Sie ist schroff, zerklüftet. Eine Axt dringt in das Gebäude ein. "Es handelt sich um eine begehbare Skulptur", sagt Thomas Pfarr. Die Idee und der künstlerische Entwurf stammen vom Kleinrinderfelder Bildhauer Willi Grimm, der Münnerstädter Künstler Thomas Pfarr hat die Umsetzung des Entwurfs und die Organisation übernommen, Roland Ress (Bad Königshofen) ist der Architekt des anspruchsvollen Projektes. Alle drei arbeiten rein ehrenamtlich an dem Mahnmal, das an die 379 durch die Nationalsozialisten ermordeten Menschen mit Behinderungen erinnern soll, die zuletzt von den Schwestern des St.Josefskongregation in Ursberg, Holzen und Maria Bildhausen betreut worden waren.


Tötungsanstalt Hartheim

Thomas Pfarr berichtet von einer Fahrt von Mitarbeitern und Betreuten des Dominikus-Ringeisenwerkes und der St. Josefskongregation nach Schloss Hartheim (Oberösterreich), an der auch Willi Grimm und er teilnahmen, weil beide Künstler mit Maria Bildhausen eng verbunden sind. Die Tötungsanstalt Hartheim war von Mai 1940 bis August 1941 eine "Euthanasie"-Anstalt der Aktion T4. Mehr als 18 000 Menschen mit Behinderungen und Kranke sind in den 16 Monaten des T4-Programms in Schloss Hartheim ermordet worden. Sie wurden in einer Gaskammer durch Kohlenmonoxid getötet und anschließend verbrannt. "Dort haben die Nationalsozialisten das Töten gelernt", sagt Thomas Pfarr. Unter den Opfern waren auch Menschen, die in Einrichtungen der St. Josefskongregation gelebt hatten.
"Der Gang zur Gaskammer hat uns so erschüttert, das hat uns einfach nicht mehr losgelassen", erinnert sich Thomas Pfarr. "Schon dort waren wir überzeugt, dass Maria Bildhausen eine Gedenkstätte erhalten muss, die unübersehbar auf diesen Wahnsinn hinweist." Und: "Wenige Wochen später hatte Willi Grimm bereits einen Entwurf erarbeitet."
Von Anfang an seien die Akteure bemüht gewesen, die Kosten niedrig zu halten. Deshalb hat Thomas Pfarr den ihm bekannten Architekten Roland Ress angesprochen, der auch Willi Grimm von verschiedenen Ausstellungen kennt. "Wir engagieren uns gerne ehrenamtlich", sagt der Architekt. Im Mahnmal sah er genau das richtige Projekt, um dies wieder zu tun.


Architektonisch anspruchsvoll

"Die Umsetzung ist architektonisch und statisch sehr anspruchsvoll", erläutert der Architekt. Schräge Wände, schiefe Ebenen als Deckenplatten und die vielen Details, die beachtet werden müssen. Schließlich soll am Ende auch dort ein Spalt sein, wo Willi Grimm ihn vorgesehen hat. Der zeitgenössische Künstler hat in Kleinrinderfeld die Glasscheiben des Kunstwerkes bemalt. Durch die dringt Licht in das Beklemmung auslösende Denkmal ein. "Licht steht für die Hoffnung und das Göttliche, dadurch soll die Beklemmung wieder aufgelöst werden",sagt Thomas Pfarr.
"Der monströsen Tötungsmaschinerie des Naziregimes, die zum Ziel hatte, ,überflüssiges Lebensmaterial' einzusparen, weil es nicht der Nützlichkeits- und Optimierungsideologie der Nationalsozialisten entsprach, fielen in Maria Bildhausen acht Menschen mit Behinderung zum Opfer. Die Erinnerung an diesen Wahnsinn der Vernichtung können wir mit der finanziellen Hilfe der Diözese nun plastisch werden lassen", sagt Walter Merkt, Direktor des Dominikus-Ringeisen-Werks.
"In unseren Augen braucht Erinnerung nicht nur einen Ort des Gedenkens, wo Gedanken abgelegt werden. Vielmehr verlangt Erinnerung nach konkreten Räumen, in denen Vergangenes spürbar wird; Räume, in denen über Begehung und Körpererfahrung einem die Vergangenheit sprichwörtlich auf den Leib rückt und sie darüber ihre Anonymität, ihre Distanz verliert", betont Merkt. Wolle Erinnerung lebendig und nachdrücklich bleiben, müsse sie selbst Gestalt annehmen und sich als solche einprägen. "Dieser Überzeugung trägt das Euthanasie-Mahnmal, das in Maria Bildhausen entstehen wird, in seiner gesamten künstlerischen Sprache Rechnung."


Die Finanzierung

Von den Gesamtkosten in Höhe von 150 000 Euro für das Mahnmal mit einem Innenraum von etwa 30 Quadratmetern tragen das Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg und die Sankt-Josefskongregation jeweils 50 000 Euro. 35 000 Euro schießt das Bistum Würzburg zu. Die noch fehlenden 15 000 Euro sollen unter anderem durch Spenden getragen werden.