"Im Herbst ist eine große Jubiläumsfeier geplant", sagt Andreas Trägner, stellvertretender Vorsitzender der Freien Wähler und 2. Bürgermeister der Stadt Münnerstadt. "Wir wollen natürlich den einen oder anderen politischen Hochkaräter dabei haben." Ihren 45. Geburtstag haben die Freien Wähler mit Hubert Aiwanger gefeiert. "Die Planung ist aber heuer sehr schwierig", meint Frank Erhard, der seit August letzten Jahres Vorsitzender der Freien Wähler ist. Trotzdem: Es ist der 50. Jahrestag, und der soll im Herbst mit einem Kommersabend würdig begangen werden. Über das ganze Jahr soll es kleinere Veranstaltungen geben, vorausgesetzt, Corona lässt das zu.

Eigentlich viel älter

Bei den Freien Wählern in Münnerstadt ist es nicht anders als bei vielen Städten und Gemeinden: Es gibt zwar ein offizielles Ursprungsdatum, aber eigentlich sind sie viel älter. Was bei den Städten und Gemeinden die erste urkundliche Erwähnung ist, ist bei den Freien Wählern in Münnerstadt der Zusammenschluss der Freien Wählergemeinschaft und der Unabhängigen Christlichen Wähler am 25. März 1972 zur Bürgergemeinschaft Münnerstadt (BGM). Einen Unterschied gibt es aber doch. Während der tatsächliche Gründungstag der meisten Städte und Gemeinden im Dunkeln liegt, gehen die Wurzeln der Freien Wähler auf eine Ergänzung im Bayerischen Wahlgesetz zurück. Ab 1948 waren nicht nur Parteien berechtigt, Wahlvorschläge zu unterbreiten. Das durfte ab da jede Gruppe von Wahlberechtigten tun. Und so geschah es auch in Münnerstadt.

In den Unterlagen der Freien Wähler sind die Namen der Gründer aus dem Jahr 1948 zu finden: Simon Reulbach, Alfred Bötz, Oberstudienrat Kraus, Gerhard Fuhrmann, Michael Büchs, Karl Zeischka und Hans Magold, der auf Anhieb Bürgermeister wurde. Die Gruppe stellte mit zehn Ratsmitgliedern die absolute Mehrheit. 1962 bildete sich unter Bürgermeister Alfred Müller eine zweite Gruppe, die Union Christliche Wähler. Zu ihnen zählten Robert Bötz, Richard Gaiser, Helmut Müller, Karl Köth und Hans Moritz. Gemeinsam stellten die Freien Wähler acht der 16 Räte, zusammen mit dem Bürgermeister hatten sie die absolute Mehrheit.

Sieben Kandidaten schafften es

Mit der Gebietsreform 1972 kamen zehn umliegende Gemeinden zu Münnerstadt hinzu. Vor der Kommunalwahl im Juni 1972 schlossen sich beide Gruppen im März zur Bürgergemeinschaft Münnerstadt zusammen. Lindhorst Saar, Franz Josef Scheublein und Edgar Dömling zeigten vollen Einsatz bei der Kandidatensuche und beim Wahlkampf. Sieben Kandidaten der Bürgergemeinschaft schafften es in den Stadtrat: Linus Albert, Edwin Back, Bertram Becker, Simon Reulbach, Hugo Büttner, Gottfried Wieselhuber und Konrad Probst. Linus Albert war auch als Bürgermeisterkandidat angetreten, Ferdinand Betzer (CSU) setzte sich durch.

1978 waren es dann sechs Stadträte der BGM, 1984 trat dann Hans Stein als Bürgermeisterkandidat an, aber Ferdinand Betzer (CSU) wurde ein drittes Mal gewählt. In den Stadtrat schafften es erneut sechs Kandidaten. 1990 trat mit Gudrun Schuster erstmals eine Bürgermeisterkandidatin in Münnerstadt für die BGM an, aber Ferdinand Betzer setzte sich ein viertes Mal durch, fünf BGM-Mitglieder kamen in den Stadtrat.

Die große Stunde der BGM schlug 1996. Da setzte sich Eugen Albert als Bürgermeisterkandidat der BGM durch, und weitere sieben Mitglieder schafften es in den Stadtrat, darunter mit Gudrun Schuster und Helga Schleier zwei Frauen. Im Jahr 2002 wurde Eugen Albert im Amt bestätigt, fünf Stadträte hatte er zur Seite. Bei der Wahl 2008 erlebte die BGM einen herben Rückschlag. Helmut Blank (CSU) setzte sich gegen Eugen Albert als Bürgermeister durch, lediglich drei Kandidaten schafften es in den Stadtrat. Die inzwischen in Freie Wählergemeinschaft Münnerstadt umbenannte Gruppierung bekam auch 2014 lediglich drei Kandidaten in den Stadtrat, sie schlossen sich bei wichtigen Beschlüssen meist mit Forum Aktiv und der SPD zusammen, konnten aber die knappe Mehrheit von CSU und Neue Wege nur selten brechen.

Spannende Wahl

Im Juni 2017 allerdings wurde Andreas Trägner, der seit 2008 im Stadtrat saß, in einer äußerst spannenden Wahl zum 2. Bürgermeister ernannt. Er setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Klaus Schebler (Neue Wege) durch. Im ersten Wahlgang hatten beide Kandidaten zehn Stimmen erhalten, im zweiten war eine ungültig. Andreas Trägner gewann mit zehn zu neun Stimmen. Er trat bei der Kommunalwahl 2020 als Bürgermeisterkandidat gegen Michael Kastl (CSU) und Axel Knauff (SPD) an. Nachdem Michael Kastl gewonnen hatte, wählte der Stadtrat Andreas Trägner erneut zum 2. Bürgermeister. Derzeit stellen die Freien Wähler mit vier Stadträten die zweitstärkste Fraktion im Gremium.

Gegründet haben sich die Freien Wähler zwar im März vor 50 Jahren, aber gefeiert wird wegen Corona erst im Herbst. "Wir sind noch in der Planungsphase", sagt Andreas Trägner. Es soll eine große Jubiläumsfeier werden. "Wir wollen Werbung machen für uns und die Stadt." Staatssekretärin Anna Stolz würden sie gerne dazu holen, aber noch ist nichts sicher.

Andreas Trägner weiß junge, engagierte Mitglieder um sich herum. Allen voran Frank Erhard, der im Sommer letzten Jahren den Vorsitz übernommen hat. Er stammt aus Mellrichstadt, lebt seit sieben Jahren in Münnerstadt und ist über Andreas Trägner zu den Freien Wählern gekommen. Er hebt die Kombination von älteren und jüngeren Mitgliedern hervor. Das bedeute einerseits Erfahrung und andererseits Tatendrang. "Wobei man das bei den anderen nicht ausschließen sollte", meint der Vorsitzende. Manche der neuen Mitglieder seien gerade einmal Anfang 20, ergänzt Andreas Trägner. "Das macht richtig Spaß." Mehr als 50 Mitglieder gehören insgesamt dazu, normalerweise treffen sie sich einmal im Monat zum Stammtisch. Allerdings haben im letzten Jahr wegen der Pandemie gerade einmal zwei Treffen stattfinden können. Das traditionelle Entenessen im November gehört auch zu den Höhepunkten im Jahresverlauf. Und in diesem Jahr kommt die große Jubiläumsfeier dazu.