Melanie Hochrein zögert keine Sekunde. "Es war genau so, wie ich es mir vorgestellt habe", sagt sie auf die Frage, nach ihren ersten Eindrücken. Das betreffe einerseits die Kultur mit der Musik und den Filmen, andererseits auch die teilweise "richtig gravierende Armut". Wie kommt eine 20-jährige Studentin der Pädagogik und Soziologie dazu, einen Monat Unterricht in Delhi zu geben? "Ich mache das, um zu helfen", sagt sie. "Man sieht so auch vieles von der Not, was normale Urlauber nicht sehen." Sie sei durchs Land gelaufen und an Stellen gekommen, die man sonst nicht kennenlernen könnte.

Wie gravierend die Unterschiede in Indien sind, macht sie an einem Beispiel deutlich. So hat sie ein Einkaufszentrum nach westlichen Vorbild gesehen, gegenüber befand sich ein Slum in dem Menschen in bitterster Armut leben.

Melanie Hochrein spricht aus Erfahrung, Denn es war nicht ihre erste Reise dieser Art. Zuvor war sie schon einmal in Tansania gewesen. Beide Reisen hat die Hilfsorganisation VoluNation organisiert, auf die sie im Internet aufmerksam geworden ist.


Nächste Reise in Planung

Melanie Hochrein plant eigentlich schon ihren nächsten Auslandsaufenthalt dieser Art. Im Moment sind allerdings die Eltern nicht so recht begeistert. Denn aus Indien hatte sie eine Krankheit mitgebracht. "Nichts Schlimmes", sagt sie. Aber trotzdem musste sie vorsorglich ins Krankenhaus. Für sie ist das schon fast wieder vergessen.

In Indien gab sie den Kindern Englisch- und Mathestunden und spielte oder musizierte mit ihnen am Nachmittag. Vier Wochen lang half Melanie Straßenkindern in einem muslimisch geprägten Bezirk Delhis. "Die Kinder haben sich jeden Morgen riesig gefreut und mich umarmt", erinnert sie sich.

Das Projekt steht Kindern und Jugendlichen offen, die nicht regelmäßig in die Schule gehen, weil sie auf der Straße leben oder arbeiten gehen müssen. Der Bildungsstand dieser Kinder ist sehr unterschiedlich. "Meine Gruppe bestand aus acht oder neun Mädchen, die zwischen sieben und zwölf Jahren alt waren. Das englische Alphabet, einfache Wörter, Tiernamen und natürlich die Aussprache habe ich mit den Kindern geübt." Das war nicht einfach, erzählt Melanie. Die Kinder sprechen Hindi, verstehen nur wenig Englisch und waren sehr schüchtern. Deshalb musste sie sich einiges einfallen lassen, damit die Aufgaben zum einen verstanden, zum anderen gelöst werden konnten.


Unterricht auf dem Fußboden

Wenn es gar nicht anders ging, bat sie einen der indischen Betreuer um Übersetzungshilfe. "Wir unterrichteten alle zusammen in einem riesigen Raum, in dem sich jede Gruppe in eine Ecke gesetzt hat. Da konnte ich schnell fragen, wenn es nötig war." Richtige Klassenzimmer gibt es nicht, Kinder und Lehrer sitzen auf dem Fußboden, das einzige Unterrichtsmaterial sind Hefte und Stifte, für die älteren Kinder auch schon mal ein Whiteboard. Wichtig ist, die Kinder immer wieder zur Mitarbeit zu motivieren.


Hindi gelernt

Ganz stolz waren die Kinder, wenn sie Melanie Hindi beibringen konnten. "Einmal habe ich ein Gesicht gemalt und wir haben geübt, was Auge, Mund und Nase auf Englisch heißt. Ich habe dabei die Vokabeln auf Hindi gelernt."

Bis 13 Uhr ging der Unterricht, nach dem Mittagessen begann das Freizeitprogramm der Kinder. Karom, ein in Indien und anderen asiatischen Ländern sehr beliebtes Brettspiel, aber auch Theater- und Musikunterricht standen auf dem Programm. Für Melanie bestätigte sich in den vier Wochen so manches Klischee, das es über Indien gibt. "Musik spielt eine große Rolle. Im Fernsehen laufen ständig Bollywood-Filme und die Kinder sind sehr musikalisch."

Sie hatte ihre Mundharmonika aus Deutschland mitgebracht, die die Kinder ausprobieren durften. Sie war überrascht, wie schnell sie Töne und kurze Melodien spielen konnten. Auch der Trommelunterricht mit Eimern und Löffeln klang verblüffend gut, meint sie. "Sie haben ein tolles Rhythmusgefühl."

Freitagnachmittags gingen viele Kinder in die nahegelegene Moschee, mit den übrigen schaute sie dann Zeichentrickfilme im Fernsehen. Zum Abschied haben die Kinder die Tür von außen verriegelt, damit Melanie nicht gehen kann. Doch die unvermeidliche Abreise ließ sich allenfalls verzögern, nicht aber aufhalten und beim endgültigen Abschied flossen sogar ein paar Tränen.

In Delhi und bei den Ausflügen hat sich Melanie immer gefreut und ist auf zahllose freundliche und hilfsbereite Menschen gestoßen. "Das war eine schöne Erfahrung, zu spüren, wie sich wildfremde Menschen um uns Freiwillige gekümmert haben." Viele Tempelanlagen hat sie besucht und ist einmal sogar ins Himalaya-Gebirge gefahren.

Zu den anderen Freiwilligen aus aller Welt, die sie in Indien traf, hat sie weiterhin Kontakt. Mit den Deutschen wird sie sich bestimmt wieder treffen, eine Freiwillige aus Finnland hat ihren Besuch bei Melanie auch schon angekündigt. Andere Kulturen kennenzulernen ist ihr immer wichtig.

Mehr zum Projekt "VoluNation" finden Sie hier.