Einstimmig hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einer Bauvoranfrage des Dominikus-Ringeisen-Werkes (DRW) zugestimmt. Auf dem ehemaligen Parkplatz der Firma Remog in der Reichenbacher Straße soll ein kombiniertes Angebot aus Werk- und Förderstätten sowie ambulanten und gemeinschaftlichen Wohnformen entstehen. Erste Überlegungen stellten der Gesamtleiter des DRW Unterfranken, Rainer Waldvogel und Architekt Stefan Buttler dem Stadtrat vor.

"Passt ins Umfeld"

"Es ist ein tolles Projekt", sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) dazu. Rainer Waldvogel habe schon länger nach einem Grundstück gesucht, aber es sei nicht leicht gewesen, ein passendes zu finden. Nun habe sich mit dem Remog-Parkplatz doch noch etwas ergeben. Das Projekt passe genau ins Umfeld mit Bestatterzentrum, Studienseminar, Berufsbildungszentrum (BBZ) und Gymnasium. "Es entsteht ein weiter Campus", betonte der Bürgermeister. "Mein ausdrücklicher Dank geht an das Landratsamt, wo wir große Unterstützung haben."

"Wir reagieren mit dieser Bauvoranfrage auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Einrichtungen der Behindertenhilfe umsetzen müssen", so Rainer Waldvogel in einer Presseerklärung. Am Standort Maria Bildhausen sei deshalb in den kommenden Jahren die sukzessive Sanierung der bestehenden Wohneinrichtungen geplant. Hier soll Platz für mehr Einzelzimmer geschaffen werden. Da sich die Belegungszahl der Häuser dadurch verringert, muss das DRW anderenorts Wohnraum anbieten. "Bei der Auswahl geeigneter Standorte ist uns wichtig, dass sich Menschen mit Behinderung so selbstständig wie möglich im Gemeinwesen bewegen können, gut angebunden sind, eine passende Arbeitsstelle vor Ort haben und somit die Betreuung bestmöglich gewährleistet ist", erklärte Rainer Waldvogel.

Zuschüsse abklären

Das Grundstück an der Reichenbacher Straße sei zur Umsetzung dieser Faktoren gut geeignet. Lage, Anbindung und Größe stimmen. Sollte der Stadtrat der Bauvoranfrage ebenso positiv gegenüberstehen, ist der nächste Schritt für das DRW die Klärung der Finanzierung mit dem Bezirk und der Regierung von Unterfranken. Beide Behörden entscheiden über mögliche Fördersummen und Zuschüsse. "Solange steht das Projekt unter Finanzierungsvorbehalt", stellte Rainer Waldvogel klar. Sollte auch dies geklärt sein, möchte das DRW das Bauvorhaben schrittweise umsetzen. Laut Schätzung könnte sich die Bebauung des Grundstücks auf die Zeitspanne von zehn Jahren erstrecken. Auf einmal ließe sich ein solches Projekt schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisieren, sagte Waldvogel. Wenn der Campus dann jedoch fertig sein wird, gebe es hier ambulante und gemeinschaftliche Wohnangebote, Werk- und Förderstätten. "Die Menschen, die hier leben und arbeiten werden, haben dann kurze Wege und sind gleichzeitig gut in der Stadt angeschlossen. In Sachen Inklusion wäre das für viele Menschen, die wir begleiten, ein großer Schritt", so Rainer Waldvogel.

Die erste Wahl

"Die Stadt Münnerstadt war immer die erste Wahl", betonte der Gesamtleiter in der Stadtratssitzung. "Unsere Menschen mit Behinderungen haben ein Anrecht, betreut und gebildet zu werden." Für den Erwerb des Grundstück sei ein Notartermin vereinbart worden. Das DRW stehe unter erhebliche Zeitdruck, denn 24 Plätze fallen in Maria Bildhausen weg und sollen in Münnerstadt neu entstehen. Der zweite Teil sei der Berufsbildungsbereich, wo Menschen mit Handycap die Möglichkeit haben, zu ihnen passende Berufe zu finden. "Die Pläne sind keine zwei Wochen alt", so der Gesamtleiter. "Ich würde den Stadtrat bitten, die Bauvoranfrage zu genehmigen und uns willkommen zu heißen."

"Das Grundstück ist wunderbar geeignet, sagte Architekt Stefan Buttler, der schon mehrere Projekte in Münnerstadt umgesetzt hat. Allerdings beträgt der Höhenunterschied von der Reichenbacher Straße bis zum Bahndamm mehr als zehn Meter. Er stellte das Projekt mit Wohngruppen, Begegnungsstätte, Förderstätte, Gruppenräumen, Mehrzweckräumen, Mutter-Kind-Begegnungsstätte und einer möglichen kleinen Gastronomie sowie geschätzten 50 Stellplätzen vor. "Ich habe als Architekt die Hoffnung, dass es nicht zehn Jahre dauert", sagte Stefan Buttler. Auch er bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt als sehr positiv und bat um die Zustimmung des Stadtrats.

Bei der kurzen Diskussion lobten mehrere Stadträte den Entwurf, Leo Pfennig (Freien Wähler) wollte wissen, ob eine fußläufige Verbindung zum städtischen Jägergrundstück und damit zum Bahnhof geschaffen werden soll. Michael Kastl, sagte, dass er das sehr begrüßen würde, und Rainer Waldvogel hält das vor allem für den Berufsbildungsbereich für sehr wichtig. Bis zu 30 Klienten würden dann jeden Tag am Bahnhof ankommen und über die gerade Verbindung zum Campus laufen. Dann erfolgte der einstimmige Beschluss.