Jetzt geht es richtig los: Nicht die Marienanstalt wird das erste Projekt der inzwischen 83 Mitglieder zählenden Bürgergenossenschaft Münnerstadt sein, sondern das Reißmannshaus. Mit der Bekanntgabe des Projekts ist die Phase der Neuorientierung nach dem Rücktritt Martin Kuchlers als Vorstandsvorsitzender vorüber. Das Signal ist eindeutig: Die Bürgergenossen wollen Nägel mit Köpfen machen - so wie es Martin Kuchler einst angekündigt hat.
"Die Idee ist so brillant, dass sie in Münnerstadt nicht einfach untergehen darf", sagt Hartmut Hessel, der nach dem Rücktritt Martin Kuchlers die Amtsgeschäfte leitet. Den Vorsitz will er zwar nicht übernehmen, aber so lange noch kein neuer Vorstand gefunden ist, wird das langjährige frühere Stadtratsmitglied die Bürgergenossen leiten. "Wir sind auch so voll arbeitsfähig", fügt Aufsichtsratsvorsitzender Leo Pfennig hinzu.

Marienanstalt nicht vom Tisch

Und das stellen die beiden auch gleich unter Beweis. Die von Martin Kuchler als erstes Projekt ausgewählte Marienanstalt habe nach wie vor höchste Priorität, erläutert Hartmut Hessel. Allerdings liege die Investitionssumme bei rund drei Millionen Euro. "Das ist in der Entstehungsphase nicht darstellbar", erklärt Hartmut Hessel. Um die notwendige Eintragung ins Genossenschaftsregister zu bekommen, hat die Bürgergenossenschaft nun nach einem Projekt gesucht, das umsetzbar ist. Dann lassen der Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende die Katze aus dem Sack: "Die Bürgergenossenschaft wird kurzfristig das Reißmannshaus kaufen." Das Konzept sieht vor, dass daraus ein "internationales Künstlerhaus in Unterfranken" wird. Das ist auch ein langjähriger Wunsch der Münnerstädter Künstlerin Mia Hochrein.
Zunächst wollen die Bürgergenossen das Haus kaufen, dann sämtliche Fördermöglichkeiten ausloten, wobei der Altstadtverein Münnerstadt bereits seine Hilfe zugesagt hat. Mit dem Besitzer, Michael Moritz, sei ein angemessener Kaufpreis ausgehandelt worden. "Das ist auch die Philosophie der Bürgergenossen: Wir wollen niemanden über den Tisch ziehen", betont Hartmut Hessel.

In gute Hände

Michael Moritz bestätigt gegenüber unserer Zeitung seine Verkaufsbereitschaft an die Genossen. "Wir wollten es in gute Hände geben", betont er. Das habe er auch mit seinem kürzlich verstorbenen Vater, Johann Moritz, so besprochen. Michael Moritz ist selbst Mitglied der Genossenschaft. Auf die Sanierung des Reißmannshauses freut er sich schon, besonders auf die Freilegung des Fachwerks.
Bei einem Forum am 1. Oktober um 19 Uhr (Ort ist noch nicht bekannt) wollen die Verantwortlichen das Konzept vorstellen und darüber diskutieren. Angedacht ist der Einbau von drei Wohnungen, in der vorübergehend Künstler wohnen, die im Haus auch arbeiten. Ein Atelier und ein Ausstellungsraum gehören ebenso zum Konzept. Wenn keine Künstler im Haus sind, könnten die Wohnräume als Ferienwohnungen genutzt werden. Die Bürgergenossen werden das Haus kaufen und sanieren. Die geschätzten Kosten dafür belaufen sich auf 500 000 Euro, wobei natürlich Fördermittel erwartet werden. Eine Kreditaufnahme für den Kauf des Hauses wird nicht nötig sein. Ein Betreiber des Künstlerhauses müsse noch gefunden werden, sagt Hartmut Hessel, der sich da aber sehr zuversichtlich zeigt.