Dtie traditionelle Waldexkursion des Stadtrates unter Leitung von Stadtförster Jörg Mäckler führte heuer in die städtischen Wälder rechts der Talstraße. Im vorderen unteren Hainberg, einem reinen Kiefernwald, stellte Mäckler fest, dass der Kiefernbestand hier in den kommenden Jahren mit Laubhölzern wie Buche, Kirsche, Elsbeere und Speierling unterbaut wird, um den reinen Kiefernwald längfristig in einen Laubforst umzuwandeln. "Unser eindeutiges Ziel ist eine zehnjährige Hiebsruhe", betonte er.
Das Laubholzpflanzgut werde von der Darmstädter Forstbaumschule geliefert und von Mitarbeitern dieser Baumschule gepflanzt. Die Darmstädter Forstbaumschule sei die einzige ihrer Art mit ökologischer Forstpflanzen-Nachzucht. "Es ist mir wichtig, dass wir ökologisches Pflanzgut ausbringen", sagte Mäckler. Diese Maßnahme werde als Ausgleichsmaßnahme für die Inanspruchnahme der Wälder bei der Einrichtung der Windkraftanlagen in den angrenzenden Wäldern finanziell von der Naturstrom AG, Bereich Windenergie, mit Sitz in Forchheim, unterstützt. Diese wurde während der Exkursion von Rechtsanwältin Sandra Dechant vertreten. Dechants Aufgaben sind neben der Windparkplanung die Koordination der Ausgleichsmaßnahmen vor Ort und die Kontaktpflege mit der Stadt, sagte sie. Außerdem zeichne sie als Geschäftsführerin auch für die Betreibergesellschaft "Bürgerwindpark Langes Schiff Münnerstadt GmbH & Co KG" verantwortlich.
Im unteren hinteren Bereich des Hainbergs erfuhren die Exkursionsteilnehmer, dass es die Fichte in Zukunft nicht mehr geben wird. Die Rotfäule - sie zerstört den Kern der Stämme - und Borkenkäfer sorgen für das Absterben der sonst so beliebten Baumart. Wenngleich sie immer einen regelmäßigen Ertrag gebracht habe, werde sie nicht mehr angepflanzt, sagte Mäckler. In diesem Zusammenhang stellte der Forstmann fest: "Der Stadtwald Münnerstadt ist ein aktiver Umbaubetrieb."

Verjüngungs-Bestand

Auf dem Weg ins Tränktal stellte Mäckler einen Verjüngungs-Bestand mit gepflanzter Buche, eine nötige Hiebmaßnahme auf alter Buche und eine Ergänzungspflanzung mit Douglasie vor, deren Setzlinge in sogenannten Wuchshüllen aus weißem Kunststoff heranwachsen. Der Stadtförster erläuterte recht anschaulich den Unterschied zwischen aktivem Pflanzen und Naturverjüngung. Da die Jungbäumchen hier in der Regel besonders eng stehen, sei nach einigen Jahren eine so genannte Jugend-Pflege nötig.
Von einem Stadtrat wurde das Thema Waldverkauf angesprochen, das laut Bürgermeister Helmut Blank vor einigen Jahren schon einmal zur Debatte stand. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren sehr viel in den Wald investiert. Da wäre der Verkauf, wie von einigen Stadträten gefordert, quasi ein Treppenwitz, da der Waldbesitz der Stadt deutlich aufgewertet worden sei. "Das Bewusstsein für den Wald ist heute in der Gesellschaft viel tiefer verwurzelt als noch vor Jahrzehnten", hob Helmut Blank hervor, und Jörg Mäckler ergänzte, er müsse Brennholz teilweise schon kontingentieren, da der Wunsch danach immer größer werde.
Im Bereich "Blauer Storch" rechtfertigte Mäckler den vermehrten Harvester-Einsatz bei der Holzernte. Es gebe keine traditionellen Holzrücker mehr, und die beiden Forstarbeiter der Stadt seien allein nicht in der Lage, die anfallenden Fällarbeiten zu bewältigen. Außerdem erläuterte er die Schwierigkeiten bei der Holzabfuhr, wobei er auch den Zustand der Forststraßen ansprach. Darüber hinaus sei die Holzabfuhr im Talbereich stark behindert durch Bahnüber- und Unterführungen.
Als einen Augenschmaus könne man die Eichen-Naturverjüngung im unteren Tränktal gegenüber der Talkirche als besonders positiven Eindruck dieses Waldbegangs mit nach Hause nehmen, meinte Mäckler. Er hatte seine Gäste querbeet mitten in eine prächtige Verjüngung geführt und erklärt, dass der Eichenanteil am Mürschter Stadtwald derzeit nur 18 Prozent beträgt. Sein Ziel seien 30 Prozent in den kommenden Jahren, wenngleich die Eichen sehr viele Feinde haben. Er hielt ein Plädoyer für die Deutsche Eiche, die heute oft von der Buche und der Hainbuche verdrängt werde.

Brennholzpreise

12,50

Stadtwald Münnerstadt


Gesamtfläche 996 Hektar (ha): Holzbodenfläche: 876 ha; Wirtschaftswald: 777 ha. Darunter sind 68 Prozent Nadelholz und 32 Prozent Laubholz. Längerfristiges Ziel: 25 Prozent Nadelholz und 75 Prozent Laubhölzer. Eingeschlagene Holzmengen (Stand 31.10.): 32 Hiebe, 180 Verkaufslose = 1995 Festmeter (fm); Brennholz (31.10.): 1145 Ster durch 115 Lose; Gesamteinnahmen aus dem Holzverkauf im Jahre 2014: 140 000 Euro.