Manche Dinge wiederholen sich. Erst vor wenigen Monaten ist das neue Berufsbildungszentrum (BBZ) auf dem früheren Augustinergelände an der Entlastungsstraße in Münnerstadt eröffnet worden. 25 Jahre zuvor hat es einen ähnlichen Vorgang in unmittelbarer Nähe gegeben. Damals liefen die ersten Arbeiten für das neue Seniorenzentrum St. Elisabeth. Ähnlich wie beim BBZ hatte sich der Landkreis für einen Neubau entschieden, weil eine Sanierung des alten Kreiseigenheimes sehr aufwendig und teuer gewesen wäre. Auch das Seniorenzentrum entstand auf früherem Augustinergelände, nämlich der alten Klostergärtnerei.

Nachdem die Wahl auf den Neubau gefallen und das Grundstück im Eigentum des Landkreises war, fällte ein Preisgericht die Entscheidung über die eingereichten Pläne. Als Sieger ging das heimische Architekturbüro Blümlein und Huttner hervor. Ihr Konzept hatte die Jury überzeugt. Der damalige Kreisbaumeister Günter Stammwitz zeigte die Vorzüge auf: Der Baukörper passe sich dem Umfeld gut an. Er weise gut überschaubare Freibereiche und ein übersichtliches Erschließungssystem auf. Ein weiterer Vorteil sei die lebendige Gliederung.

Der damalige Landrat Herbert Neder (CSU) vollzog am 11. Dezember 1995 den ersten Spatenstich. Es war sein 65. Geburtstag, an dem dieser lang gehegte Wunsch in Erfüllung ging. Sofort begannen die Arbeiten und zwei Monate später waren bereits 2000 Kubikmeter Erde bewegt worden. Die Mitglieder des Krankenhaus- und Stiftungsausschusses des Kreistags vergaben Ende Februar 1996 Aufträge in Höhe von rund elf Millionen Mark an Unternehmen, die fast ausschließlich aus dem Landkreis und der unmittelbaren Umgebung stammten. Damals kam auch ein aufgetretenes Problem zur Sprache. Die vorhandenen Abwasserkanäle reichten für das Seniorenzentrum nicht aus.

Während der Bau immer mehr Fortschritte machte, war das bei den Kanälen nicht der Fall. 86 000 DM sollte der Austausch der betroffenen Kanäle kosten, Stadt und Landkreis waren sich allerdings uneins darüber, wer das bezahlen soll. Später fanden sie aber einen Konsens.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Spatenstich stand das Richtfest an. 15,2 Millionen Mark wurden damals als Gesamtkosten des Neubaus genannt, rund 4,5 Millionen Mark davon trug der Landkreis. Auch die Stadt Münnerstadt musste noch einmal Geld in die Hand nehmen, denn die vorhandene Wasserleitung in der Seminarstraße reichte nicht aus, um das Seniorenzentrum mit zu versorgen. Also musste eine neue gebaut werden, deren Kosten auf 166 000 Mark beziffert wurden.

Die Einweihung des Modell- und Pilotprojekts "Seniorenzentrum St. Elisabeth" am 15. November 1997 war dann ein besonderes Ereignis, bei dem Sozialministerin Barbara Stamm die Festrede hielt. 70 Pflegebetten im stationären Bereich, Tagespflege, Caritas-Sozialstation und von einem gewerblichen Bauträger errichtete betreute Wohnungen - alles wurde im Seniorenzentrum vereint. Der Umzug gestaltete sich recht unkompliziert, die Heimbewohner mussten ja lediglich von einer Straßenseite auf die andere ziehen. Für Heimleiterin Monika Müller und ihr Team war das allerdings keine leichte Zeit. Schnell sorgten sie dafür, dass sich die Senioren im neuen Gebäude zu Hause fühlen.

Manche Dinge scheinen sich tatsächlich zu wiederholen. Ins alte, dann leer stehenden Kreisaltenheim zogen nämlich kurz danach vorübergehend 63 Senioren des Maria-Probst-Altenheims Hammelburg ein. Das Gebäude in Hammelburg musste saniert werden. Auch das alte BBZ wird nach dem Auszug der Schüler wieder mit Leben erfüllt. Im September zieht dort zumindest vorübergehend die Montessorischule Rhön-Saale ein.

Das Kreisaltenheim ist später vom Bundesverband Deutscher Bestatter gekauft worden. Ein kleiner Teil wurde saniert, der größte abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt, dem Bundesausbildungszentrum der Bestatter. Das alte BBZ gehört inzwischen der Stadt Münnerstadt, was daraus wird, muss noch entschieden werden.