Einen äußerst unterhaltsamen Nachmittag erlebten die zahlreichen Gäste beim jüngsten Erzählcafé im Haus St. Michael. Pater Dr. Gregor Hohmann, der vor vielen Jahren die Münnerstädter Klosterschule besucht hatte, später Leiter des Studienseminars war und jetzt als Prior des Konvents St. Michael zurückgekehrt ist, hatte seinen Vortrag zwar unter den Titel "Münnerstadt - mein Schicksal" und den Untertitel "Mein Leben für die Kirche des Ostens" gestellt, er hätte den Nachmittag aber genauso gut unter die Überschrift "Die Provinziale und ich", oder "Wie ich zu meinem Doktortitel kam" stellen können. So viele Facetten seines ereignisreichen Lebens als Augustiner zeigte der Vortrag auf. Und er war gespickt mit jeder Menge Humor.


Nicht alle aus Franken

"Das geht ja noch", meinte Pater Gregor auf einen Einwand einer Zuhörerin, dass sie aus Köln komme, also nicht alle Zuhörer Franken seien, wie der Augustiner vermutet hatte. Denn Franken, so meinte er, würden ihn nicht als "Saupreiß" bezeichnen, wie das die Bayern tun. Und schon war er mittendrin in seiner Geschichte.
Seine Vorfahren stammten allesamt aus einer katholischen Enklave in Ostpreußen, er wurde in Berlin-Reinickendorf geboren, wo die Augustiner für die Seelsorge der Katholiken zuständig waren. "Das waren gute Leute, sie haben eine ganz moderne Seelsorge betrieben." Als er begann, den gleichen Weg einzuschlagen, kam er erstmals mit seinem Schicksal in Berührung: Münnerstadt. Man riet ihm, auf die hiesige Klosterschule zu gehen. Fünf Jahre später hatte er sein Abitur in der Tasche. Vor der Prüfung war er mit den anderen barfuß zur Talkirche gelaufen und nach der Prüfung - aus Dankbarkeit - barfuß zurück.


Ohrfeige angeboten

"Ziemlich hart" sei es in der Klosterschule gewesen, erinnerte er sich. "Würde man die Schüler heute so streng behandeln, würden die Präfekten verklagt werden." Pater Gregor erinnerte sich an eine Situation, in der er mit Pater Ewald, der rund eineinhalb Köpfe kleiner war, Krach hatte. "Willst Du eine Ohrfeige haben?", hatte der Pater gefragt. "Ich habe darauf verzichtet", sagte Pater Gregor jetzt. Aber: "Wenn er mir eine verpasst hätte, dann hätte ich zurückgeschlagen, dann wäre ich kein Augustiner geworden." Er kam zu dem Schluss: "Als Klosterschüler durften wir nichts, als Novizen durften wir mehr, und als Patres durften wir alles."
Dann sprach Peter Gregor seine ersten Berührungen mit der Ostkirche an. Im Priesterseminar waren auch Angehörige der unierten Ostkirchen, die heiraten dürfen, so lange sie nicht Diakon oder Priester sind. "Die durften, und wir durften nicht", erinnerte sich der Pater.


Eine Schande

Seit Jahrhunderten sei die Ostkirche von der Kirche des Westens getrennt. "Das ist im Grunde eine Schande und nicht der Wille Christi." Seit Papst Pius XI. gebe es nun schon seitens der westlichen Kirche Bestrebungen, sich der östlichen zu nähern. "Die Unterschiede sind denkbar gering, es handelt sich um nur wenige Dinge, über die man reden kann." Aus Rom kam die Erlaubnis, dass auch katholische Priester Gottesdienste im byzantinischen Ritus halten dürfen. "Seit 50 Jahren tue ich das auch."


Feuer gefangen

Pater Gregor erinnerte an Pater Alfons mit seinem grauen Bart, der ganz besondere Einkehrtage gehalten hatte und die Gottesdienste im byzantinischen Ritus zelebrierte, damals noch in der Pfarrkirche. Der dafür notwendige Chor wurde aus Schülern gebildet. "Ich durfte auch mitsingen, ganz und gar in Altslawisch." Das war alles andere als leicht. Aber: "Ich habe damals schon Feuer gefangen für die ganze Sache."
Er wurde später dazu bestimmt, in Würzburg die byzantinischen Gottesdienste voranzutreiben. Ein Diakon habe in diesem Ritus die Hauptarbeit, erläuterte er. Im lateinischen Ritus dagegen sei ein Diakon "ein besserer liturgischer Kleiderständer".


Ein "Doktor" wäre schön

"Weil ich eitel bin", habe er sich dann überlegt, dass ein "Doktor" vor dem Namen doch schön wäre. Martin Luther war ein Augustiner, deshalb fand Pater Gregor, das sei geeignetes Thema. Nachdem er die 90 Bände der Luther-Ausgabe durchgeblättert hatte, nahm ihn allerdings Provinzial Willibald im Refektorium beiseite. "Wir haben beschlossen, Du gehst nach Rom. Dorst studierst Du den russischen Ritus." Am Ende der drei Jahre sagte er sich, wenn schon kein Luther-Doktor, dann wenigstens ein Ostkirchendoktor. Aber Provinzial Pater Manfred hatte etwas anderes mit ihm vor. Pater Gregor wurde Direktor eines Kinderinternats. Nebenbei, so meinte der Pater Provinzial, könne er sich ja mit seiner Doktorarbeit befassen. "Leicht gesagt, schwer getan", meinte Pater Gregor. Es funktionierte nicht. Aber die Arbeit machte ihm Spaß.
Dann hatte er fest ausgemacht, in den Kongo zu gehen. Aber inzwischen war Pater Dr. Arno Meyer Provinzial der Augustiner. Und der hatte etwas ganz anderes mit ihm vor, er schickte ihn in die Schweiz. "Damals war es so üblich, dass man gehorcht hat", sagte Pater Gregor. Aber es war auch Pater Arno, der ihn drängte, seine Doktorarbeit voranzutreiben. "Den Brief habe ich noch", sagte Pater Gregor. "Mein Professor in Rom hatte keine Ahnung, dass ich überhaupt noch lebe." Und wie er das tat. "Magna cum laude" lautete die Note. "Ich hätte mir selbst nicht so eine Note gegeben."


Brief aufgehoben

"Auch ich habe einen Brief aufgehoben", sagte später Pater Arno, der unter den Zuhörern saß. Den hatte er von Pater Gregor nach der Verteidigung der Doktorarbeit bekommen. Sein Inhalt: "Arno, ich gratuliere Dir zu meinem Doktor." Pater Arno sei sein eigentlicher Doktorvater gewesen, gestand Pater Gregor.
Nach der Schweiz kam er als Direktor des Studienseminars St. Josef zurück nach Münnerstadt. "Das war eine sehr schöne Zeit." Damals richtete er die erste byzantinische Kapelle ein, ein Chor aus Lehrern und Schülern wurde gegründet, der Johanneschor, den es heute noch gibt. Er erinnerte an die spätere schwere Suche nach einer neuen Bleibe für die Kapelle, dankte in diesem Zusammenhang noch einmal der früheren Museumsleiterin Katja Schenkenberger und Altbürgermeister Eugen Albert für die Unterstützung. Heute befindet sich die Kapelle im Deutschordensschloss.


Weitere Stationen

Nach Münnerstadt ging es nach Maria Eich bei München, was er sehr schätzte, später führte ihn der Weg nach Würzburg. Es war wieder ein neuer Provinzial, Pater Alfons Tony, der ihn jetzt als Prior nach Münnerstadt geschickt hat. "Irgendwann haben wir Gehorsam gelobt", meinte er. Aber: "So schön habe ich noch nie gewohnt", sagte Peter Gregor gegenüber unserer Zeitung. Angesichts der 1500 Bücher, verpackt in 40 Kisten, gelobte er, dass er nie wieder umziehen werde. "Den letzten Umzug müssen andere mit mir machen." Gerne und fachkundig beantwortete er anschließend noch Fragen der Zuhörer.


Fast ein Augustiner

Der Moderator des Erzählcafés, Eugen Albert, fand durchaus Parallelen zwischen Pater Gregor und sich selbst. Münnerstadt sei auch sein Schicksal, allerdings war er nicht aus Berlin, sondern aus Waldfenster in die Stadt gekommen. Die Klosterschule hatte Eugen Albert ebenfalls besucht, beinahe wäre auch er ein Augustiner geworden, aber eben nur beinahe.