Während anderenorts die Menschen ihren werktäglichen Geschäften und Erledigungen nachgingen, beging Münnerstadt am Dienstag seinen gelobten Feiertag. Die traditionelle Schwedenprozession fiel zwar wegen der Corona-Pandemie aus, doch es wurde ein ansprechender Ersatz gefunden, den Feiertag würdig zu begehen. An den drei Stadttoren besuchten gut 200 Besucher die Andachten. Junge Gottesdienstbesucher gab es allerdings nur wenige, weil der 8. September ein Arbeitstag war.

Mit viel Aufwand hatten Pfarrgemeinde und Stadt Münnerstadt dafür gesorgt, dass auch in Corona-Zeiten das alte städtische Gelöbnis eingelöst werden konnte und trotzdem alle Vorschriften eingehalten wurden.

Für den in Münnerstadt aufgewachsenen Augustiner Christian Rentsch war diese Form eine gute Lösung. Dieser Feiertag sei heuer sogar etwas besonders, erklärte er auf Nachfrage dieser Zeitung. Das Gelöbnis stamme aus einer Notzeit. Und durch Corona gebe es heuer gewissermaßen eine Aktualisierung des Feiertages, findet Christian Rentsch, der Zelebrant am Oberen Tor war.

Stadtpfarrer P. Markus Reis hielt die Andacht am Jörgentor, P. Wilfried Balling am Dicken Turm.

"Es freut mich als Vertreter der Stadt Münnerstadt umso mehr, dass wir uns heute vor den drei noch vorhandenen historischen Stadttoren einfinden und des historischen Ereignisses durch eine Andacht gedenken", erklärte Bürgermeister Michael Kastl am Jörgentor. Mitglieder der Heimatspielgemeinde trugen den Text der Gelöbnistafel vor. Die Legende berichtet, dass die Muttergottes die Stadt im 16. Jahrhundert vor den schwedischen Truppen gerettet hat. Die musikalische Umrahmung übernahmen die Stadtkapelle sowie Regionalkantor Peter Rottmann und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ulrike Jira.

Viele Helfer waren nötig, um die Andachten feiern zu können. Tradition hat, dass die Anwohner an den Toren die Altäre schmücken. Einfach ist das nicht, weil der Feiertag ja oft auf einen Werktag fällt. Franz Scheublein hat sich auch heuer wieder frei genommen, um gemeinsam mit den Nachbarn den Altar aufzubauen.

Anja Katzenberger half schon als Kind am Oberen Tor mit. Sie macht das gerne, weil sie diese Tradition schätzt. Die Alternative zur sonst stattfindenden Schwedenprozession fand sie gelungen, auch wenn die Prozession natürlich etwas anderes sei.

Die Münnerstädterin Rita Pfennig erinnert sich am gelobten Feiertag auch immer an ihre eigene Kindheit zurück. Sie weiß noch, wie es war, als die Prozession auch am Unteren Tor Station gemacht hat. Das ist mehr als 75 Jahre her. 1945 wurde der nördliche Stadtturm zerstört. Als Kind habe sie Blumen für die Altäre mit herbeigetragen. Seit wann der gelobte Feiertag gefeiert wird, ist nicht bekannt. Vermutlich wurde er im 17. Jahrhundert von den Augustinern nach Münnerstadt gebracht. Die Holzaufbauten für die Altäre am Jörgentor und am Oberen Tor stammen aus dem 19. Jahrhundert.