In diesen Tagen hat Martin Halbig, der Juniorchef der Firma Agrarhandel Halbig Jörgenmühle, das neu errichtete Getreidesilo zum ersten Mal gefüllt. Die zwölf Zellen des Speichers haben ein Fassungsvermögen von 800 Tonnen. "Das sind pro Zelle rund neun mit Erntegut voll beladene Acht-Tonner Anhänger", sagt Halbig. Er freut sich, dass er ab jetzt nicht mehr so häufig frisch eingelagertes Getreide in Mühlen (Weizen), Mälzereien (Braugerste) und Ölmühlen (Raps) auslagern muss, um wieder freien Speicherraum für eingehendes Getreide zu bekommen. Manche Landwirte halten heuer teilweise eine Menge Erntegut zurück, um eine eventuelle Preissteigerung auf dem derzeitigen Getreidepreis-Markt abzuwarten. Da sei ein erweiterter Speicherraum sinnvoll, meint der Juniorchef.

Rapsernte zufriedenstellend

Edith Halbig, Chefin des Labors, untersucht das angelieferte Getreide und weiß laut Auskunft der Anlieferer über Mengen und Qualität des Erntegutes in der näheren Region Bescheid. Während die Rapsernte zufriedenstellend ausgefallen sei, sei die Menge des geernteten Weizens im allgemeinen gut, während die Qualität weniger gut sei. Die Braugerste sei qualitativ gut.
Die Mehrzahl der Bauern sei auch mit der Dinkel-Menge zufrieden, während die Güte des gesunden Urkorns erst beim Dinkel-Vermarkter (Großhändler, Groß-Mühlen) untersucht werde, so Edith Halbig. Bislang könne sie aber feststellen, dass immer mehr Dinkel angebaut wird: "Die Menschen sind gesundheitsbewusster geworden." Das könne man auch in den Brotregalen der Bäckereien beobachten, die neben Dinkelbrot regelmäßig auch Dinkelbrötchen anbieten, während in Supermärkten vermehrt Dinkelmehl angeboten wird, so die Laborleiterin. "Der Dinkelanbau hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und im kommenden Jahr wird, glaubt man den Aussagen der Landwirte und der Saatgut-Industrie, wohl noch mehr Dinkelanbau betrieben", so Rudi Halbig, der Chef des Unternehmens. Das Ur-Korn Dinkel, ein naher Verwandter des Weizens, werde bei Verbrauchern immer beliebter und steigere folglich natürlich auch den Anbau durch die Erzeuger.
Während die beiden Landwirte aus Poppenlauer, Harald Günzel und Hartmut Dozel auf der Bank im Hof der Jörgenmühle auf die Abfertigung ihres Erntegutes durch Edith Halbig im Labor warten, sprechen sie bei einem Gespräch mit unserer Zeitung über die bisher bekannte Erntebilanz und die schwachen Preise, über die Trockenheit im Frühjahr und im Juni, die Regengüsse während der vergangenen Wochen, die das Getreide so unterschiedlich haben reifen lassen, so dass auch jetzt noch, in den ersten Augusttagen, so mancher Weizen-, Dinkel- und sogar noch Raps-Acker in unreifem Zustand in der Flur steht.
Beruhigt stellen sie fest, dass sie beide mit der Qualität und der Menge ihrer verschiedenen Getreidearten recht zufrieden sein können. Beide haben auch schon "ogschniede" (abgeschnitten), was bedeutet, dass auf ihren Feldern kein Halm mehr steht. Sie könnten jetzt aber dennoch nicht die Hände in den Schoß legen, meinte Harald Günzel. Denn jetzt gelte es, die Stoppeln umzubrechen, solange es das trockene Wetter zulasse. Bei einem Gespräch im Labor der Jörgenmühle mit Edith Halbig machten beide ihrem Unmut über den allgemeinen Preisverfall des Getreides Luft. Sie hoffen, dass sich der Getreidemarkt bald zugunsten der Landwirte erholen wird.