Welche Bedeutung der Klimaschutz inzwischen in Münnerstadt hat, zeigte sich auch bei der Stadtratssitzung am Montagabend. Dort nahm das Thema den weitaus breitesten Raum ein. Klimaschutzmanager Stefan Richter referierte über den Sachstand des Klimaschutzes bei der Stadt Münnerstadt. Außerdem bekundeten die Stadträte nun auch offiziell, dass Münnerstadt an einem kommunalen Netzwerk Klimaschutz teilnehmen will.

Zwei ganz wichtige Punkte hat Stefan Richter vom Energiewende Kongress in Berlin mit nach Münnerstadt gebracht. "Die Währung der Energiewende ist die Fläche", sagt er. Und Münnerstadt habe die Fläche, die 10H-Regel bei Windrädern werde fallen. Bisher schränkt diese den Platz ein, wo Windräder stehen können.

Punkt zwei: Es gibt viele Modellkommunen und Pilotprojekte. Aber es konzentriere sich derzeit alles auf die großen Städte. Auf dem Land sei das eher schwierig, weil es da kaum Ansprechpartner gebe. Die Stadt Münnerstadt könne sich da gut aufstellen, und so etwas spreche sich auch rum, ist der Klimaschutzmanager überzeugt.

Er begann seinen kurzen Vortrag mit einem Rückblick auf die Ereignisse in den letzen Wochen, wozu unter anderem mehrere Veranstaltungen zum Thema Netzwerk Klimaschutz und bereits umgesetzte Pilotprojekte in anderen Kommunen zählten. Er habe sich vieles angesehen und geschaut, ob sich das für Münnerstadt umsetzen lässt.

Zwei schöne Beispiele

Stefan Richter möchte das bürgerschaftliche Engagement fördern und dazu nannte er zwei für ihn äußerst positive Beispiele. Das eine war die erste Aufführung des Münnerstädter Heimatspiels bei schlechten Wetter und einigen Widrigkeiten mehr. Trotzdem habe es die Heimatspieler durchgezogen. "Wenn Menschen gemeinsam etwas wollen, dann sind sie in der Lage, Berge zu versetzen", schlussfolgerte er. Das zweite Beispiel war das neue Kneipp-Becken in Reichenbach. Es hätte wohl bis zu 90 000 Euro gekostet, aber es fielen lediglich Materialkosten in Höhe von wenigen Tausend Euro an. "Die Menschen haben zugepackt. Da kann man sehen, wie beispielhaft etwas laufen kann, wenn man es Bürgerhand gibt." Er finde so etwas ganz wichtig.

Mit großer Bestätigung für den eingeschlagenen Weg seiner Stadt und vielen Informationen ist Stefan Richter in der letzten Woche vom Jahreskongress der Deutschen Energieagentur zurückgekehrt. Aus mehreren Gesprächen seiner drei Tage in Berlin haben sich Folgetermine ergeben. Diese werden Stefan Richter mit seinen Ideen für eine Energiewende und den Klimaschutz in Münnerstadt ans Fraunhofer-Institut und zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) führen. Außerdem erhielt er direkt eine Vortragseinladung beim Deutschen Institut für Urbanistik. Sehr gerne möchte er in drei, vier Jahren dann selbst auf der Bühne eines solchen großen Kongresses stehen. Dort kann er vor den führenden Klimaschutzfachleuten von den ersten Erfolgen aus seiner kleinen Gemeinde in Unterfranken berichten.

PV-Anlage mit Speicher

Der Klimaschutzmanager rief ein Projekt in Erinnerung, das schon einmal im Stadtrat behandelt worden war. Johannes Schmitt (Münnerstadt) und Benedikt Deuchert (Bad Kissingen) wollen auf einer rund 1,5 Hektar großen Fläche nahe dem Bauhof am Bahndamm eine Photovoltaikanlage errichten, deren Besonderheit ein Speicher ist. Zum einen soll in Absprache mit Benedikt Deuchert auf der Fläche auch ein Biotop entstehen, um einer Photovoltaikanlage durch einen ökologischen Nutzen eine bis hierhin vollkommen ungesehene Perspektive und größere Akzeptanz bei den Bürgern zu schenken.

Um dieser Annahme eine entsprechende Gültigkeit zu geben, soll das Projekt mehrjährig wissenschaftlich begleitet und untersucht werden. Hierzu befindet sich Stefan Richter im Moment bereits in ersten Gesprächen mit zwei Universitäten sowie dem BUND und der Naturschutzbehörde, aus dem dann ein konkreter Forschungsantrag folgen würde.

Zum anderen würde man gerne mit dem Johann-Philipp-Schönborn-Gymnasium kooperieren, indem Oberstufenkoordinator Jürgen Hack zukünftig kleinere Projekte im Rahmen seines P-Seminars für die Oberstufe an der Photovoltaikanlage vor Ort einbindet.

Obwohl es nicht so vorgesehen war, hätten Stefan Richter und Bürgermeister Michael Kastl (CSU) gerne einen Beschluss des Stadtrats gehabt, dass dieser prinzipiell dem Vorhaben positiv gegenüber steht. Er wolle die Räte aber nicht überfallen, sagte Michael Kastl dazu. "Ich kann nur Vorteile, keine Nachteile erkennen", meinte Christine Martin (Grüne). Rosina Eckert (Forum Aktiv) wollte das doch noch einmal in ihrer Fraktion besprechen, weshalb noch kein Beschluss gefällt wurde.

Treffen der NES-Allianz

Mit großer Erwartung sieht der Klimamanager dem Lenkungsgruppentreffen der NES-Allianz an diesem Donnerstag entgegen. Er und Professor Markus Brautsch von der OTH Amberg hatten sein angestrebtes Klimaschutz-Netzwerk für die Region in der letzten großen Sitzung ausführlich vorgestellt und beworben. Nun hofft er am Donnerstag auf zahlreiche Interessensbekundungen der Allianzpartner. Per Beschluss bekundete der Münnerstädter Stadtrat jetzt sein Interesse. Es habe sich auch schon eine Kommune aus dem Landkreis Bad Kissingen gemeldet, sagte der Bürgermeister. "Mit diesem Netzwerk erhält nicht nur jede einzelne Kommune eine für sich passgenaue Fachberatung und bestmöglichen Einstieg in die großen Bereiche Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffizienz sowie klimafreundliche Mobilität, sondern wir können uns gemeinsam auf den eingeschlagenen Weg in Richtung Klimaneutralität machen", sagt Stefan Richter dazu.