Mit Ludwig Schmitt ist am Samstag nach Willi Kehl und Altbürgermeister Felix Braun der letzte Ehrenbürger der Gemeinde Thundorf gestorben. Bei der Verleihung des Ehrenbürgerechts am 4. Juli 2001 hatte der damalige Bürgermeister Felix Braun in seiner Laudatio gesagt: "Ich stelle fest, wer von Theinfeld redet, kommt am Defelder Schmied nicht vorbei."

Schmitt wurde am 27. August 1924 in Theinfeld geboren. Nach der Schulzeit musste er in sehr jungen Jahren noch die Schrecken des Zweiten Weltkrieges als Soldat miterleben. Er wurde als Hufbeschlagsschmied an der Front eingesetzt, beim Rückzug verwundet und schließlich aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen.

Die stark von der Landwirtschaft geprägten Dörfer in den Nachkriegsjahren bewogen Schmitt das Schmiedehandwerk zu erlernen. Schon 1950, als 26-Jähriger, machte er sich selbstständig. Er verkaufte den Landwirten Schlepper und Landmaschinen und baute sich nach der Flurbereinigung in seinem Heimatort direkt an der KG 11 einen völlig neuen Betrieb, den heute sein Sohn Werner und Enkel Stefan erfolgreich leiten.

Die Liste seiner Ehrenämter sprengt den Rahmen, aber einige sollten doch erwähnt werden. Schmitt war 18 Jahre im Gemeinderat - von 1978 bis 1996, davon zwei Perioden Dritter Bürgermeister der Gemeinde Thundorf. Dem Kreistag gehörte Schmitt sogar 24 Jahre von 1972 bis 1996 an.

Der "Schmied" war immer stolz darauf, ein Schwarzer zu sein. So war er auch 21 Jahre Vorsitzender des CSU Ortsverbandes Thundorf und brachte es fertig, Franz Joseph Strauß 1973 nach Thundorf zu holen.

Schmitt war 16 Jahre im Musterungsausschuss, sechs Jahre als Schöffe am Amtsgericht und 15 Jahre stellvertretender Kreisvorsitzender der Kreishandwerker. Für die Metallbau- und Schmiedeinnung war er ein Vierteljahrhundert lang Innungsobermeister. Mit sein größtes Werk war die Gründung der weit über Theinfeld hinaus bekannten Trachtenkapelle, die er aufbaute, förderte und von 1968 bis 1998 als Vorsitzender erfolgreich führte.


Viele Auszeichnungen

Im kirchlichen Bereich war der "Defelder Schmied" 20 Jahre als Pfarrgemeinderat in seiner Heimatpfarrei tätig. Als Auszeichnung für sein Engagement erhielt Schmitt 1985 das Bundesverdienstkreuz, 1986 den Kulturehrenbrief des Landkreises Bad Kissingen und das goldene Kammersiegel der Kreishandwerkerschaft, die ihn auch zum Innungsobermeister ernannte. 1996 erhielt das Theinfelder Original das Landkreisehrenzeichen in Gold.

Schwer traf Schmitt der allzu frühe Tod seiner Ehefrau Martha. Sie starb im Alter von 61 Jahren am 5. Juni 1991.
Um den allseits geschätzten Mitbürger trauern nicht nur die vier Söhne mit ihren Familien, sondern der ganze Ort Theinfeld und darüber hinaus eine große Anzahl von Freunden und Weggefährten. Der Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung findet am Mittwoch, 27. Juli, um 14.30 Uhr in der Kirche von Theinfeld statt.