"Heute haben wir etwas Einzigartiges zu feiern", lautete einer der ersten Sätze von Prior Pater Dr. Gregor Hofmann während des Gottesdienstes in der Klosterkirche. Der Augustiner-Pater startete gemeinsam mit rund 100 Gästen in den Tag der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 15-jährigen Bestehen des Münnerstädter Hauses St. Michael.

2002 entschieden sich die Brüder des Münnerstädter Augustiner-Konvents aufgrund mangelnden Zuwachses für das naheliegende Pflegeheim Juliusspital als Partner und gaben damit den Anstoß für eine bundesweit bisher einzigartige Wohngemeinschaft: Ein Haus, in dem Geistliche und weltliche Senioren zusammenleben. Das Betreute Wohnen im Haus St. Michael war geboren.


Großes Geschenk

"Anfang 2015 trennten wir uns von quasi unserem gesamten Besitz, übergaben diesem der Hammelburger Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung, der Trägerstiftung der Pflegeheime Juliusspital und St. Elisabeth. Darunter befand sich auch das Haus St. Michael. Das Zusammenleben im Haus St. Michael erweist sich bis heute als ein großes Geschenk", resümierte der Prior.

Auch die Gedanken von Marco Schäfer drehen sich um die Menschen und das Älterwerden. "Ich halte das Betreute Wohnen als eine zukunftsweisende Lebensform im Alter. Daher starten wir im April mit den Arbeiten zu unserem Erweiterungsbau", berichtet der engagierte Vorstand der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung.

"Die Familien- & Sozialstrukturen haben sich verändert. Diese Auswirkungen spüren sicherlich auch vermehrt die Kirche und deren Kloster. Umso deutlicher ist die Idee des Betreuten Wohnens hervorzuheben: Es ist eine Perle - dieses Haus St. Michael", stellte der Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (CSU) voller Stolz fest. Er zeigte damit, dass sich auch seine Gedanken dem Thema "Familie und dem menschlichen Altern" widmen.


Führung durchs Büchermeer

Münnerstadts Zweiter Bürgermeister Michael Kastl (CSU) unterstützte das Feld der Festredner aus kommunalpolitischer Sicht. "Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich mir die Frage zum Umgang mit den Senioren in der Stadt dank der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung nicht mehr stellen muss". Ein Höhepunkt der Veranstaltung waren die Führungen durch die, lediglich an diesem Tage geöffnete, Klosterbibliothek. Carolin Oser-Grote, Philologin bei den Augustinern in Würzburg, führte durch das beeindruckende Büchermeer von 70.000 Exemplaren. Die Bibliothek überstand die Säkularisation als eine der wenigen deutschen Bibliotheken dieser Qualität und Quantität, vollkommen unbeschadet.

Klangvolle Umrahmung boten Barbara Moritz und Matthias Klink von der Musikschule Moritz & Klink aus Münnerstadt. Bei Hausführungen konnten sich die Interessierten von der Besonderheit der Einrichtung überzeugen. Der "Julius Ambulante Pflegedienst" lud Besucher zu einem kostenlosen Gesundheitscheck inklusive der Messung von Blutdruck, Blutzucker und Sauerstoffsättigung ein.

Wie auch seinen Beginn fand der strahlend sonnige Jubiläumstag seinen Abschluss in der Klosterkirche. Die Stadtkapelle Münnerstadt bot dort im Rahmen ihres 125-jährigen Bestehens in Gemeinschaft mit dem Gospelchor "Light in the Dark" aus Bad Neustadt unter dem Motto "Gospel meets Blasmusik" ein klangvolles Finale.