Sengende Hitze liegt seit Tagen auch über Münnerstadt. Schon um sechs Uhr morgens klettern die Temperaturen auf 20 Grad. Eine Situation, die nicht nur die Einwohner keuchen lässt, auch der Lauer geht langsam die Luft aus. Durch die Hitze verliere der Fluss eine große Menge Wasser, erklärt Dr. Dagmar Mußhoff vom Wasserwirtschaftsamt in Bad Kissingen.
Doch das ist noch nicht alles. Ein weiteres Problem bereitet ihr Kopfzerbrechen: Das wenige Wasser erwärme sich deutlich schneller, der Sauerstoff in der Lauer gehe verloren, sagt die Expertin. Eine dramatische Entwicklung, denn für fast alle Lebewesen im Fluss ist er überlebenswichtig. "Wir können das nur wenig beeinflussen, es gibt keinen Hahn, den wir aufdrehen können", sagt Dagmar Mußhoff. Sie appelliert an die Bürger, möglichst kein Wasser aus der Lauer zu schöpfen. Außerdem dürfe das Gewässer nicht durch Verunreinigungen zusätzlich belastet werden. "Wir schauen besorgt auf die Situation."


Sehr niedriger Wert

Wie schlimm es um die Lauer steht, weiß auch Thomas Klemm, der stellvertretende Vorsitzende der Münnerstädter Sportfischer. Um den Zustand des Flusses zu überprüfen, muss er schon ein gutes Stück weiter hinabsteigen als üblich. Bis zu 70 Zentimeter ist der Pegel in den vergangenen Wochen gefallen. Der Messstand des Wasserwirtschaftsamtes in Poppenlauer kratzt an den niedrigsten Werten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1969.
"Höhere Temperaturen bedeutet Stress für die Fische", erklärt Klemm. Dadurch erhöht sich aber auch der Sauerstoffverbrauch der Tiere, der aber entweicht zusehends - ein Teufelskreis. Er und sein Team geben jedes Jahr mehrere tausend Euro aus, um neu gezüchtete Fische in die Lauer zu setzen, jetzt kann er nur daneben stehen und hilflos zuschauen. "Das ist natürlich sehr bitter für uns", erklärt er.
Einen Lichtblick in der Münnerstädter Wasserwelt gibt es immerhin: Beim Grundwasser kann Bernhard Pitschka, Geologe beim Wasserwirtschaftsamt, Entwarnung geben - zumindest vorerst. "Eine direkte Einwirkung des heißen Sommers ist nicht zu erkennen", erklärt er. Das Grundwasser werde vorwiegend durch Regen und Schnee in den Wintermonaten gespeist, erläutert Pitschka.
Hitze und trockene Böden können den metertiefen Wasserspeichern zwar wenig anhaben, durch die heißen Sommertage steige der Verbrauch jedoch zusehends, so der Experte. In diesem Jahr wurde Münnerstadt von einer ungünstigen Kombination getroffen. Der trockene Winter und der extrem heiße Sommer sorgen laut Pitschka für einen geringen Pegel. Im Herbst dürften deshalb kleinere Quellen vorübergehend versiegen, auch aus privaten Brunnen wird man kein Wasser mehr schöpfen können, warnt er. Gefährlich könnte es in einigen Jahren werden: "Wenn noch einige solcher schlechten Winter folgen, dann wird es dramatisch - nicht nur für die Gewässer, sondern auch für die Wasserversorgung der Bürger." Über den allgemeinen Hinweis hinaus, möglichst sparsam mit dem Wasser umzugehen, gibt es aber noch keine weiteren Einschränkungen für die Lauerstadt.
Während die Münnerstädter also noch beruhigt den Hahn aufdrehen können, sitzen die Waldbewohner auf dem Trockenen. Feuchtbiotope, kleinere Gewässer und Gräben seien fast alle ausgetrocknet, berichtet Stadtförster Jörg Mäckler. Auch die Lauer als einer der größeren Wasserspeicher im Stadtgebiet nütze dem Wild wenig, da sie durch keinen Wald fließe und deshalb nicht angelaufen werde, so Mäckler.


Letzte Zuflucht

Die großen Teiche an der Wannigsmühle sind für viele Tiere um Münnerstadt die letzte Zuflucht. "Das Wild fährt seine Aktionen herunter und legt sich in den Schatten, um Energie zu sparen", erklärt der Experte. "Frühmorgens und spätabends geht es dann auf die Suche nach Wasser."
Die Hitze macht auch den Bäumen sichtlich zu schaffen. Das Laub verfärbt herbstlich oder wird ganz abgestoßen. Buchen, Eichen und Apfelbäume werfen ihre Früchte ab, weil sie sie nicht mehr mit ausreichend Wasser versorgen können. Die Konsequenz: Im kommenden Jahr werde es deutlich weniger neue Bäume geben, schätzt Förster Mäckler. Er steht der Hitze machtlos gegenüber. "So eine extreme Trockenheit habe ich seit meinem Antritt vor 19 Jahren noch nicht erlebt."
Auf Regen folgt bekanntlich Sonnenschein. In Münnerstadt hofft man inständig, dass dieser Spruch auch andersrum gilt.