Zweite Bürgermeister und fügt auf Nachfrage hinzu: "Es wird von der Regierung sehr kritisch gesehen." Das Problem war bloß: Lange Zeit hat er nichts von dieser Antwort gewusst. Nachdem Rita Schmitt am 31. März die Anfrage gestellt hatte, habe ihm der Bürgermeister zugesagt, dass er das Schreiben erhält.

Drei Tage später - am 3. April - habe dann die Stadt eine E-Mail von der Regierung erhalten, in der die Absenderin sich wundert, dass Norbert Reiter sich noch nicht auf das Schreiben geäußert hat. "Diese Mail habe ich mir besorgt, im Anhang war das ursprüngliche Schreiben", erläutert Norbert Reiter.

Die Chancen sinken

Norbert Reiter sagt, dass er erst die fußläufige Anbindung haben wollte, bevor er sich der Erschließung durch den öffentlichen Nahverkehr widmet. Angesichts des erneuten Schreibens der Regierung zum Fachmarktzentrum, sieht er dessen Chancen sinken. "Ausschließen möchte es es aber nicht." Sollten keine Alternativen gefunden werden, sei der Bau trotzdem noch möglich. "Es geht nur um das Fachmarktzentrum, dessen Ladenfläche beachtlich ist." Gegen eine Ansiedlung von Industrie an dieser Stelle habe garantiert niemand etwas.

"Die Regierung von Unterfranken hat gegenüber der Stadt Münnerstadt (adressiert an die Stadt Münnerstadt) mit Schreiben vom 25. Februar zum Fachmarktzentrum Münnerstadt nochmals ausführlich Stellung genommen (zehnseitiges Schreiben)" so Johannes Hardenacke, Pressesprecher bei der Regierung von Unterfranken. Es handele sich um ein abgestimmtes Schreiben der Sachgebiete "Raumordnung, Landes- und Regionalplanung" und "Städtebau". "Das Schreiben ist am 28. Februar ausgelaufen", so Johannes Hardenacke.

Viele Einwände

Hintergrund des Schreibens sei die Anfrage der Stadt Münnerstadt vom 7. Februar gewesen. "In dem zehnseitigen Schreiben hat die Regierung nochmals dringend angeraten, eine Alternativenprüfung zum Standort Meininger Straße durchzuführen. Unter der Voraussetzung, dass tatsächlich keine Alternativen vorhanden sind, wären jedenfalls auch erhebliche Anstrengungen notwendig, eine notwendige integrierte Lage herbeizuführen." Die von der Stadt skizzierte Erschließung im Schreiben vom 7. Februar trage dem bislang keine Rechnung. "Auch für den Fall, dass eine integrierte Lage erreicht werden sollte, befasst sich das Schreiben des weiteren mit der Frage der zulässigen Verkaufsflächen, die so begrenzt werden müssten, dass nicht gegen die Verkaufsflächenbeschränkungen des LEP verstoßen würde." Schließlich sei, um keine Städtebauförderungsmittel zu gefährden, sicherzustellen, dass das Vorhaben den Vorgaben des bestehenden Einzelhandelskonzepts entspricht und die Altstadt nicht schädigt. "Letztlich werden in dem Schreiben, die bereits mehrfach von der Regierung dargestellten Problemlagen, nochmals ausführlich dargestellt", so der Pressesprecher der Regierung.