"Man sieht doch gar nichts." Nur wenige Minuten nach dem offiziellen Start der Sonnenbeobachtung am Münnerstädter Sportzentrum schauen Schülerinnen und Schüler der Münnerstädter Freiherr-von-Lutz-Mittelschule mit ihren Betreuern vorbei. Sie sehen nichts, weil der Sonnendurchgang noch gar nicht begonnen hat. Aber lernen können sie auch schon jetzt eine Menge von dem Hobby-Astronomen.


Merkur im Mittelpunkt

Und schon ist in der Mittagsbetreuung eine Art Astronomiestunde geworden. Welche Planeten sie denn kennen, will Werner Krauß von den Kindern und Jugendlichen wissen. Dabei beweist er durchaus Humor. Als mehrfach die Antwort "Pluto" kommt, sagt er: "Das ist ein Kleinplanet, es war mal ein Planet, aber man hat ihn degradiert." An diesem Tag geht es vielmehr um Merkur, der im Gegensatz zum Pluto sehr nahe an der Sonne seine Runden dreht. Werner Krauß erläutert, dass ein Tag auf dem Merkur zwei Merkurjahre dauert und dass es wegen der um sieben Grad geneigten Achse sehr, sehr selten vorkommt, dass der Merkur vor der Sonne zu sehen ist. "Das nächste Mal ist das am 13. November 2032 bei uns zu beobachten", erklärt der Rentner.
"Ich sehe immer noch nichts", ist zu hören, doch jetzt ist Werner Krauß mit der Aussage nicht einverstanden und schaut selbst in einem der vier aufgestellten Teleskope nach. Ein winziger schwarzer Punkt hat sich inzwischen am Rand vor die Sonne geschoben. "Es ist ja nichts Spektakuläres, aber man sieht die Dimensionen im Sonnensystem." Gerade einmal 4879 Kilometer beträgt der Durchmesser des Merkur. Die Sonne, dagegen hat einen Durchmesser von rund 1,4 Millionen Kilometer. Damit die Schülerinnen und Schüler sowie die anderen Besucher auch verstehen, worum es eigentlich geht, hat der Hobby-Astronom anschauliches Bildmaterial mitgebracht.


Vier Teleskope dabei

Aber nicht nur das. Einen ganzen Autoanhänger hat er voll gepackt mit Teleskopen. Zwei davon zeigen ausschließlich das Licht des Wasserstoffs, lassen sich also ausschließlich für die Sonnenbeobachtung einsetzen. Die beiden anderen, mit denen sich alle Himmelskörper beobachten lassen, verfügen über spezielle Filter. "Es ist völlig ungefährlich", sagt er.
Der gebürtige Münnerstädter, der sein Abitur am Schönborn-Gymnasium abgelegt hat, ist durch den früheren Physiklehrer Alfons Zirkelbach zu seinem Hobby gekommen. Der hatte in den 1960er Jahren Astronomie-Kurse angeboten. Heute veranstaltet Werner Krauß einmal im Jahr einen Astronomietag am Münnerstädter Sportzentrum und hält Kurse an der Volkshochschule. Er guckt zwar nicht täglich in die Sterne, "aber das schöne Wetter der letzten Tage hat man natürlich ausgenutzt." Und weil er darum gebeten worden ist, hat er nach dem Sonnendurchgang des Merkur seine Teleskope den Interessierten auch noch zum Bestaunen verschiedener Galaxien zur Verfügung gestellt.
Angehenden Hobby-Astronomen rät Werner Krauß, kein Billig-Teleskop im Angebot zu kaufen. 500 bis 600 Euro sollte man dafür schon ausgeben. Andererseits warnt er davor, richtig teure Geräte zu kaufen. "Wenn es dann doch nicht das Hobby wird, liegen sie da." Und der Wiederverkaufswert von gebrauchten Teleskopen sei sehr gering.