Nicht umsonst wird von der Magie der Fotografie gesprochen. Gut fotografierte Bilder üben eine Faszination auf den Betrachter aus. Die Bilder, die der Münnerstädter Drogist Josef Wintter ab den 1920er Jahren in Münnerstadt aufgenommen hat, haben diese Magie. Gabi Borst, die die einstige Drogerie am Münnerstädter Marktplatz in dritter Generation weitergeführt hatte, hütet diesen besonderen Fotoschatz bis heute.

Josef Wintter und seine Frau Wally eröffneten 1920 die Drogerie Wintter in Münnerstadt. "Unser Anfang war schwer", schreibt Wally Wintter in einem Brief, der bis heute neben der Bildersammlung erhalten geblieben ist. Josef Wintter war Drogist, aber eben auch Fotograf. Das Fotolabor ist bis heute im Fachwerkhaus am Marktplatz erhalten geblieben.

Immer wenn es ihm die Zeit erlaubte, muss sich Josef Wintter den Fotoapparat, eine Leica, gegriffen haben, um Szenen aus Münnerstadt und Umgebung festzuhalten. In Althausen, weiß Gabi Borst aus Erzählungen, habe man damals vermutet, dass Josef Wintter wohl nicht die Welt zu tun hatte, weil er immer mit Kamera zu sehen war.

Lebendige Bilder

Erhalten geblieben sind nicht nur Postkartenmotive mit schönen Blicken auf die Stadt, sondern Szenen aus dem Münnerstädter Alltag, aus der Landwirtschaft. Auffallend: Auf vielen Bildern sind Menschen abgelichtet. Sie verleihen den Fotos eine zeitlose Lebendigkeit und erzählen Geschichten, ohne dass man heute noch weiß, wer die Personen darauf sind. Ein Foto zeigt, den wöchentlichen Schweinemarkt, ein anderes einen Mann, der einen Tanzbären durch Münnerstadt führt. Spielende Kinder in der damaligen Neubaustraße, der heutigen Friedrich-Abert-Straße, sind auf einem anderen Foto zu sehen.

Und natürlich hat Josef Wintter die neuesten technischen Errungenschaften seiner Zeit festgehalten: Am neuen Schindberg, damals noch eine unbefestigte Straße, sitzt seine Tochter Ruth stolz in einem noblen Auto. Wer der Besitzer daneben ist, weiß Gabi Borst nicht.

Fotografiert wurden auch Ausflugsfahrten vom Kirchenchor oder Feste wie zu Fasching. Neben den Bildern sind teilweise noch die Listen erhalten geblieben, wer Foto-Abzüge von diesen Ereignissen bestellt hat. Auch Auftragsfotografie erledigte der Drogist und Fotograf. Aus dem Jahre 1944 liegt Gabi Borst ein Schreiben vor, in dem der Senatspräsident Dr. Schunter ihren Großvater beauftragte, die Stadtpfarrkirche zu fotografieren. Die Originalfotos befinden sich noch in ihrer Sammlung.

Beeindruckt ist Gabi Borst von der Qualität der Schwarz-Weiß-Fotos aus den frühen Jahrzehnten. Die Farbbilder aus den 1960er und 1970er Jahren, die ebenfalls zahlreich im Fundus vorhanden sind, können da nicht mithalten.

Bei den Bildern, die Josef Wintter in der Münnerstädter Umgebung gemacht hat, fällt Gabi Bieberich auf, dass es früher in den Ortschaften grüner war als heute. Dafür waren die Höhen rund um Münnerstadt vor rund 100 Jahren viel weniger bewaldet als heute.Es dominierte die karge Wacholderheide.

Gabi Borst blättert immer wieder gerne im Familienschatz. Für sie sind es wertvolle Dokumente aus einer vergangenen Zeit. Ein Teil der Bilder ist mittlerweile digitalisiert.

Ihr Anliegen ist, dass auch andere Menschen ihre Familien-Fotoalben aus alter Zeit wert schätzen. "Man muss den Leuten Mut machen, dass sie sie nicht in die Tonne klopfen".