Richterin Susanne Wasserbauer sagte am Ende der mehr als dreistündigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Kissingen ganz deutlich, was passiert, wenn sich der soeben Verurteilte nicht an die Bewährungsauflagen hält: "Dann sind Sie ganz schnell im Gefängnis." Ebenso bekräftige sie, dass er nur mit einer neunmonatigen Bewährungsstrafe (auf vier Jahre) davon gekommen ist, weil ein bei der Verhandlung anwesender Gutachter bei einem Teil der vorgeworfenen Taten verminderte Schuldfähigkeit bzw. Schuldunfähigkeit nicht ausschließen konnte, was sich strafmildernd auswirkte. Dies hatte auch die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer anerkannt. Mit dem Urteil folgte die Richterin dem Antrag der Staatsanwältin, wobei sie die einzelnen Taten anders gewichtete. Zu den 13 Vorstrafen des Rentners ist nun eine 14. gekommen. Und ein weiterer Gerichtstermin steht noch aus.
Quälerische Tierhaltung, das Lagern gefährlicher Stoffe, fahrlässige Brandstiftung, vorsätzliche Körperverletzung mit Beleidigung und versuchte vorsätzliche schwere Körperverletzung mit Beleidigung standen im Raum.


Tierhalteverbot verhängt

Das Landratsamt Bad Kissingen hatte bereits vor einiger Zeit gegen den Mann ein Tierhaltungsverbot verhängt. Bei einer Kontrolle fand man aber ein Kaninchen in einem viel zu kleinen Käfig vor. Altöl, eine Autobatterie und zahlreiche Eternitplatten wurden ebenfalls bemängelt.
Sein Opa sei Tierpfleger gewesen, er sei mit Tieren aufgewachsen, brachte der Rentner zu seiner Verteidigung vor. Er hänge an ihnen. Die Autobatterie wollte er für jemanden geladen haben, das Altöl sei nur ein halber Liter gewesen und Eternitplatten lägen da schon 30 Jahre. Er habe auch schon 2000 Euro Strafe bezahlt. Eingehend auf die durch Fotos verdeutlichten chaotischen Zustände auf dem Grundstück wollte Susanne Wasserbauer wissen: "Sind Sie ein Sammler?" Inzwischen habe eine Firma aufgeräumt, meinte der Angeklagte. Der Mann, dessen Haus bei dem Brand Anfang des Jahres schwer beschädigt worden war, wohnt jetzt in einem Baucontainer, der auf dem Grundstück steht.

Dass er einen Nachbarn angegangen ist, der eine Wiese mähte, räumte der Angeklagte ein. Er sei immer davon ausgegangen, dass das sein Grundstück sei. Schnell kam die Sprache auf Alkohol, der offensichtlich eine nicht unerhebliche Rolle im Leben des Mannes spielt. Auch starke Schmerztabletten hat er genommen. Grund dafür sei ein gebrochenes Handgelenk und schuld daran Polizisten, die ihn gefesselt hätten.
Der Nachbar wurde später als Zeuge befragt. Einen blauen Fleck hatte er davongetragen und der Aufsitzrasenmäher sei beschädigt worden. Der Vorfall ereignete sich an dem Tag, an dem der Nachbar das Grundstück notariell gekauft hatte.

Dann stand im Raum, dass der Angeklagte ein großes Holzstück nach einer älteren Nachbarin geworfen haben soll. Daran könne er sich nicht erinnern, meinte der Angeklagte. Ob er sie mit den Worten "blöde Kuh" beleidigt hat, fragte die Richterin nach und bekam zur Antwort: "Das kommt öfter mal vor." Die Nachbarin schilderte später als Zeugin, wie sie die Angelegenheit erlebt hat: Ein Kran, der Abrissarbeiten am Haus des Angeklagten ausführte, hatte ein Stück Holz aus ihrem Zaun gebrochen. Sie machte den Angeklagten darauf aufmerksam, dass er für den Schaden aufkommen müsse.


Beinahe getroffen

Daraufhin habe der Rentner das Holz nach ihr geworfen und hätte sie wohl auch am Kopf getroffen, wenn sie sich nicht bewegt hätte. Es hatte schon öfter Streit zwischen den Nachbarn gegeben. Aber: "Vorher habe ich nie Angst vor ihm gehabt. Seitdem habe ich Angst", erklärte die Zeugin. Beleidigt habe er sie aber nicht. Susanne Wasserbauer bohrte nach, ob er nicht "blöde Kuh" gesagt habe. "Das hat er gesagt"; meinte sie und gestand ein:
"Ich werde wohl auch etwas gesagt haben."

Zu den Zeugen gehörte auch eine Polizistin, die beschrieb, wie sie im August 2014 ein Kaninchen und vier Meerschweinchen vorgefunden hat, die der Angeklagte trotz Tierhalteverbots besaß. Weil es eine Engstelle im Hof gab, habe der Mann selbst vorgeschlagen, sich Handschellen anlegen zu lassen. Nieman hätte sonst vor oder hinter ihm laufen wollen, weil er bei einer ähnlichen Situation zuvor plötzlich ein Messer in der Hand hatte, so die Polizistin. Zur Sprache kam auch, dass der Mann nach den verhandelten Vorkommnissen noch einmal Tiere gehalten und die Polizei angegriffen hat. Wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wird er sich noch einmal verantworten müssen.
13 Vorstrafen wies das Strafregister bis dato aus. Wegen Betrugs, versuchter Körperverletzung, Fahren ohne Führerscheins und exhibitionistischer Handlungen war er unter anderem verurteilt worden. Der Gutachter bescheinigte ihm eine hohe organische Persönlichkeitsstörung, die er auf den erheblichen Genuss von Alkohol zurückführte. Rechtsanwalt Karlheinz Weigand betonte unter anderem in seinem Plädoyer, dass sein Mandant einfach nicht sachgerecht mit Tieren umgehen könne und selbst in einem katastrophalen Umfeld lebe.
Zu den verhängten Auflagen gehören ein Bewährungshelfer, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit, der Besuch einer Suchtberatung und ein richterliches Tierhaltungsverbot.


Ein großer Teil des Prozesses gegen den Bewohner eines Münnerstädter Stadtteils beschäftigte sich mit der Frage, ob der Angeklagte auch noch eine fahrlässige Brandstiftung in seinem eigenen Haus begangen hat. Diesen Anklagepunkt zog die Staatsanwältin aber später zurück.
Anfang dieses Jahres hatte es in dem Haus des Angeklagten gebrannt. Er verfügte über eine nicht betriebsbereite Ölheizung, eine funktionierende Holzheizung und zusätzlich über einen Küchenherd, den der Mann am fraglichen Tag aber nicht benutzt haben will, wie er bei der Verhandlung sagte, Bei einer früheren Vernehmung hatte er allerdings angegeben, dass der Ofen zum Zeitpunkt des Brandausbruchs bereits aus gewesen sei.


Betrieb untersagt

Wie der zuständige Kaminfeger als Zeuge aussagte, habe er darauf hingewiesen, dass Holzheizung und Ofen nur wechselseitig betrieben werden dürfen, nie gleichzeitig. Es stellte sich aber heraus, dass ein Verstoß dagegen keinen Brand verursacht, sondern die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung birgt. Der Kaminkehrermeister verwies auch darauf, dass er den Betrieb des Küchenofens wegen verschiedener Schäden untersagt hatte. Er hatte auch den Verdacht geäußert, dass der Kamin wegen vorheriger Brände bereits Risse hat, der Angeklagte kam daraufhin aber mit einem Gutachten, dass alles in Ordnung sei. "Da steht man da", sagte der Zeuge.


Gutachten erstellt

Und der Angeklagte hatte noch einmal einen Gutachter beauftragt, nach der Brandursache zu forschen. Die Versicherung hatte die Zahlung zunächst eingestellt, als das Verfahren eröffnet worden war. Der Gutachter, der vor Gericht aussagte, kam zu dem Schluss, dass es ein Kaminbrand gewesen sein muss. Zum Zeitpunkt seiner Begutachtung war zwar der Schornstein bereits eingerissen, die verbliebenen Mauern reichten ihm aber aus. Er habe die typischen Anzeichen entdeckt. Daraufhin beantragte die Staatsanwältin, den Anklagepunkt fallen zu lassen.