Es ist nur ein Schritt, aber er geht ins Leere an der Münnerstädter Schlegelwarte. "Das schwierige ist rauszugehen", sagt Bruno van Eckert Fachkoordinator im Oerlenbacher Ausbildungszentrum. "Das ist eine Wahnsinns-Überwindung." 44 junge Polizeimeisteranwärterinnen und 112 Anwärter sollen so einen Schritt tun. Das ist Bestandteil einer Outdoor-Ausbildung, die noch bis Donnerstag andauert. Unterwegs sind die jungen Leute im Raum Bad Kissingen, Bad Neustadt, Hammelburg, Arnstein, Volkach und Bamberg.

Keine Angst, aber Respekt

Zu den Auszubildenden gehört Ibrahim Ghandour. "Ich habe keine Angst, aber Respekt", sagt der junge Mann, als er seinen Kollegen beim Abseilen zusieht. In der Kletterhalle hat er so etwas schon gemacht, aber noch nie von einem alten Wachturm wie der Schlegelwarte. Ein bisschen Höhenangst habe er schon, gesteht Ibrahim Ghandour, aber die werde er überwinden.
Wenig später steht auch er vor dem Schritt ins Leere. Vor ihm hat eine junge Frau "Nein" gesagt. Auch das gehört dazu. Ibrahim Ghandour schafft es, kommt stolz am Boden an.
Unter den Zuschauern ist Andreas Poddog, Leitender Polizeidirektor und ständiger Stellverteter des Präsidenten der Bundespolizeiakademie Lübeck. "Es geht um Teamtraining, das Erkennen der eigenen Leistungsfähigkeit und der eigenen Grenzen", sagt er. Das ist Bestandteil des ersten Ausbildungsjahres. Zehn Monate sind die jungen Leute nun schon dabei. Auch Teamfähigkeit, arbeitsteiliges Vorgehen und gegenseitige Motivation werden gefördert.
Bei dieser erlebnisorientierten Pädagogik - unter teilweise außergewöhnlicher körperlichen Belastung - besteht die Weisung, dass die Auszubildenden keine privaten Handys mitführen, so Pressesprecher Hilmar Heppt. Die Polizeischülerinnen und Schüler sind in 26 Teams von fünf bis acht Personen aufgeteilt. An den drei Tagen der Ausbildung ist das Bargeld auf 5,95 Euro pro Tag und Person limitiert. Die Verpflegung ist eigenverantwortlich.

Im Freien übernachten

Übernachtet wird prinzipiell im Freien, Zelte gibt es nicht. Während der drei Tage legen die Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter rund 50 Kilometer zu Fuß zurück. Trainiert wird unter anderem das taktische Verhalten beim Aus- und Einsteigen in und aus Bundespolizeihubschraubern. 20 Dienstfahrzeuge und zwei Hubschrauber sind bis Donnerstag in der Region unterwegs.