Manuela Rottmann bleibt gelassen. "Das wird, wartet doch mal ab", sagt sie, als pünktlich um 18 Uhr die erste Prognose in der ARD läuft. Von 14,6 Prozent für Bündnis 90/Die Grünen ist da die Rede. "Ich glaube und ich wünsche mir, dass wir mehr als 16 Prozent bekommen", hat sie kurz zuvor gegenüber unserer Zeitung gesagt. Das ZDF hat bessere Zahlen. Da liegen um 18 Uhr die Grünen bei 15 Prozent. "Wir haben uns für den falschen Sender entschieden", sagt Johannes Wolf, Grünen-Stadtrat in Münnerstadt. Aber der Abend ist ja noch lang.

Manuela Rottmann hat ihre Wahlpartys immer in Langendorf gefeiert, dieses Mal allerdings hat sie sich für Münnerstadt entschieden. "Das liegt im Wahlkreis sehr zentral ", sagt sie. "Das ist mal was Neues." Dass "angerWein" von den beiden neuen Münnerstädter Stadträten der Grünen, Christine Martin und Johannes Wolf, betrieben wird, hat das sicher auch eine kleine Rolle gespielt. Aber nach Münnerstadt haben es sowohl die Mitglieder des Kreisverbandes Rhön-Grabfeld, als auch die aus den Haßbergen nicht allzu weit. Hammelburg liege da doch sehr weit südlich, sagt die Bundestagsabgeordnete. Einige sind in ihren Heimatstädten als Wahlhelfer eingebunden und schalten sich erst später via Zoom zu.

Mit Listenplatz 5 braucht sich Manuela Rottmann keine Sorgen um ihren Wiedereinzug in den Bundestag zu machen. Sie war zwar auch als Direktkandidatin angetreten, aber da dürfte Dorothee Bär ganz weit vorn liegen. "Da sind wir realistisch", sagt Manuela Rottmann. "Trotzdem bin ich neugierig auf das Ergebnis."

Auf 16 Prozent hofft sie, bevor die erste Prognose veröffentlicht wird. Vor ein paar Monaten hatten Umfragen Annalena Baerbock noch eine mögliche Kanzlerschaft prognostiziert. "Man kann nicht erwarten, dass es beim ersten Mal klappt", meint Manuela Rottmann dazu. Und außerdem sei sie viel zu lange dabei, als dass sie sehr viel auf solche Umfragen geben würde.

Das prognostizierte Wahlergebnis bezeichnet sie als einen Erfolg. "Spannend wird die Frage, ob wir mitregieren, ich halte das für dringend nötig", sagt sie. Was ist für sie persönlich das Wichtigste, was will sie als erstes machen? "Wir müssen eigentlich morgen den Schalter umlegen beim Klimaschutz. Da zählt jeder Tag. Das ist das Wichtigste"

Inzwischen hat sich eine stattliche Anzahl von Gästen beim angerWein eigefunden. Die ersten Bratwürste liegen auf den Grill, Vegetarisches gibt es natürlich auch: Ratatouille. Und alle sind gespannt auf die erste Prognose. Als die über den Bildschirm flimmert, hält sich die Freude in Grenzen. Manuela Rottmann bleibt zuversichtlich. "Wir haben von allen Parteien Stimmen hinzu bekommen und uns deutlich verbessert", sagt sie. Und dass in Mecklenburg-Vorpommern die Grünen wieder in den Landtag einziehen, freut sie besonders. "Das ist ein schwieriges Pflaster für uns."

Inzwischen ist es dunkel geworden, die Stimmung ist gut, auch wenn die Ergebnisse nicht danach aussehen, als ob die Grünen noch zulegen können. Nun stehen spannende Wochen bevor.