Wenn in den nächsten Wochen in den Kirchen, den Banken oder der FrankenTherme ein Koffer steht, dann wird und soll dieser Aufmerksamkeit erregen. Die Idee dazu hatte der evangelische Pfarrer Lutz Mertten. In dem Koffer befinden sich verschiedene Gegenstände aus dem jüdischen Leben: Bilder und Texte der prachtvollen Synagoge, die einmal in der Bamberger Straße stand, und vieles mehr. Wichtig ist es Pfarrer Mertten, dass diejenigen, die noch etwas aus der jüdischen Geschichte von Königshofen wissen, es aufschreiben und dazulegen. Deshalb liegt ein entsprechendes Notizbuch dabei.

Der Koffer steht jeweils eine Woche in der evangelischen, der katholische Kirche, in der Sparkasse, der Raiffeisen- und Volksbank sowie in der FrankenTherme.


Biografien jüdischer Menschen

In dem Koffer findet man Biografien jüdischer Menschen aus Königshofen, erarbeitet von Schülern des Gymnasiums Bad Königshofen und ihrem Lehrer Rainer Seelmann, und auch Gegenstände aus dem religiösen Leben einer jüdischen Familie. Dazu gehören ein Gebetbuch (Siddur), eine Thorarolle (Nachbildung), ein siebenarmiger Leuchter (Menora), eine Kräuterdose für den Schabbat (Havdala-Dose), ein Widderhorn (Schofar), eine Kapsel, in der das Glaubensbekenntnis an den Türpfosten des Hauses befestigt wird (Mesusah) sowie ein Gebetsschal (Tallith).

Es ist aber auch die traditionelle Kopfbedeckung jüdischer Männer (Kippa), der Talmud (Übersetzung von Talmudabschnitten ins Deutsche) und natürlich eine Erklärung all dieser Gegenstände zu entdecken.


Texte und Bilder zur Geschichte der Synagoge

Hinzu kommen Texte und Bilder zur Geschichte der Synagoge in Bad Königshofen, ein alter Stadtplan, in dem die Gebäude jüdischer Bürger vor der NS-Zeit markiert sind und ein jüdisches Totengebet für die Opfer des Holocaust (El male rachamim). Außerdem die Geschichte von Stanislaus, dem einzigen Juden, der die NS-Zeit in Königshofen überlebt hat. Er war bei der Familie Haßmüller in der Schlundstraße in Königshofen als Schneidergeselle. Wenn der Koffer nun am 1. Fastensonntag durch die Stadt "reist", darf ihn jeder aufmachen, reinschauen, sogar darin stöbern.

Pfarrer Lutz Mertten wäre daran gelegen, dass Bürger aus dem Grabfeld, wenn sie noch Erinnerungen an jüdische Mitbürger haben, diese aufschreiben. Natürlich können weitere Gegenstände in den Koffer gelegt werden, die an das Leben jüdischer Mitbürger in Königshofen erinnern. Der Koffer steht vom 18. bis 24. Februar in der evangelischen Kirche, vom 25. Februar bis 3. März in der Sparkasse, vom 4. bis 10. März in der Volks- und Raiffeisenbank, vom 11. bis 17. März in der FrankenTherme und vom 18. bis 24. März in der katholischen Stadtpfarrkirche.