Der Verein Dorfgemeinschaft e.V. Thundorf hat in seiner Satzung verankert, neben geselligen auch kulturelle Veranstaltungen auszurichten. Unter diese Kategorie fiel die Grenzgangwanderung mit dem Vorsitzenden der Feldgeschworenen, Herbert Bretscher.

Ein solcher Grenzgang hat laut Bretscher das letzte Mal vor rund 25 Jahren stattgefunden. Am Kreuz an der Weichtunger Straße startete der stellvertretende Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Thundorf, Altbürgermeister Anton Bauernschubert, die Veranstaltung und zeigte sich erfreut über das Engagement der Feldgeschworenen von Obmann Herbert Bretscher. Dieser führte die Gruppe entlang der Gemarkungsgrenze zu Weichtungen, einem Ortsteil des Marktes Maßbach, auf 2,7 Kilometer, über Wege und entlang von Waldrändern der Gemarkungen Langeloh, Bauholz und Herrnholz. Der Grenzgang dauerte rund 2,5 Stunden.

Bretscher, der schon fast 30 Jahre Obmann in Thundorf ist, sagt: "Die Aufgaben eines Feldgeschworenen haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert." Dank moderner Messtechniken und der entsprechenden Datenerfassung werden heute viele Aufgaben der "Siebener" durch das Vermessungsamt übernommen. "Trotzdem sind die Feldgeschworenen unverzichtbar, das sieht man bei Grundstücksteilungen und Neuvermessungen."


Wie viele Grenzzeichen fehlen?

Der Vorsitzende des TSV Thundorf, Dieter Büchner, wollte von Bretscher wissen: "Wie sieht es aus mit den Grenzzeichen, fehlen da viele?" Die Antwort: "Am besten ist es an der Gemarkungsgrenze mit Weichtungen, da sind fast alle Steine vorhanden. Mit den Feldgeschworenen von Weichtungen wurden bisher auch am häufigsten Grenzgänge durchgeführt."

Im Staatswald "Herrnholz" gibt es ein Teilstück, durch das man normalerweise wegen Feuchtigkeit nicht auf der Grenze durchlaufen kann. In diesem Sommer allerdings ist es als Folge der Trockenheit kein Problem, erklärte Bretscher. Diese Stelle wird auch gerne von Wildschweinen aufgesucht, erzählt der Vorstand der Jagdgenossen, Daniel Kuhn, der die Fragen der Teilnehmer zur "Wildschweinplage" und Wildschweinepopulation als praktizierender Landwirt beantworten konnte.

Sehr interessant war für die Grenzganz-Teilnehmer, als Bretscher ihnen die uralten Grenzzeichen präsentierte. Der älteste, erhaltene Grenzstein wurde von Wilhelm von Schaumberg gesetzt und trägt die Jahreszahl 1595. "Wahrscheinlich wurde das Wappen später entfernt, weil die Herren von Rosenbach das Wissen um die evangelische Zeit tilgen wollten", so lautet zumindest die Überlieferung dazu.

Am Schluss des Grenzganges äußerte sich Dieter Büchner: "Ich fand den Grenzgang sehr interessant und würde mir eine Fortsetzung zu den Gemarkungen Stadtlauringen, Seubrigshausen, Theinfeld, Rothhausen und Maßbach wünschen".