Die geplante Errichtung eines Fachmarktzentrums nördlich der Stadt ist in eine entscheidende Phase getreten. "Der Investor möchte ein positives Signal haben, dass der Bau rechtlich möglich ist", sagt Zweiter Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Um das Verfahren vorantreiben zu können, hat er der Regierung die Ergebnisse der Prüfungen durch die Stadt Münnerstadt mitgeteilt und die Behörde um eine Stellungnahme gebeten. Erst wenn er grünes Licht bekommt, wolle der Investor weiter machen und die noch fehlende Auswirkungsanalyse in Auftrag geben.
"Wir sind in enger Abstimmung mit der Stadt und lassen die Stadt jetzt kommunizieren", sagt Investor Walter Ruppel auf Anfrage unserer Zeitung. Dafür bittet er um Verständnis. Auf die Frage, ob er noch immer am Fachmarktzentrum interessiert sei, antwortet er trotzdem noch kurz: "Selbstverständlich."

Läuft schon über zwei Jahre

Die Stadt - das ist in diesem Fall zunächst einmal Zweiter Bürgermeister Michael Kastl, der das Verfahren Fachmarktzentrum leitet, weil Bürgermeister Helmut Blank (CSU) Sohn des Grundstücksbesitzers ist. Michael Kastl hatte angekündigt, das bereits mehr als zwei Jahre laufende Verfahren voranzubringen und sich dann zusammen mit den Stadträten in zwei Sitzungen mit dem Thema Alternativstandorte befasst.
Dies geht auf ein Schreiben der Regierung vom Februar dieses Jahres zurück. Auf einen Brief des damaligen Zweiten Bürgermeisters Norbert Reiter (CSU) hatte die Regierung der Stadt mitgeteilt, welche landesplanerischen und städtebaulichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit das Fachmarktzentrum genehmigungsfähig ist. Demnach gab es Probleme mit der fußläufigen Erreichbarkeit (städtebauliche Integriertheit) und mit der geplanten Größe der Verkaufsflächen. Außerdem hatte die Regierung auf die fehlende Prüfung von Alternativstandorten hingewiesen.

Prüfung ist abgeschlossen

Im aktuellen Schreiben Michael Kastls an die Regierung führt er nun alle zehn geprüften Alternativstandorte auf. "Die ausführliche Prüfung sämtlicher oben genannten Standorte ergab, dass aus topographischen, städtebaulichen und/oder technischen Gründen oder auch aufgrund des entstehenden Eigentümerinteresses in Münnerstadt keine Alternativstandorte für die Ansiedlung eines Fachmarktzentrums zur Verfügung stehen." Dann verweist Michael Kastl auf den Sanierungsbeauftragten der Stadt, Dag Schröder, der bei beiden Sitzungen anwesend war und das Nichtvorhandensein einer Alternative bestätigt hat. "Da somit keine entsprechende Alternativstandort zur Verfügung stehen, strebt die Stadt Münnerstadt gemäß des Beschlusses vom 15.05.2012 weiterhin die Ausweisung eines Gewerbe- und Sondergebietes ,Nördlich der Meininger Straße' an", heißt es in dem Schreiben an die Regierung.

Querung ist ausgeschlossen

Bezüglich der fußläufigen Erreichbarkeit schreibt Michael Kastl, "dass trotz intensiver Bemühungen seitens der Stadt Münnerstadt eine oberirdische Querung der Bundesstraße laut Aussage des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt definitiv ausgeschlossen ist." Denkbar sei lediglich eine Unterführung, was jedoch aus technischen und finanziellen Gründen kaum zu verwirklichen sein werde. Somit bleibt sowohl für die Zehntbewohner als auch die Innenstadtbewohner nur die Route über die Seger-Kreuzung bzw. die Brücke darüber und dann weiter über das bestehende Gewerbegebiet. "Wir können nicht zaubern", betont der Zweite Bürgermeister gegenüber unserer Zeitung. Dann müssten die Fußgänger eben ein Stückchen weiter laufen.
Im Schreiben teilt Michael Kastl der Regierung schließlich mit, dass sich bezüglich der geplanten Ladenflächen keine Änderungen zum letzten Stand ergeben haben. Schließlich bittet er um Stellungnahme, ob die im Februar-Schreiben geäußerten Bedenken ausgeräumt werden konnten und lobt ausdrückliche die unkomplizierte und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Leitenden Baudirektor Manfred Grüner von der Regierung von Unterfranken.
Nun hofft Michael Kastl auf ein Signal aus Würzburg. Sollte die Alternativstandortprüfung akzeptiert werden und auch der weite Fußweg - über einzelne Änderungen bei der Größe der Verkaufsflächen könne man mit dem Investor noch reden - falls das gefordert wird. Jedenfalls wolle der Investor jetzt ein positives Signal, bevor er weiter macht, so Michael Kastl.
Er muss die Auswirkungsanalyse in Auftrag geben. Der Stadt soll das Verfahren nichts kosten. Die Regierung von Unterfranken ist übrigens beim derzeitigen Stand des Verfahrens gar nicht verpflichtet, Stellung zu nehmen, weil das Verfahren noch nicht so weit. Auch bei den bisherigen Schreiben an die Stadt handelte es sich lediglich um Hinweise auf die gesetzlichen Vorgaben, die beachtet werden müssen, damit das Vorhaben überhaupt genehmigungsfähig ist.
Ein wirklich positives Signal vom Stadtrat hat der Investor in jüngerer Zeit ebenfalls nicht erhalten. Auch wenn es kürzlich - scheinbar - lediglich um einen bestimmten Alternativstandort ging, so kann man die Abstimmung von neun zu zehn Stimmen durchaus auf das Fachmarktzentrum selbst beziehen. Beim Fehlen einzelner Personen bei Stadtratssitzung wäre es bei der momentanen Stimmung möglich, dass ein in der Bauleitplanung zu fällender Beschluss dem ganzen Vorhaben ein Ende setzt. Michael Kastl möchte das gerne zusammen mit den Fraktionssprechern in offenen Gesprächen ändern.

Alter Beschluss gilt noch

Bisher gilt noch der Beschluss von 2012, mit dem die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Sonder- und Gewerbegebiet auf den Weg gebracht wurde. "Mir wird immer vorgeworfen, ich trage diesen Beschluss wie eine Monstranz vor mir her", sagt Michael Kastl. "Aber ich muss ihn umsetzen , so lange es keinen anderen gibt." Er hält den Bau des Fachmarktzentrums noch immer für realisierbar. Jedenfalls müsse das Verfahren nun endlich vorangebracht werden.