Um den Städten und Gemeinden die Gebietsreform ein wenig zu versüßen, hat sich die Staatsregierung vor 50 Jahren einiges einfallen lassen. So war die erhöhte Schlüsselzuweisung ausschließlich für Investitionen in den Orten vorgesehen, die eingegliedert wurden. Die damals längst nicht so mobilen Bürger sollten keine Einschränkungen haben. So wurden in den Münnerstädter Stadtteilen, die ja mit ihrer Eigenständigkeit auch ihre Rathäuser verloren, Verwaltungsstellen eingerichtet. Dort konnten die Einwohner Formalitäten weiter erledigen, wobei einige Angelegenheiten einfach an das Münnerstädter Rathaus weitergeleitet wurden.

Bürgermeister Alfred Müller verfasste dazu ein Schreiben an die Verwaltungsstellen, in dem alles detailliert aufgelistet wurde. So blieb es dann über Jahre, wobei einige Verwaltungsstellen geschlossen wurden. Im Sommerr 1996, also vor 25 Jahren, gab es davon noch vier und zwar in Burghausen, Großwenkheim, Seubrigshausen und Windheim. Im Juni 1996 landete das Thema auf der Tagesordnung des Stadtrats. Mit zehn zu neun Stimmen beschloss das Gremium damals, auch die vier verbliebenen Verwaltungsstellen zum 31. Dezember 1996 zu schließen und den Mitarbeitern zu kündigen. Nur einen Monat zuvor war die Verwaltungsstelle in Reichenbach geschlossen worden, weil deren Leiter, Albert Back, in den Ruhestand ging.

Ein Antrag von Anton Goss, die Verwaltung in Burghausen zu schließen, war Auslöser gewesen. Man sollte sollte dann überlegen, ob es sinnvoll sei, die anderen noch weiterzuführen, sagte Bürgermeister Eugen Albert dazu, der damals gerade neu ins Amt gewählt worden war. Vor allem die Großwenkheimer Stadträte wollten die Verwaltungsstelle in ihrem Ort und und in Seubrigshausen unbedingt erhalten. Doch die Münnerstädter Verwaltung legte Zahlen vor, die den Nutzen der Einrichtungen sehr fraglich erschienen ließen.

In Seubrigshausen sei in den vergangenen zwei Jahren kein einziger Fall mehr bekannt geworden, in dem Formalitäten von der Verwaltungsstelle an das Rathaus weitergeleitet wurden, hieß es damals aus der Stadtverwaltung. Und in Großwenkheim hatte sich eingebürgert, dass die Einwohner ihre Anträge einer Großwenkheimerin mitgaben, die im Münnerstädter Einwohnermeldeamt arbeitete. Auch die Verwaltungsstellen in Windheim und Burghausen wurden wenig genutzt. Das führte man damals hauptsächlich auf die zunehmende Mobilität der Bürger zurück. Auch der Datenschutz gewann immer mehr an Gewicht.

Und die Außenstellen kosteten Geld. Monatliche zahlte die Stadt 793, 31 Mark (405,61 Euro) an die Leiter der Verwaltungsstellen. Das war ein Argument für die Befürworter der Schließung, zu denen unter anderem Hartmut Hessel und Bürgermeister Eugen Albert zählten. Karl Scharf schlug damals vor, dass sich die Großwenkheimer Stadträte diese Aufgabe teilen könnten.

Alfred Beckenbauer zählte zu den Verteidigern der Verwaltungsstellen. Zumindest in Großwenkheim und Seubrigshausen sollten sie bleiben und einmal in der Woche öffnen. Rückendeckung bekam er von Norbert Reiter, der an der Kostenersparnis zweifelte, weil dann die Ortssprecher die Aufgaben übernehmen und 75 Mark bekommen. Eugen Schmitt schlug sogar vor, die Verwaltungsstelle einmal wöchentlich mit der Verwaltungsangestellten aus dem Ort zu besetzen.

Am Ende half alles nichts. Ende 1996 schlossen diem letzten Verwaltungsstellen in den Stadtteilen. Deren Aufgaben übernahmen die Ortssprecher.