Über eine nagelneue Drohne mit Wärmebildkamera und Vollausstattung im Wert von rund 6000 Euro verfügt jetzt die Freiwillige Feuerwehr Münnerstadt. Das Gerät kann unter anderem bei der Suche nach vermissten Personen oder beim Aufspüren von Glutnestern eingesetzt werden. Gesponsert hat das High-Tech-Gerät die Firma BSH GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Bad Königshofen, dessen Geschäftsführer Christian Grünberg in Münnerstadt lebt und selbst förderndes Mitglied bei der FFW Münnerstadt ist. Elf Piloten der Wehr haben inzwischen den Kompetenznachweis und den Drohnenführerschein beim Luftfahrt Bundesamt abgelegt. Die Drohne rückt ab sofort bei Einsätzen mit aus, kann für die Erkundung, zur Deichkontrolle bei Hochwasserlagen, bei Verkehrsunfällen als Amtshilfe der Polizei, bei der Suche nach verletzten Personen in schwierigen Gelände (Fahrradsturz) oder bei der Suche nach Vermissten eingesetzt werden.

Untergebracht in der historischen Zehntscheune und ausgestattet mit einem fast ebenso historischen Fuhrpark freuen sich die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Münnerstadt auf das dringend notwendige Feuerwehrgerätehaus und die modernen Fahrzeuge, die dort untergebracht werden. Einen kleinen Vorgeschmack auf Hochtechnologie bekommen die Wehrleute mit der neuen Drohne, die Christian Grünberg jetzt im Beisein von Bürgermeister Michael Kastl an Kommandant Robert Müller und seinen Stellvertreter Guido Denner übergeben hat.

Die erste Drohne der Wehr

Robert Müller hatte sich 2019 privat eine Drohne gekauft und zusammen mit seinen Wehrleuten erste Flugversuche unternommen. Ein Jahr später übergab er sie dem Feuerwehrverein und meldete sie für den Einsatz an. "Die Stadt hat die Versicherung übernommen", sagt Robert Müller. Sie war beispielsweise beim Brand im Tierheim Wannigsmühle und bei einem Scheunenbrand in Seubrigshausen im Einsatz. Zwar verfügte sie schon über eine hochauflösende Kamera, nicht aber über eine Wärmebildkamera, die beispielsweise bei der Suche nach Vermissten unbezahlbare Dienste leisten kann.

Neu statt gebraucht

Durch private Kontakte zu Christian Grünberg kam Robert Müller auf eine Idee. Er wusste, dass die Firma BSH GmbH & Co. KG, die Photovoltaikanlagen einschließlich Speicher baut, Drohnen zum Überfliegen ihrer Anlagen benutzt. Also fragte er den Geschäftsführer, ob der Verein möglicherweise eine gebrauchte Drohne günstig erwerben könnte. "Wir sponsern eine neue", bekam er nach kurzer Zeit zur Antwort. "Es ist ein Top-Gerät, mehr geht nicht", ist Robert Müller begeistert. "Wir wissen gar nicht, wie wir uns bedanken sollen." Christian Grünberg erklärt, dass er das sehr gerne gemacht habe.

"Es ist kein Spielzeug, sondern ein Einsatzmittel", betont der Kommandant. Je mehr Drohnen vorhanden seien, je schneller finde man vermisste Personen. Denn schließlich gebe es vier Himmelsrichtungen. Die Drohne wird fest im Auto verbaut und rückt immer mit aus. Zwar gebe es noch keine Regelalarmierung durch die Leitstelle, aber das werde sich sicher in nächster Zeit ändern. Neue Technik erleichtere den Einsatzdienst. Früher habe es beispielsweise eine einzige Wärmekamera im ganzen Landkreis gegeben, heute sei sie Standard auf jedem Fahrzeug. Bei den Drohnen werde es eine ähnliche Entwicklung geben.

Kooperation der Wehren

"Aktuell ist eine Kooperation mit den Feuerwehren Bad Kissingen und Nüdlingen in Planung", sagt Robert Müller. Erste Gespräche seien gelaufen und Konzepte erarbeitet. Außerdem habe die Wehr bereits sehr erfolgreich mit der Bergwacht kooperiert, die Drohnen schon seit geraumer Zeit einsetzt. Die Firma BSH GmbH & Co. KG habe etwa 15 bis 18 Drohnen im Einsatz, sagt Christian Grünberg dazu. Die Mitarbeiter verfügen über den aktuellen Drohnenführerschein nach EU-Norm.

Die Aufgaben der Feuerwehr verändert sich, meint Kommandant Robert Müller. Durch Rauchmelder und Sicherheitstechnik gebe es heute weit weniger Großbrände und schwere Verkehrsunfälle als früher. Eine High-Tech-Drohne beispielsweise könne junge Leute motivieren. Das sei etwas anderes als Schlauch ausrollen oder eine Ölspur kehren. Wichtig sei, dass eine Mannschaft da ist, die den Kompetenznachweis und die notwendigen Schulungen hat.

"Unser Ziel ist es, die Feuerwehren so auszustatten, dass sie für Großschadenslagen gerüstet sind", sagt Bürgermeister Michael Kastl dazu und verweist auf den Kauf einer Drehleiter für die Münnerstädter Wehr. Die sei zwar gebraucht, habe aber mit 50 000 Euro einen stolzen Preis. Keinesfalls dürfe man die Technik der Wehr als Spielzeug sehen. Er dankte im Namen der Stadt Christian Grünberg und der Firma BSH GmbH & Co. KG für die Drohne, die sich die Stadt nicht leisten könne. Schließlich gebe es elf Wehren in der Stadt, auch wenn in zwei Ortsteilen inzwischen Löschgruppen entstanden sind. Und in Münnerstadt stehe ja der Bau des neuen Gerätehauses mit dem Kauf von neuen Fahrzeugen an. "Das ist eine ganz tolle Unterstützung." Und die Firma BSH GmbH & Co. KG mit ihren Photovoltaikanlagen und Energiespeichern passe sehr gut zur Stadt Münnerstadt.

Er sei tief mit Münnerstadt verwurzelt, sagte Christian Grünberg. Er würde sich auch gerne in einem Verein engagieren, aber dafür reiche seine Zeit nicht aus. Aber er sei förderndes Mitglied bei der Feuerwehr. "Als mich Robert angerufen hat, war es für mich selbstverständlich zu helfen." Er verwies auf einen Einsatz einer Drohne, als sich Menschen im Wald verlaufen hatten. "Wer weiß, ob sie einem nicht selbst einmal helfen kann."

Drohne kehrt automatisch zurück

Die Zeit der Menschenketten bei der Suche nach Vermissten sei vorüber, bestätigt Robert Müller. Beim Einsatz einer Drohne würden auch keine Spuren verwischt. Dass die neue Drohne bei einem Einsatz verloren geht, ist unwahrscheinlich. Verliert sie den Funkkontakt oder geht der Akku zur Neige, kehrt sie von ganz allein zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Die Wehr hat sich schon eine Plane als Start- und Landepunkt beschafft.