Es war nicht das erste Mal, dass der Stadtrat über eine Ausnahme von der Gestaltungssatzung (Altstadtsatzung) entscheiden sollte, weil in der Innenstadt eine Photovoltaikanlage gebaut werden soll. Aber die Diskussion machte die Gratwanderung zwischen Klimaschutz und Bewahrung der Altstadt besonders deutlich. In diesem Fall verweigerte das Gremium mit 13 zu vier Stimmen das gemeindliche Einvernehmen für eine Photovoltaikanlage auf beiden Dachflächen eines Hauses, wobei eine Seite vom öffentlichen Raum (Deutschherrnstraße) aus einsehbar ist. Die zweite Dachseite, zum Jörgentorpark hin, bekam schließlich die Genehmigung, die Entscheidung über die zweite wurde zurückgestellt. Nun will die Stadt ein Solarkataster erstellen.

Das Gebäude liegt zwar im förmlich festgelegten Sanierungsgebiet "Altstadt", ist aber kein Einzeldenkmal. Wie in solchen Fällen üblich, hat die Stadt eine Stellungnahme bezüglich der Vereinbarkeit mit der Gestaltungssatzung vom Sanierungsbeauftragten Schlicht Lamprecht Architekten angefordert.

Laut Gestaltungssatzung ist die Errichtung von Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen in der Dachfläche nur in Einzelfällen zulässig, solange das Orts- und Straßenbild und die Dachlandschaft nicht beeinträchtigt werden, urteilen die Sanierungsbeauftragten. Die westliche Dachfläche sei aber von der Deutschherrnstraße und der Riemenschneiderstraße einsehbar. "Eine Beeinträchtigung des denkmalgeschützten Stadtbildes ist hier gegeben", heißt es. Eine Photovoltaikanlage auf der östlichen Dachseite (teils einsehbar vom Jörgentorpark) hält der Sanierungsbeauftragte für eher vertretbar.

Dazu haben die Antragsteller ausführlich Stellung bezogen. Mit der PV-Anlage auf beiden Dachflächen solle das Anwesen zukunftsfähig gemacht, ein Beitrag zur Energiewende geleistet und gleichzeitig die Altstadt lebendig gehalten werden. Unter anderem wird ausgeführt, dass PV-Anlagen inzwischen zum allgemeinen Straßenbild in Deutschland gehören. Außerdem stützen sich die Antragsteller auf das Prinzip der Gleichbehandlung, weil in der Nähe auch PV-Anlagen gebe, die vom öffentlichen Raum aus einsehbar seien.

Die Stadt hat bereits im Vorfeld das Problem mit den Behörden abgeklärt. Vom Landratsamt kam die Antwort, dass das Vorhaben baurechtlich nicht genehmigungsfähig ist. Die Untere Denkmalbehörde hat die Anfrage ans Landesamt für Denkmalpflege weitergeleitet. Der Mitarbeiter dort schließt sich der Einschätzung des Sanierungsbeauftragten an. Abgeklärt werden müsse noch, ob auf der Ostseite des Hauses eine Anlage errichtet werden kann. Außerdem sollte aus Gründen der Gleichbehandlung geprüft werden, wie die PV-Anlagen in der Nachbarschaft entstanden sind. "Aus meiner Sicht würde bei einer Erlaubnis ein Präzedenzfall geschaffen werden. Das Gebäude steht in der Sichtachse der Deutschherrnstraße und wirkt somit mehr in den Straßenraum als andere Standorte für PV-Anlagen", urteilt der Mitarbeiter des Landesamtes. Er schlägt vor, für die Errichtung von PV-Anlagen einen Solarkataster zu erstellen.

Die Stadtverwaltung hat inzwischen auch geprüft, wie die Anlagen in der Nachbarschaft zustande gekommen sind. Diese wurden im Jahr 2009 genehmigt. Eine Rücksprache mit dem Antragsteller ergab, dass eine PV-Anlage ausschließlich auf der Ostseite als "Notlösung" gesehen wird. Die Einschätzung des Sanierungsbeauftragten halt er für rückwärtsgewandt und schädlich für Münnerstadt. Zunächst wollte er die Stellungnahme des Stadtrats abwarten.

Und das Gremium tat sich nicht leicht damit. Sehr ausführlich diskutierten die Stadträte über Für und Wider. "Wir müssen eine Entscheidung treffen", sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Für Umweltreferent Klaus Schebler (Neue Wege) geht der Klimaschutz ganz klar vor. Auf dem Jörgentor könne man keine PV-Anlage errichten, in dem Fall aber schon, meinte er. Sie werde zustimmen, weil die Anlage optisch überhaupt nicht stört, meinte Christine Martin (Grüne) dazu. Und: "Wir wollen doch, dass Wohnen in der Altstadt attraktiv ist, das Haus ist zudem kein Denkmal." Auch Johannes Wolf (Grüne) kündigte seine Zustimmung an. Ulla Müller (CSU) fand sogar, dass solche Anlagen noch mehr gefördert werden sollten. Und Oliver Jurk (CSU) befürwortet immer Dächer für Photovoltaik, bevor solche Anlagen auf Felder gebaut werden. Vielleicht könne man das genehmigen und trotzdem einen Solarkaster erstellen.

Andere Redner waren aber skeptisch. Rosina Eckert (Forum Aktiv) beispielsweise befürchtet eine Zerstörung der Dachlandschaft. "Wenn wir die Westseite zulassen, können wir unsere Altstadtsatzung vergessen", sagte Leo Pfennig (Freie Wähler) dazu. Und die habe ihren Sinn. Andreas Trägner (Freie Wähler) befürchtete, dass der Stadtrat bei Zustimmung für beide Dachhälften gegen das Recht verstößt.

Die Gestaltungssatzung sollte schon lange angepasst werden, sagte Michael Kastl. Er erinnerte aber daran, dass durch die Gestaltungssatzung Fördermöglichkeiten entstehen. Britta Bildhauer (SPD) wünschte sich schließlich zuerst einen Kataster, also eine klare Regelung, wo solche Anlagen zulässig sind und wo nicht. So war es vom Landesamt für Denkmalpflege auch empfohlen worden.