Während in der Kernstadt aufwendig nach einem neuen Baugebiet gesucht wird, gibt es in Burghausen ein genehmigtes, dass nur erschlossen werden muss. Seit Jahren warten Bauwillige auf den Start. Wie sich bei der jetzt beauftragten Erschließungsplanung herausgestellt hat, ist die Umsetzung in der ursprünglich vorgesehenen Form absolut nicht möglich. Bei einer abgespeckten Variante mit einseitiger Bebauung steigen die Grundstückspreise und selbst eine Minimalvariante mit vier Bauplätzen dürfte schwierig und teuer werden. Für diese beiden Varianten wird nun eine Kostenschätzung erstellt. "Das Baugebiet jetzt einfach sterben zu lassen, ist auch nicht der richtige Weg", sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) bei der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses. Sollte es aber nicht umsetzbar sein, wird es auch aus der Planung herausgenommen, machte er unmissverständlich klar.

Bäume gefällt

"Seit Jahren wird die Erschließung in Aussicht gestellt, die Leute warten drauf, aber ich mutmaße, dass es nicht einfach ist", führte Michael Kastl in das Thema ein. Es sei alles ein bisschen stockend gelaufen. Anfang 2020 sind die Bäume gefällt worden, damit das Areal vermessen werden kann. Der neue Stadtrat hatte nun die Erschließungsplanung vergeben.

Matthias Kirchner vom Planungsbüro Bautechnik Kirchner (Oerlenbach) nahm schon vorweg, dass es "sehr, sehr große Probleme" gibt. Zur Ausgangslage: "Wir haben einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan." Jetzt gehe es in die Erschließungsplanung, dann folge die Umsetzung.

"Eigentlich unbebaubar"

Oder auch nicht. Denn was Matthias Kirchner dann aufzeigte, dürfte potenziellen Häuslebauern erhebliche Sorgen bereiten. Keller, die auf der abschüssigen Seite 2,50 Meter in der Luft hängen würden, also dementsprechen unterfüttert werden müssten; Terrassen, von denen es fünf, sechs Meter in die Tiefe geht: "Es ist eigentlich unbebaubar", sagte Matthias Kirchner.

Trotzdem haben er und seine Mitarbeiter nach Lösungen gesucht. Eine beidseitige Bebauung an der Erschließungsstraße ist aber nicht möglich. "Wir brauchen die Bauplätze als Böschung." Also verringert sich deren Zahl auf neun. Die Straße weist Steigungen von 19 bis zu 22 Prozent auf. Die Bauwilligen brauchen einen guten Planer, meinte Matthias Kirchner. "Es ist mit Sicherheit ein wunderschönes Baugebiet." Aber eben kein leichtes.

Entscheidung treffen

Diese Schwierigkeiten dürften auch der Grund sein, dass sich die Erschließung so herausgezögert hat, sagte der Bürgermeister dazu. Aber: "So etwas vor sich herzuschieben, macht keinen Sinn. Wir müssen eine Entscheidung treffen", betonte der Bürgermeister. Man sollte es angehen. Von den neun verbliebenen Bauplätzen seien allerdings nur sechs in städtischer Hand.

"Der Berg ist doch nicht neu, das wurde doch schon vor 20 Jahren geplant", meldete sich Ortssprecher Mario Schmitt zu Wort. Ein Haus zu bauen sei ja schön, aber das ganze müsse auch noch bezahlbar sein. "Wir müssen der Realität ins Auge schauen", sagte der Bürgermeister dazu. Die ganzen Jahre habe es immer geheißen: "Wir machen das." Die Leute seien von Jahr zu Jahr vertröstet worden.

"Das hört sich teuer an", sagte 3. Bürgermeister Axel Knauff (SPD) zu der Erschließungsplanung. Es seien relativ viele Verkehrsflächen für relativ wenige Bauplätze, bestätigte Matthias Kirchner. Vor 20 Jahren sei ein Fehler gemacht worden, das Baugebiet in dieser Größe auszuweisen, meinte Rosina Eckert (Forum Aktiv). "Ich halte es für Irrsinn, damit weiter fortfahren zu wollen."

Nicht um jeden Preis

"Wir haben Bauwillige, die möchten bauen, aber bestimmt nicht um jeden Preis", sagte Arno Schlembach (CSU) dazu. Deshalb bräuchte man Zahlen. 2. Bürgermeister Andreas Trägner meinte, man könnte ja auch nur die untersten vier Bauplätze erschließen. Fabian Nöth (Neue Wege) hätte schon lieber die neun Bauplätze gehabt, weil es keine Alternativen in Burghausen gibt.

Man sollte die Bürger befragen, fand Mario Schmitt. Der Bauplatz der Bauwilligsten sei ohnehin schon nicht mehr vorhanden. Seit Jahren heiße es nun, dass erschlossen wird, sagte Michael Kastl. "Man hätte es den Burghäusern sagen müssen." Ihm ist es nun wichtig, dass dass Ganze transparent aufgearbeitet wird. Bei der Diskussion wurden Grundstückspreise von bis zu 100 Euro pro Quadratmeter nicht ausgeschlossen. Hinzu kämen noch die erhöhten Baukosten wegen der extremen Hanglage.

Andreas Trägner schlug schließlich vor, dass Matthias Kirchner eine Kostenschätzung für die beiden Varianten mit vier und mit neun Bauplätzen erstellen könnte. So wurde es bei einer Gegenstimme dann auch beschlossen.