Stefan Sluzar ist sprachlos. Der Leiter des Bauhofs vermutet fast, dass Unbekannte wieder Unkraut-Samen gestreut haben, wahrscheinlicher ist, dass die Pflanzen einfach nachgewachsen sind. Aber das spielt jetzt gar keine Rolle. Fest steht, dass die beiden Gärtner des Bauhofs, Oliver Büttner und Anatolij Syrovatski, einfach keine Chance mehr haben. "Wir dürfen kein Gift mehr spritzen, und bei der Nässe wächst das Unkraut richtig gut", sagt Stefan Sluzar. Er würde am liebsten die Grünanlagen in Steingärten verwandeln, wie es am Oberen Tor schon geschehen ist. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) sieht - noch - andere Möglichkeiten.

33 Anlagen am Schindberg

Oliver Büttner versucht sie zu zählen. "33 Grünanlagen sind es allein am Schindberg", sagt er. Immerhin: Für eine haben Anwohner eine Patenschaft übernommen. In der Kernstadt samt der Wohngebiete dürften es etwa 100 Grünanlagen sein, die gepflegt werden müssen. Patenschaften, die Vereine in den letzten Jahren übernommen hatten, bestehen zum großen Teil nicht mehr. Es gibt unterschiedliche Auffassungen, warum das so ist, aber auch das spielt für das eigentliche Problem eine untergeordnete Rolle: Die Gärtner kommen einfach nicht mehr rum.
Viele Münnerstädter, die privat eine Patenschaft übernommen haben, sind in ein Alter gekommen, in dem sie das nicht mehr bewältigen können. Oliver Büttner schildert einen aktuellen Fall einer Frau im Alter von über 80. "Wir wussten gar nicht, dass das eine städtische Grünanlage ist." Wie dem auch sei: Ab sofort dürfen er und sein Kollege sich auch noch darum kümmern.

Lob für die Mitarbeiter

"Grünanlagen bereichern das Stadtbild", sagt Bürgermeister Helmut Blank (CSU). "Aber wenn sie nicht richtig gepflegt werden können, machen sie keinen Sinn." Ausdrücklich hebt er die gute Arbeit der beiden Gärtner hervor, er weiß aber auch, dass sie das immer größer werdende Pensum nicht bewältigen können. Helmut Blank versucht das Problem höflich auszudrücken. Es gebe eben immer mehr Bürger, die sehr kritisch seien, ohne sich aber selbst unbedingt einbringen zu wollen. Aber er setzt auf die Münnerstädter und bittet alle, die eine Patenschaft über eine Grünfläche übernehmen wollen, sich beim Bürgerservice zu melden.
Unabhängig davon hat er sich auch schon Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. "Wir sollten im nächsten Jahr einen Landschaftsgärtner zusätzlich einstellen", meint er. Dieser könnte dann auch unterstützend auf dem Friedhof mitwirken. Außerdem könnte eine Grünpflege-Truppe auf 400-Euro-Basis entstehen, die sich um die Anlagen kümmert. Noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, sollte aber wirklich keine andere Möglichkeit bleiben, sieht auch er die Steingarten-Lösung als geeignet an.