Nur noch eine Pfütze ist vom Schirmsee übrig geblieben, nachdem er vollständig abgelassen worden ist. Darin liegen tote Fische. In der Luft hängt ein beißender Geruch. Die toten Fische im Teich seien derzeit der Aufreger in Großwenkheim, erklärt ein Landwirt dieser Zeitung gegenüber. Vom Landratsamt kommt die Stellungnahme, dass der See wegen eines drohenden unkontrollierten Dammbruchs auf Veranlassung der Unteren Naturschutzbehörde abgelassen wurde. Es habe in diesem Rahmen aber eine große Abfischaktion gegeben, bei welcher der weitaus größte Teil des Fischbestandes gerettet wurde. Die Maßnahme selbst wird vom Landratsamt als unumgänglich bezeichnet. Ohne das Eingreifen wäre unter Umständen der gesamte Fischbestand gefährdet gewesen, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde.

Schuld an der gesamten Situation ist ein Biber. Dieser hat durch seine Bautätigkeit den Mönch verstopft, die Vorrichtung, die den Wasserstand im See reguliert. Dadurch habe das Ablaufbauwerk seine Funktion nahezu völlig verloren. Es habe die Gefahr bestanden, dass der künstliche Damm bricht, die umliegende Umgebung überflutet und die im See lebenden Tiere gefährdet, heißt es aus dem Landratsamt.

Der Mönch sei derart verstopft, dass dieser nicht ohne komplette Freilegung instand gesetzt werden kann, heißt es weiter. Deshalb wurde der See kontrolliert am vergangenen Samstag abgelassen. Der Damm wurde im Bereich des Mönchs aufgebaggert und freigelegt. Ob eine Teilsanierung des Mönches möglich ist oder ein neuer gebaut werden kann, werde sich in den nächsten Tagen zeigen.

Der Großwenkheimer Landwirt glaubt allerdings, dass mit einer Spundung ein völliges Ablassen des Teiches vermeidbar gewesen wäre. Die Kritik aus Großwenkheim richtete sich auch gegen den Zeitpunkt des Ablassens, weil die ansässige Vogelwelt leide. Hierzu kam die Information aus dem Landratsamt, dass die Brutzeiten der dort ansässigen Rohrweihe, Zwergtaucher und Rohrsänger berücksichtigt worden seien.

"Am vergangenen Samstag ist der See dann soweit abgelassen worden, dass ein Großteil der auffindbaren Fische abgefischt werden konnte", schreibt die Pressesprecherin des Landratsamtes, Lena Pfister in der schriftlichen Stellungnahme.

Das bestätigt Uwe Bartenstein, der Vorsitzende des Angelvereins "Forelle" Poppenlauer. Der Verein hatte diese Aufgabe im Auftrag des Fischereiverbandes Unterfranken übernommen, ergänzt sein Stellvertreter Sebastian Dietz. "Vorwiegend Karpfen, aber auch Schleien und Weißfische haben die Helfer aus dem Wasser geholt. "Die Mitglieder haben hart gearbeitet", erklärt Uwe Bartenstein.Auf Bildern ist zu sehen, dass die Helfer sowohl mit einem Boot, als auch mit Watthose im tiefen Morast stehend versuchten, möglichst viele Fische zu retten. Die Fische werden jetzt vom Verein gehegt, ehe sie wieder umgesetzt werden, dann aber in einer kühleren Jahreszeit, so Sebastian Dietz.

Uwe Bartenstein erklärt, weshalb es trotz der gelungenen Rettungsaktion verendete Tiere gibt. Richtige Fischteiche würden so angelegt, dass beim Abfischen alle Fische ins Netz gehen und umgesetzt werden können. Beim Schirmsee fehle diese bauliche Besonderheit, so dass es nicht möglich gewesen sei, den kompletten Bestand ins Netz zu bekommen. Die 14 Helfer aus Poppenlauer sind aber froh, dass es ihnen gelungen ist, so viele Tiere unter den schwierigen Bedingungen bei Sommerhitze zu retten. Der Schirmsee ist eine historische Teichanlage, die in ihrem Ursprung auf die Zisterzienser zurückgeht. "Ohne diesen Einsatz wäre der Damm irgendwann gebrochen und der komplette dortige Fischbestand wäre dem in der Folge wohl zum Opfer gefallen", heißt es in der Stellungnahme des Landkreises.

Die weiteren Arbeiten - die Mahd der Schilfflächen und die fällige Reparatur - werden in den kommenden Wochen über den Landschaftspflegeverband Bad Kissingen abgewickelt, so die Information des Landkreises.