Unweit des alten Pumphauses, das von 1961 bis 2001 die Reichenbacher Haushalte mit Trinkwasser versorgte, ist im Laufe des vergangenen Jahres ein Kneippbecken entstanden, das jetzt seiner Bestimmung übergeben wurde. Der aus Reichenbach stammende Augustinerpater Marcel Holzheimer, der - unterstützt von Esther Mahr - für den geistlichen Teil der Veranstaltung zuständig war, freute sich, dass so viele Reichenbacher zur Einweihung gekommen waren. Er ging darauf ein, dass es keinen besseren Zeitpunkt für die Einweihung geben könnte, jährt sich doch 2021 der Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp zum 200. Mal. Allerdings hätte vor 200 Jahren wohl kein Reichenbacher gedacht, dass hier mal ein Kneippbecken eingeweiht werden würde.

Mit Gebeten, Fürbitten und einem Choral, gespielt von der Trachtenkapelle Burghausen mit Reichenbach, erhielt das Kneippbecken den geistlichen Segen. Anschließend gab Reichenbachs Ortssprecher Fabian Nöth einen Überblick zur Entstehung des Beckens. Die Idee zum Bau eines Kneippbeckens sei bereits im August 2020 in kleiner, nach den damaligen Corona-Regeln zulässigen Runde aufgekommen. Bedingt durch die Verschärfung der Corona-Maßnahmen sei das Ganze dann wieder etwas eingeschlafen, bis er im Dezember erfahren habe, so Nöth, dass die NES-Allianz aufruft, Förderanträge an das Regionalbudget zu stellen.

Dieser Fördertopf sei aufgelegt worden, um innovative Kleinprojekte in der Region zu fördern. Also habe man das Projekt wieder in Angriff genommen und einen Antrag gestellt. Im März 2021 besuchte eine Delegation Mitstreiter vergleichbare Tretbecken in der Region und fand in Katzenbach ein Objekt, dass sowohl von der Größe als auch durch seine Bauweise mit einer Bruchstein-Umrandung bei allen Beteiligten gut ankam. So wurde vor Ort gleich Maß genommen.

Nicht lange danach kam dann die Förderzusage, die 80 Prozent der Kosten abdeckt. Daraufhin habe er Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl (CSU) über das Projekt bei einem Vorort-Termin unterrichtet, der begeistert war. Kastl sagte auch zu, dass die Stadt die 20 Prozent Eigenanteil übernimmt. Bestätigt dadurch ging man an die finale Planung und die Umsetzung des Projektes.

Zwar habe es auch kritische Stimmen zum Projekt gegeben, die jedoch in Einklang gebracht werden konnten, so Nöth. Am 17. Juni 2021 war startete der Aushub des Beckens. Und in rund 400 Arbeitsstunden, verteilt auf 22 Arbeitseinsätze, wurde von ca. 45 Helfern aller Altersgruppen - von denen pro Einsatz zwischen zwei und 15 vor Ort waren - nicht nur das Becken angelegt und ein kleiner Vorplatz gepflastert, sondern auch das ehemalige Pumphaus gestrichen und mit neuen Fenstern versehen, eine Sitzgruppe aufgestellt und die Außenanlage gestaltet.

Die Kosten des Kneippbecken-Projektes belaufen sich insgesamt auf 6500 Euro. Dies wäre nicht ohne die Unterstützung durch die örtlichen Firmen und passiven Helfer, die entweder Material zur Verfügung stellten oder sich finanziell beteiligten, sei es durch Geld oder durch Essen und Getränke. Persönlich begeistert sei Nöth, dass aus wenigen einzeln angesprochenen Helfern durch Mundpropaganda immer mehr wurden und so aus dem Kneippbecken-Projekt ein Gemeinschaftserlebnis für jung und alt wurde, das die Dorfgemeinschaft nach der Corona-Isolierung wieder stärkt.

Seit dem Wassereinlass am 1. August sei das Kneippbecken schon gut besucht worden und es gebe inzwischen sogar Regelbesucher. Auch wenn das Projekt nun offiziell abgeschlossen ist, gebe es noch Ideen aus der Bevölkerung, wie man die Anlage noch abrunden könne, etwa durch einen Barfuß-Pfad, so Nöth.

Bürgermeister Michael Kastl bedankte sich bei Pater Marcel Holzheimer für die Segnung und freute sich über das erste Kneippbecken im Gemeindegebiet von Münnerstadt, das er als Beitrag zum Weltkulturerbe Bad Kissingen bezeichnete. Er sei begeistert, wie schnell das Projekt umgesetzt wurde, manchmal sogar schneller als geplant. In Kombination mit Bürgerengagement und einer den Möglichkeiten Münnerstadts entsprechenden finanziellen Förderung, so Kastl, könne etwas erreicht werden. Auch die Stadt werde weiter ihren Beitrag zu dem Projekt leisten, etwa durch die Errichtung eines Zaunes oder durch die Pflege der Anlage.

Radweg geplant

Hohenroths Bürgermeister Georg Straub, der als Vorsitzender der NES-Allianz an der Veranstaltung teilnahm, betonte, dass das Regionalbudget zur Förderung des Ehrenamtes aufgelegt wurde und bedankte sich für das Engagement, mit dem das Projekt in Reichenbach angegangen worden sei. Es war als eines von 17 Projekten aus 30 gestellten Anträgen zur Förderung ausgewählt worden.

Die NES-Allianz möchte auch dazu beitragen, das Kneippbecken noch etwas bekannter zu machen. So soll ein verbindender Radweg angelegt werden, der am Kneippbecken vorbeiführt. Im Anschluss an den offiziellen Teil sorgte der Elternbeirat des Reichenbacher Kindergartens für das leibliche Wohl der Gäste, während die Trachtenkapelle Burghausen mit Reichenbach aufspielte.